Aktualisiert: 11.01.2021 - 16:59

Alle außer einer Diese Infektionskrankheiten verdrängt Corona gerade

Händewaschen schützt auch vor anderen Infektionskrankheiten. Das und weitere Maßnahmen gegen Corona scheinen zumindest teilweise dazu beigetragen haben, dass die meisten Infektionskrankheiten im Jahr 2020 rückläufig waren.

Foto: Getty Images/sinology

Händewaschen schützt auch vor anderen Infektionskrankheiten. Das und weitere Maßnahmen gegen Corona scheinen zumindest teilweise dazu beigetragen haben, dass die meisten Infektionskrankheiten im Jahr 2020 rückläufig waren.

Derzeit könnte man fast meinen, es gebe nur noch das Coronavirus, verfolgt man Medien und private Gespräche. Doch auch all die anderen Krankheitserreger sind nicht einfach weg. Jedoch gehen sie nachweislich zurück, insbesondere aufgrund der Corona-Maßnahmen. Nur eine Ausnahme gibt es.

Corona hier, Covid da – über nichts wird seit Monaten so viel gesprochen wie über die Pandemie. Andere Krankheiten? Kritiker monieren, es gebe offenbar ja nichts anderes mehr. Und teilweise ist das gar nicht so falsch. Viele von uns müssen lange überlegen, wann sie das letzte Mal eine Erkältung hatten. Das haben Forschende jetzt untersucht und Bilanz gezogen: Weltweit sind die Fälle anderer Infektionskrankheiten zurückgegangen – zumindest teilweise wegen Corona.

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Weniger Infektionskrankheiten im Corona-Jahr 2020

Der Fachbereich Surveillance am Robert Koch-Institut (RKI) hat nun die Ergebnisse einer Analyse zur Entwicklung meldepflichtiger Infektionskrankheiten vorgestellt. Die Analyse soll zur Untersuchung möglicher Pandemieeffekte dienen. Einbezogen wurden nebst Erkältungen, Grippe oder Magen-Darm-Infektionskrankheiten auch beispielsweise Salmonellen, Tuberkulose oder Hepatitis. Bei fast allen war demnach ein Rückgang in 2020 zu verzeichnen – außer bei sexuell übertragbaren Krankheiten.

Knapp 140.000 Fälle relevanter meldepflichtiger Krankheiten wurden demnach zwischen März und Anfang August 2020 nebst Covid-19 gemeldet. Nach Herausrechnen jährlicher Schwankungen und Trends entspreche das einem Rückgang von 35 Prozent gegenüber dem erwarteten Wert, den man anhand der Vorjahre (Januar 2016 bis Februar 2020) berechnet hatte.

Rückgang wegen Corona-Maßnahmen? Ja, aber nicht nur

Rückläufig waren vor allem Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen, zeigen die Analysenergebnisse. Weniger stark gingen dagegen sexuell übertragbare Krankheiten zurück.

Kinderkrankheiten wie Windpocken oder Keuchhusten traten weniger als halb so oft auf wie erwartet. Vor allem zeigt sich ein Rückgang bei den Masern: Die gingen im Beobachtungszeitraum um 85 Prozent zurück – das liege laut Epidemiologe Rafael Mikolajczyk von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg aber sicherlich an den sowieso üblichen starken jährlichen Schwankungen, nicht nur an den Corona-Maßnahmen.

Auffällig war der Rückgang an Tropenkrankheiten wie Malaria oder dem Denguefieber – wahrscheinlich zurückzuführen auf die selteneren Reisen in Jahr 2020.

Es liege also sicherlich zum Teil an den Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie, sagen die RKI-Wissenschaftler*innen, etwa Abstandsregelungen, Handhygiene, Kontaktbeschränkungen, Schul- und Kitaschließungen sowie Homeoffice. Das Sinken der Zahlen habe aber verschiedene Gründe, denn es sei von mehreren Faktoren abhängig und vor allem erregerspezifisch. Man könne die Gründe nicht allein mit Datenanalyse erklären, sagt etwa Sonia Boender vom RKI auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Viele Faktoren müssen berücksichtigt werden

Die Datenanalyse erschwert auch, dass Meldezahlen immer davon abhängig sind, ob Erkrankte tatsächlich zum Arzt gehen und welche Tests gemacht werden. Auch dies könnte insbesondere im Corona-Jahr 2020 mit in die Ergebnisse hineingeflossen sein. So muss auch damit gerechnet werden, dass manche Menschen aus Angst vor einer Corona-Infektion im Wartezimmer nicht zum Arzt gegangen sind. Ebenso könnten überlastete Behörden bzw. der Fokus auf Covid-19 mit hineinfließen.

"Dem würde ich aber geringere Bedeutung zuschreiben – und würde schon auch erwarten, dass die Kontrollmaßnahmen Effekte auf andere Infektionen gehabt haben", erklärt aber Mikolajczyk. Zumindest für Infektionskrankheiten, die gleich oder ähnlich wie das Coronavirus Sars-CoV-2 übertragen werden, dürften die Maßnahmen für den Rückgang mitverantwortlich sein, sagen er und auch Fachleute vom Landesamt für Gesundheit und Soziales.

Als Beispiel lässt sich die Grippewelle nennen. Die hatte mit dem Lockdown im Frühjahr 2020 ein jähes Ende gefunden. Und auch bisher sind kaum Fälle aufgetreten. Seit Saisonbeginn im Herbst seien nicht einmal 300 Grippefälle im Labor bestätigt worden. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum bereits über 5.000, sagt das RKI. "Es wird bisher von einer Zirkulation von Influenzaviren auf einem extrem niedrigen Niveau in der Saison 2020/21 ausgegangen." Das habe man auch im Ausland bemerkt – auf der Südhalbkugel ist die Grippewelle quasi "ausgefallen".

Nur diese eine Krankheit ist nicht zurückgegangen

Auch Krankschreibungen wegen akuter Bronchitis, Grippe, Magen-Darm-Infekten oder Lungenentzündungen seien zurückgegangen, das hatte auch die Krankenkasse AOK Nordost kürzlich berichtet. Nur eine Zunahme hat es – nebst Covid-19 – laut RKI-Daten ab März gegeben: Die Fälle von FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sind nicht zurückgegangen. Die Krankheit wird von Zecken übertragen – also nicht von Mensch zu Mensch. Einer der Hauptgründe? Die Zeckensaison hatte dieses Jahr aufgrund des milden Winters bereits im März begonnen – das Rote Kreuz hatte im Frühjahr schon vor mehr Zecken gewarnt. Und gegen Zecken helfen weder Mundschutz noch Handhygiene – sondern vor allem lange Kleidung und genaues Absuchen nach Aufenthalten in der Natur.

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