Aktualisiert: 07.01.2021 - 16:09

EMA gibt grünes Licht Impfstoff ist zugelassen! Das ist das Vakzin von Moderna

So funktionieren mRNA-Impfstoffe

So funktionieren mRNA-Impfstoffe

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Es ist soweit: Seit 6. Januar ist der zweite Corona-Impfstoff in der EU zugelassen: Jetzt darf auch Moderna sein mRNA-basiertes Vakzin liefern. Und das hat durchaus Vorteile gegenüber dem Impfstoff von Biontech und Pfizer. Ein Überblick:

Noch ein mRNA-basierter Impfstoff gegen das Coronavirus findet bald seinen Weg nach Deutschland: Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat das Vakzin vom US-Biotechkonzern Moderna zugelassen. Da stellt sich die Frage: Unterscheiden sich die Impfstoffe? Wo gibt es Unterschiede? Ist einer vielleicht besser? Der Moderna-Impfstoff mRNA-1273 im Fokus.

Moderna-Impfstoff: So funktioniert das Vakzin

Der Impfstoff hört auf den, naja, weniger klangvollen Namen mRNA-1273, mit dem aber schon genannt wird, um welche Art Impfstoff es sich hierbei handelt. Wie schon das bereits zugelassene und geimpfte Vakzin vom Mainzer Biotech-Unternehmen und US-Konzern Pfizer ist auch der Impfstoff von Moderna ein mRNA-basierter Impfstoff. Dabei wird nicht wie bei klassischen Impfstoffen ein abgetöteter oder abgeschwächter Erreger gespritzt, sondern ein kleiner Bestandteil des Virusgenoms, sogenannte Messenger-RNA. Diese Boten-RNA ist eine Art Bauplan, die den Körper dazu bringt, das Antigen eines Virus – im Falle des Coronavirus das Spike-Protein, mit dem es an Zellen andockt – nachzubauen. Auf dieses Antigen reagiert anschließend das Immunsystem und bildet Antikörper aus, die dann auch bei Kontakt mit dem tatsächlichen Virus reagieren und gegen Covid-19 schützen.

Das Unternehmen mit Sitz in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts produziert das Vakzin in Amerika und in Europa.

Reicht eine Dosis?

Im Vergleich zum Vakzin von Biontech und Pfizer, das 30 Mikrogramm Impfstoffmenge vorsieht, liegt diese bei Moderna bei 100 Mikrogramm. Injiziert wird wie bei anderen Impfungen ins Muskelgewebe.

Wie es auch beim Vakzin von Biontech der Fall ist, braucht es für den vollständigen Impfschutz zwei Impfdosen von mRNA-1273. Diese sollen in einem Abstand von vier Wochen gegeben werden. Theoretisch kann der Zeitraum auch etwas länger sein, jedoch könnte sich dann möglicherweise nicht der vollständige Impfschutz ausbilden, insbesondere wenn gänzlich auf die zweite Dosis verzichtet wird, wie derzeit wegen der Impfstoff-Knappheit vorgeschlagen wird. Experten befürchten außerdem, dass sich so möglicherweise eher Mutationen bilden könnten, wenn die Immunantwort im Körper zu schwach ist.

Es gibt aber aus den USA dennoch den Vorschlag, zumindest bei Menschen zwischen 18 und 55 Jahren nur die halbe Dosis zu spritzen. Gegenüber dem Sender CBS sagt etwa der Chef des US-Impfprogramms Moncef Slaoui, man wisse, dass dies die gleiche Immunantwort hervorrufe. Studien dazu liegen aber noch nicht öffentlich vor.

So wirksam ist der Impfstoff – und das sind die Nebenwirkungen

Seit Januar 2020 arbeitet Moderna bereits am Impfstoff. Die Ergebnisse der für die Zulassung relevanten Phase-III-Studie belegen, dass sich die Wirksamkeit von mRNA-1273 nach den zwei Impfdosen auf 94,1 Prozent beläuft. Bei Menschen über 65 Jahren soll die Wirksamkeit 86,4 Prozent betragen. Doch schon nach der ersten Impfdosis wurde bei der Hälfte der Geimpften eine Schutzwirkung gegen Covid-19 beobachtet. Wie lange die Schutzwirkung anhält, ist bisher noch nicht hundertprozentig nachgewiesen, laut Daten der Phase-I-Studie war die Immunantwort aber mehrere Monate lang deutlich im Blut nachweisbar.

Die Nebenwirkungen von mRNA-Impfstoffen sind generell gering – das zeigt auch die Datenlage aus der klinischen Moderna-Studie. Es traten bei den mehr als 30.000 Probanden keine ernsten Nebenwirkungen auf. Die häufigste Nebenwirkung waren demnach Schmerzen an der Einstichstelle. Auch Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen oder Schüttelfrost traten auf, verschwanden aber nach wenigen Stunden wieder. Solche Impf-Nebenwirkungen sind in aller Regel ein Zeichen dafür, dass der Impfstoff wirkt und das Immunsystem mit dem Aufbau einer Immunantwort beginnt.

Laut US-Arzneimittelbehörde FDA gibt es wie bei allen Impfungen aber durchaus ein geringes Risiko für eine schwere allergische Reaktion. Dies wurde bereits im Rahmen der Moderna-Impfung in den USA berichtet – dort hatte ein Arzt nach der Impfung allergisch auf den Moderna-Impfstoff reagiert. Solche seltenen Reaktionen treten insbesondere bei starken Allergikern auf und passieren innerhalb weniger Minuten bis zu einer Stunde nach Gabe der Impfdosis. Aus diesem Grund werden Geimpfte nach der Impfung eine Zeit lang beobachtet – insbesondere dann, wenn sie Allergiker sind.

Übrigens: Insgesamt traten in der klinischen Studie unter den über 30.000 Probanden 196 Fälle von Covid-19 auf. Davon hatten 185 Probanden das Placebo, also nicht den Impfstoff, erhalten. 11 der tatsächlich mit dem Vakzin Geimpften erkrankten an der von Sars-CoV-2 ausgelösten Krankheit, jedoch keiner von ihnen schwer.

Der Vorteil: Lagerung und Transport einfacher

Das Impfen mit dem Impfstoff von Biontech ist kompliziert. In Arztpraxen ist dies nicht möglich, da das Vakzin bei unter -70 °C gelagert werden muss, um haltbar zu bleiben. Die Impfdosen von Moderna sind da ein wenig umgänglicher. Bei Temperaturen von -20 °C ist der Impfstoff sechs Monate haltbar. Jedoch kann er auch 30 Tage bei normaler Kühlschranktemperatur aufbewahrt werden. Er liegt zudem bereits in der nötigen Impfkonzentration vor und muss nicht noch verdünnt werden, wie es bei BNT162b2 der Fall ist.

Dafür ist das Vakzin mit 14,70 Euro pro Impfdosis offenbar etwas hochpreisiger als das von Biontech, das mit 12 Euro pro Dosis zu Buche schlägt. Im Vergleich: Eine Impfdosis des noch nicht zugelassenen Vektor-Impfstoffes von AstraZeneca ("Oxford-Vakzin") soll offenbar schlanke 1,78 Euro kosten. Die Daten sind jedoch nur vorläufig, erklärt etwa n-tv.

Übrigens braucht auch der Wirkstoff von AstraZeneca, ein Vektorimpfstoff, keine besondere Kühlkette – er ist sogar bei regulären Kühlschranktemperaturen mindestens sechs Monate haltbar – und könnte so auch in normalen Arztpraxen verimpft werden.

So viel Impfstoff braucht Deutschland noch

Kürzlich hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach der Kritik am holprigen Impfstart bekannt gegeben, man wolle jedem impfwilligen deutschen Bürger bis zum Sommer eine Impfung ermöglichen. Bisher reicht der vorhandene Impfstoff nicht aus, um die Impfungen voranzutreiben. Doch mit dem hinzukommenden Vakzin von Moderna könnte sich das ändern. Das Unternehmen will im ersten Quartal 2021 insgesamt 100 bis 125 Millionen Impfdosen produzieren. Im gesamten Jahr 2021 möchte man auf mindestens 500 Impfdosen, maximal eine Milliarde kommen, die weltweit verteilt werden sollen.

Deutschland soll im Rahmen der Bestellung der EU insgesamt 50,5 Millionen Dosen des Impfstoffes von Moderna erhalten. Zusammen mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer macht das 136,3 Millionen Impfdosen, die innerhalb dieses Jahres geliefert werden sollen. Damit könnten sich bei Gabe beider Dosen 68,2 Millionen Bürgerinnen und Bürger gegen das Coronavirus impfen lassen. Für eine flächendeckende Immunität wäre laut WHO eine Impfrate von rund 70 Prozent notwendig. Bei 83 Millionen Bundesbürger*innen wäre dieser Prozentsatz erreicht. Doch will sich Stand jetzt ein Teil der Bevölkerung nicht impfen lassen oder ist noch skeptisch. Experten erwarten aber, dass sich die Impfbereitschaft noch erhöht, nachdem die ersten Impfungen ohne große Probleme über die Bühne gegangen sind. Dazu interessant: Sie sind skeptisch bei der Impfung? Müssen Sie nicht – aus diesen Gründen:

Zudem kommen in den nächsten Monaten wahrscheinlich noch andere Vakzine dazu: Was ist eigentlich mit den anderen Impfstoffen? Auch da gibt es Neuigkeiten: Der deutsche Hersteller Curevac will sich für seinen Impfstoff mit Bayer zusammentun und eine "nationale Impfallianz" gründen, damit das Sommer-Ziel erreicht werden kann.

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Darf man mitentscheiden, welchen Impfstoff man bekommt?

Jetzt, wo mehrere Impfstoffe vorhanden sind bzw. in den Startlöchern stehen, fragen sich viele: Darf man sich das Vakzin aussuchen? Letztendlich entscheidet dies die Ärztin oder der Arzt. Denn manche Impfstoffe sind für den einen Personenkreis besser geeignet als andere. So oder so: Wirksam gegen das Coronavirus sind sie alle. Und schützen muss man sich danach trotzdem weiterhin, denn der Impfschutz muss sich erst aufbauen. Zudem ist noch nicht klar, ob man nicht trotzdem noch andere anstecken kann. Bisher steht fest: Geimpfte können sich noch infizieren, erkranken aber nicht mehr schwer.

Quellen: vfa – die forschenden Pharmaunternehmen, Weltgesundheitsorganisation WHO, Robert-Koch-Institut (RKI), Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dpa, n-tv, Moderna, Phase-III-Studie im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMc2032195)

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