Aktualisiert: 18.12.2020 - 17:55

Studien zeigen Kampf gegen Corona: Wie viel bringen die einzelnen Maßnahmen?

Was bringen Schulschließungen als Corona-Maßnahme im Lockdown, was nutzt eine Ausgangssperre, oder reichen Versammlungseinschränkungen? Viele Forscher befassen sich derzeit mit solchen Fragen.

Foto: Getty Images/Christian Ender / Kontributor

Was bringen Schulschließungen als Corona-Maßnahme im Lockdown, was nutzt eine Ausgangssperre, oder reichen Versammlungseinschränkungen? Viele Forscher befassen sich derzeit mit solchen Fragen.

Die einschränkenden Maßnahmen im Lockdown sind wichtig zum Infektionsschutz, und um eine Kontaktverfolgung wieder möglich zu machen. Dabei stoßen viele davon aber auch auf Kritik. Tatsächlich kann keine Maßnahme alleine vollständigen Schutz geben. Studien zeigen, welche wirklich sinnvoll sind und wie sie sich gegenseitig ergänzen.

"Das bringt doch gar nichts!" – Sätze wie diesen hört man derzeit ob des Lockdown-Frusts immer wieder. Die Regierung hat nun kurz vor Weihnachten doch noch einen harten Shutdown beschlossen, um die enorm hohen Infektions- und damit hoffentlich auch die Todeszahlen wieder zu senken. Dafür gibt es einen ganzen Katalog an Maßnahmen, die teilweise bereits im Frühjahr, während der ersten Welle erprobt wurden. Diese Daten vom Frühjahr können Forscher nun nutzen, um die Nützlichkeit jeder einzelnen genauer zu analysieren. Dabei fällt auf: Ja, einige der Corona-Maßnahmen bringen mehr als andere. Doch nur im Ganzen helfen sie, die Infektionszahlen so effizient wie möglich zu drücken. Ein Überblick:

Corona-Maßnahmen im Lockdown: Mathematiker berechnen Nutzen

Stark eingeschränkte Privattreffen, Versammlungen nur mit wenigen Teilnehmern, Schulschließungen, Ausgangssperren. Solche Corona-Maßnahmen schränken das Leben, wie wir es kennen, stark ein, machen es für den einen schwerer als für den anderen, je nach Standpunkt. Im Homeoffice arbeitende Eltern sind aufgrund von Schulschließungen vor enorme Herausforderungen gestellt. Anderen fehlen die sozialen Kontakte umso mehr. Und welchen Sinn haben eigentlich Ausgangsbeschränkungen oder gar -sperren? Verstehen lässt sich das alles oftmals nur schwer – wenn man alles einzeln betrachtet und nur den eigenen Horizont kennt. Umso wichtiger ist es, zu wissen, welchen Einfluss jede einzelne Corona-Maßnahme hat, wie sie zusammen wirken und warum überhaupt.

Bei einer aktuellen Studie aus dem Fachjournal "Science" etwa haben sich Mathematiker der Universität Oxford solche nicht-pharmazeutischen Maßnahmen (NPI) in 41 Ländern genauer angesehen. Denn jedes Land hat ein wenig anders reagiert. Der Fokus lag auf sieben verschiedenen NPIs, wobei aber Masken und Abstandsregelungen nicht einberechnet werden konnten, denn die hängen stark von der Eigeninitiative der Bevölkerung sowie auch von kulturellen Gewohnheiten ab. Jan Brauner von der Arbeitsgruppe "Oxford Applied and Theoretical Machine Learning" weist daher darauf hin, dass die Ergebnisse nicht als Richtlinie verstanden werden können. Sie können aber das Verständnis für die Maßnahmen schärfen, indem sie die Wirkung der NPIs allein und zusammen aufzeigen.

So viel Einfluss haben die einzelnen Corona-Maßnahmen

Und so sehen die einzelnen Ergebnisse in der Reihenfolge ihrer Wirksamkeit aus:

  • Beschränkung von Versammlungen auf weniger als 10 Personen: konnte die Virus-Reproduktionszahl (Rt) um 42 Prozent senken. Zum Vergleich: Bei Beschränkungen auf 100 Personen sank die Rt um 34 Prozent, bei Beschränkung auf 1.000 Personen nur um 23 Prozent.
  • Schließungen von Universitäten und Schulen: Hier ging die Rt um 38 Prozent zurück.
  • Schließungen aller nicht-essenzieller Geschäfte: senkten den Rt-Wert um 27 Prozent (Jeweils ohne Hygienekonzept! – Es gab große Schwankungen zwischen den Werten, denn hier kommt es stark auf die Frequentierung sowie die Einhaltung von Hygienekonzepten an.)
  • Schließungen von Geschäften mit hohem "Face-to-Face"-Risiko – Restaurants, Bars, Nachtclubs, Kinos, Fitness-Center, jeweils ohne Hygienekonzept!): Der Rt-Wert sank um 18 Prozent, jedoch auch hier mit großen Schwankungen. Es ist davon auszugehen, dass gerade hier Hygienekonzepte eine hohe Schutzwirkung mitbringen können, wenn sich daran gehalten wird und etwa Lüftungen gut funktionieren.
  • Ausgangssperren: Der Rt-Wert sank um 13 Prozent.

Hinweis: Es werden nur fünf Punkte genannt, da die Versammlungsbeschränkungen eigentlich drei Einzelpunkte darstellten.

So sind die Forscher vorgegangen

In manchen der untersuchten Ländern wurden mehrere Maßnahmen gleichzeitig getroffen. Den Rt-Wert konnten sie alle zusammen um 77 Prozent senken. Das zeigt: Nur gemeinsam sind diese Corona-Maßnahmen wirklich stark. Den Berechnungen legten die Mathematiker eine natürliche Basisreproduktionszahl (R0-Wert) des Coronavirus Sars-CoV-2 ohne jegliche Maßnahmen von 3,3 zugrunde. Das bedeutet: Ohne Maßnahmen würde jeder Infizierte im Mittel drei bis vier weitere Personen anstecken, die daraufhin selbst wieder drei bis vier Menschen anstecken würden. So entsteht stark exponentielles Wachstum, die Infektionszahlen schnellen in die Höhe und werden täglich mehr. Damit das Wachstum zum Stillstand kommt, muss der R0-Wert auf unter 1 fallen.

Was nicht mit in die Ergebnisse eingeflossen ist, ist die Häufigkeit eventueller Versammlungen, auch von Privattreffen. Doch es sollte klar sein: Auch wenn man sich nur mit wenigen Menschen trifft – wiederholt man dies täglich mit wechselndem Personenkreis, geht die Infektionsgefahr selbstverständlich wieder nach oben. Und zudem müssen wie erwähnt Hygienekonzepte und das Einhalten der AHA-Regelungen inklusive Lüften und Kontaktverfolgung eigentlich mit einberechnet werden.

Darum schützt die AHA+L+C-Formel
Darum schützt die AHA+L+C-Formel

Wie geht es nun weiter?

Brauner und seine Kolleg*innen nennen die drei Maßnahmen "Schließung von Schulen und Universitäten", "Schließung von Geschäften mit hohem "Face-to-Face"-Risiko" sowie "Bschränkung von Versammlungen auf unter 10 Personen" als Hauptmaßnahmen, die eine Welle brechen können. Doch hier gilt selbstverständlich: Je mehr, desto kürzer müssen wir die Corona-Maßnahmen hoffentlich noch über uns ergehen lassen. Begleiten werden sie uns noch eine ganze Weile. Denn auch, wenn jetzt die ersten Vakzine kommen: Die Corona-Impfung wird die Pandemie nicht schlagartig beenden können. Es kann aber gehofft werden, dass die oben genannten bei sinkenden Infektionszahlen zumindest wieder gelockert werden. Die Maßnahmen rund um die AHA+L+C-Formel werden uns aber sicherlich noch lange begleiten – bis das Coronavirus wieder soweit unter Kontrolle ist, dass wir damit leben können.

Jetzt ist Deutschland erstmal im harten Lockdown, vieles hat geschlossen. Diese Geschäfte und Einrichtungen bleiben aber geöffnet!

Studie:

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