Aktualisiert: 04.01.2021 - 17:11

Kampf gegen Corona Was ist eigentlich mit den anderen Impfstoffen?

Es gibt nicht nur einen Corona-Impfstoff. Viele weitere sind gerade auf dem Weg und könnten die Impfstoff-Knappheit beenden. Wie steht es um diese Vakzine von Curevac und Co?

Foto: Getty Images/Kunal Mahto

Es gibt nicht nur einen Corona-Impfstoff. Viele weitere sind gerade auf dem Weg und könnten die Impfstoff-Knappheit beenden. Wie steht es um diese Vakzine von Curevac und Co?

Bisher ist lediglich ein Corona-Impfstoff in der EU und damit in Deutschland zugelassen. Der zweite soll diese Woche folgen. Doch es gibt noch viele weitere Kandidaten. Wie ist dort der Stand – und wann ist endlich so viel Impfstoff da, dass flächendeckend geimpft werden kann?

Derzeit können wir in Deutschland mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer auf einen einzigen Corona-Impfstoff zurückgreifen, der darüber hinaus knapp ist und eine spezielle Aufbewahrung verlangt. Dabei sind andernorts bereits weitere Impfstoffe gegen Covid-19 in der Nutzung oder werden entwickelt. Wie ist dort der Stand? Eine Übersicht:

Impfstoffe gegen Covid-19: Diese Möglichkeit haben wir jetzt

In der EU und damit in Deutschland ist bislang der mRNA-Impfstoff vom Mainzer Unternehmen Biontech in Zusammenarbeit mit dem US-Pharmariesen Pfizer zugelassen. Seit dem 26. Dezember werden damit insbesondere Pflegeheim-Bewohner sowie Pflegepersonal geimpft. Doch der Impfstoff ist knapp, die EU hatte vergleichsweise wenige Dosen bestellt. Zudem ist die Produktion von mRNA-Impfstoffen so aufwändig, dass sie nicht einfach so erhöht werden kann. Es fehlt daher an Impfdosen, während der Bedarf gigantisch ist.

So funktionieren mRNA-Impfstoffe
So funktionieren mRNA-Impfstoffe

Diese beiden weiteren Impfstoffe sind wohl bald verfügbar

Am 6. Januar entscheidet die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA darüber, ob der mRNA-Impfstoff vom US-amerikanischen Pharmakonzern Moderna in der EU zugelassen wird. Bei diesem Impfstoff soll, anders als bei dem von Biontech und Pfizer, eine Einzeldosis für den Impfschutz ausreichen – das Vakzin verspricht eine ebenfalls enorm hohe Wirksamkeit von 94,5 Prozent.

Ebenfalls rechnen Experten mit der baldigen Zulassung des "Oxford-Vakzins", eines Impfstoffes, der vom britisch-schwedischen Pharmaunternehmen AstraZeneca zusammen mit der Oxford Universität entwickelt worden ist und in Großbritannien bereits zugelassen wurde. Die Impfungen damit haben nun begonnen. Bei diesem Impfstoff handelt es sich nicht um einen mRNA-Impfstoff, sondern um einen eher klassischen: Es handelt sich um einen sogenannten Vektor-Impfstoff, der ein abgeschwächtes, nicht replikationsfähiges Schimpansen-Adenovirus enthält. Dieses haben die Forscher so verändert, dass es im Körper von Geimpften auf das Spike-Protein des Coronavirus Sars-CoV-2 anspringt. Das Immunsystem lernt so, auf ebendieses Spike-Protein, mit dem das Virus in Zellen eindringt, zu reagieren.

Das Oxford-Vakzin erreicht nach bisherigen Erkenntnissen keine so enorm hohe Wirksamkeit wie die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und von Moderna. Doch mit 70 Prozent ist sie immer noch hoch genug, um schwere Erkrankungen zu verhindern. Er gilt nach anfänglichen Verunsicherungen als sicher, nur bei drei von 23.745 Teilnehmern traten über einen mittleren Zeitraum von 3,4 Monaten schwerwiegende Nebenwirkungen auf, die aber auch nicht sicher mit der Gabe des Impfstoffes in Zusammenhang stehen. Einer dieser Probanden hatte etwa eine Placebo-Impfung bekommen, also nicht den Impfstoff.

Zusätzlich dürften Menschen, denen die mRNA-Impfstoffe noch immer nicht geheuer sind, hier ein wenig zuversichtlicher zu stimmen sein. Und noch einen weiteren Vorteil hat das Vakzin: Es kann in normalen Kühlschränken aufbewahrt werden und eignet sich damit auch für Impfungen in regulären Arzpraxen.

Sie haben noch Bedenken vor den Impfstoffen und sind impfskeptisch? Müssen Sie nicht sein – hier werden Mythen widerlegt. Zudem klären wir hier über die möglichen Nebenwirkungen von mRNA-Impfstoffen auf.

Diese Impfstoffe sind in anderen Ländern bereits verfügbar

Die Impfstoffe von Moderna und von AstraZeneca werden außerhalb der EU bereits teilweise eingesetzt, etwa in den USA, in Kanada oder in Großbritannien, das seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr zur Europäischen Union gehört. Daneben gibt es noch insgesamt fünf chinesische Impfstoffe, etwa von Sinovac und Sinopharm. Das Vakzin von Sinopharm ist seit dem Jahreswechsel offiziell in China zugelassen. Es gab aber bereits Notfallzulassungen und Zulassungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Indonesien.

Bereits im August machte dagegen Russland Schlagzeilen mit seinem Impfstoff "Sputnik V". Das Vakzin war im Sommer 2020 bereits zugelassen worden, jedoch hatte man die eigentlich für Wirksamkeit und vor allem Sicherheit notwendige Phase-III-Studie ausgelassen. In dieser Phase wird ein Impfstoff oder Medikament an vielen Tausend – im Falle der Corona-Impfstoffe an mehreren Zehntausend – Probanden getestet. Damit sollen unter anderem seltene Nebenwirkungen ausgeschlossen werden. Anfang Dezember haben in Russlands Hauptstadt Moskau Massenimfpungen mit "Sputnik V" begonnen. Laut dem russischen Gesundheitsministerium soll der Impfstoff in 90 Prozent der Fälle Wirksamkeit zeigen. Doch über die Sicherheit ist nicht viel bekannt. Daher werfen viele Länder der russischen Regierung vor, durch Weglassen der Phase-III-Studie mit der Gesundheit der Menschen zu spielen. Das schmälere auch die allgemeine Akzeptanz des Impfens und wird nach wie vor kritisiert.

Bei den sich derzeit in Zulassung oder in Phase-III-Studien befindenden Impfstoffen erklären die Behörden, dass es bei der Entwicklung keinerlei Abkürzungen gegeben habe, die ein Risiko darstellen könnten. Vor allem bürokratische Vorgänge seien beschleunigt worden, etwa die Vorlage von Zwischenergebnissen. Die Sicherheit stehe an oberster Stelle. Mehr dazu: Wann ist eine neue Impfung wirklich sicher und wirksam?

Gibt es weitere aussichtsreiche Impfstoffe?

Seit das Genom des Coronavirus Sars-CoV-2 entschlüsselt und damit die Sequenz des Viren-Erbguts bekannt ist, haben viele Unternehmen begonnen, an Impfstoffen zu forschen – teilweise schon Anfang 2020. Einige davon sind noch immer im Rennen und zeigen Fortschritte. So hat etwa das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac im Dezember mit der klinischen Phase-III-Studie gestartet. Auch Curevac arbeitet an einem mRNA-Impfstoff. Bei der derzeit laufenden Studie wird das Vakzin an mehr als 35.000 Probanden auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Die ersten Ergebnisse erwartet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge zum Ende des ersten Quartals 2021.

Wie mit anderen Herstellern hat die EU-Kommission auch mit Curevac bereits im Vorfeld einen Kaufvertrag geschlossen. Demnach will die EU dem Unternehmen voraussichtlich bis zu 405 Millionen Impfdosen abkaufen.

Daneben stecken auch Impfstoffe von Johnson&Johnson sowie vom US-Unternehmen Novavax in der groß angelegten Phase-III-Studie. Johnson&Johnson erwartet erste Zwischenergebnisse dieser Studienphase Ende Januar. Novavax hat mit der Studie erst Ende Dezember begonnen, daher werden die Ergebnisse noch einige Zeit auf sich warten lassen.

Was ist mit den Mutationen?

Derzeit bereitet eine neue Coronavirus-Variante Sorgen, die aus Großbritannien kommt und die Runde macht. Und auch in Südafrika hat sich eine hochansteckende Mutation entwickelt. Die von den Impfstoffen angeregten Antikörper bzw. Immunstoffe können aber an mehreren Stellen des Spike-Proteins greifen, so dass die Hersteller davon ausgehen, dass der Impfschutz dennoch gewährleistet ist. Mehrere Unternehmen prüfen dies derzeit aber genauer, zeigen sich aber zuversichtlich.

Es stehen also mehrere Impfstoffe in den Startlöchern oder sind auf gutem Wege dahin. Experten wie Christian Drosten oder auch die Politik zeigen sich daher zuversichtlich, dass wir im Laufe des Jahres 2021 mit einer Entspannung der Lage rund um das Coronavirus rechnen können. Dennoch werden Impfstoffe allein die Pandemie nicht schlagartig beenden. Eine Zeit lang werden uns die Corona-Maßnahmen daher noch begleiten.

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