01.01.2021 - 17:12

Uğur Şahin über Impfstoff-Bestellungen Biontech-Chef muss Produktion hochfahren – weil EU gezögert hat

Von der Redaktion

So funktionieren mRNA-Impfstoffe

So funktionieren mRNA-Impfstoffe

Gerade in Zeit von Corona stellt sich die Frage: Was sind mRNA-Impfstoffe und welche Wirkung haben sie?

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Die EU hat es offenbar versäumt, bereits zu Anfang genügend Impfstoff bei Biontech und Pfizer zu bestellen – das kritisiert Biontech-Vorstandsvorsitzender Prof. Uğur Şahin. Man müsse jetzt neue Produktionspartner finden.

Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer ist der erste und bisher auch einzige, der in der EU und damit auch in Deutschland zugelassen ist. Die EU hatte aber auf mehrere Vakzine gesetzt – und entsprechend nur verhältnismäßig wenige Dosen bei einzelnen Unternehmen bestellt. Das bekommen wir nun zu spüren: Die Impfdosen werden knapp, schon kurz nachdem mit dem Impfen begonnen worden war. Biontech-Chef Prof. Uğur Şahin kritisiert die zögerliche Impfstoff-Bestellpolitik der EU gegenüber dem Spiegel. Man versuche nun, die Produktion kurzfristig auszuweiten, indem man neue Produktionspartner gewinne. Das sei jedoch schwierig, so Şahin.

Zu wenig Impfdosen: Şahin von Biontech muss aufstocken

Das Mainzer Unternehmen setzt nun nach eigenen Angaben alles daran, die Herstellungskapazitäten für seinen Corona-Impfstoff auszuweiten. Es sei aber "alles andere als trivial", die Impfstoff-Produktion so kurzfristig zu erhöhen, erklärt Şahin dem Spiegel. "Es ist ja nicht so, als stünden überall in der Welt spezialisierte Fabriken ungenutzt herum, die von heute auf morgen Impfstoff in der nötigen Qualität herstellen könnten."

Bisher habe man aber fünf weitere Hersteller in Europa beauftragen können, die nun die Produktion unterstützen können. Zudem wird weiter verhandelt, ergänzt Özlem Türeci, Chefmedizinerin des Unternehmens. "Ende Januar haben wir Klarheit, ob und wie viel wir mehr produzieren können."

Man hatte auf mehrere Pferde gesetzt – doch nur eines ist im Rennen

Warum aber diese Engpässe? Şahin führt das auf die Bestellpolitik der EU zurück. Und die ist per se erst einmal nicht falsch – man hätte aber frühzeitig anpassen müssen. Die EU hatte darauf gesetzt, dass mehrere Impfstoffe gleichzeitig bereitstehen würden und entsprechend wenig bei einzelnen Unternehmen bestellt.

"Es gab die Annahme, dass noch viele andere Firmen mit Impfstoffen kommen. Offenbar herrschte der Eindruck: Wir kriegen genug, es wird alles nicht so schlimm, und wir haben das unter Kontrolle. Mich hat das gewundert", sagte Şahin. Es sei durchaus sinnvoll, wenn Regierungen auf mehrere Unternehmen setzen. Doch irgendwann habe sich eben herausgestellt, dass viele gar nicht rechtzeitig liefern können. "Dann war es erst mal zu spät, woanders umfänglich nachzuordern", ergänzte Türeci.

mRNA-Impfstoff-Herstellung ist "große Herausforderung"

Anders hatte es die USA gehandelt: Sie hatten bereits im Juli bis zu 600 Millionen Impfdosen bei Biontech und Pfizer – einem Pharmariesen aus den USA – bestellt. Im Vergleich: In der EU hatte man sich lediglich bis zu 300 Millionen Vakzindosen gesichert – und das auch erst Ende November. Kurz vor Weihnachten wurde der Impfstoff dann in der EU zugelassen, der Impf-Startschuss erfolgte an Weihnachten: Am 26. Dezember war die erste Pflegeheim-Bewohnerin in Deutschland geimpft worden. Weil andere Hersteller aber noch nicht liefern können, wird der Impfstoff jetzt knapp. Es entstehe "ein Loch, weil weitere zugelassene Impfstoffe fehlen und wir mit unserem Impfstoff diese Lücke füllen müssen", so Şahin.

Aber Deutschland werde "genug Impfstoff bekommen", bestätigt Şahin. Unter anderem hatten die Politik, etwa FDP-Chef Christian Lindner oder Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefordert, mehr Tempo bei der Produktion zu machen und eine Art "Krisenproduktion" aufzusetzen. Biontech könne andere Hersteller zur Produktion des Vakzins lizensieren, schlug man vor. Doch es gibt da einen Haken: Die Produktion von mRNA-Impfstoffen, wie der von Biontech einer ist, ist komplex. "Da kann man nicht einfach umschalten, so dass statt Aspirin oder Hustensaft plötzlich Impfstoff hergestellt wird. Der Prozess braucht jahrelange Expertise und eine entsprechende bauliche und technologische Ausstattung." Eine große Herausforderung. Derweil sind Impfstoffe von Moderna und zuletzt AstraZeneca stellenweise auf der Welt zugelassen. In der EU nur eben noch nicht.

Bis alle geimpft sind, wird es eine Weile dauern. Bis dahin gilt es, die Corona-Maßnahmen einzuhalten – auch für die, die bereits geimpft sind. Im Video klären wir Sie auf, warum die AHA+L+C-Formel schützt:

Darum schützt die AHA+L+C-Formel
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Quellen: Nachrichtenagenturen afp, dpa, Spiegel

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