Aktualisiert: 17.12.2020 - 11:09

Impfungen noch nötig? Neue Corona-Medikamente: Dieses Mittel verhindert Übertragung

Ansteckung verhindern: Das können die neuen Corona-Medikamente

Ansteckung verhindern: Das können die neuen Corona-Medikamente

Neues aus der Corona-Medikamentenforschung: Ein Mittel aus Bayern scheint die Infektion von Zellen vollständig zu verhindern. Und ein zweites aus den USA senkt die Infektiosität von Patienten schon innerhalb von 24 Stunden. Brauchen wir dann noch Impfungen?

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Nachdem bisherige Medikamenten-Anwärter gegen Covid-19 ihre Versprechen nicht halten konnten, gibt es Neues aus der Corona-Medikamentenforschung: Ein Mittel aus Bayern scheint die Infektion von Zellen vollständig zu verhindern. Und ein zweites aus den USA senkt die Infektiosität von Patienten schon innerhalb von 24 Stunden. Brauchen wir dann noch Impfungen?

Viel Hoffnung steckt in den Impfstoffen gegen das Coronavirus, die in den kommenden Wochen zugelassen werden sollen. Dennoch wird die Entwicklung wirksamer Medikamente für bereits infizierte Menschen weiter vorangetrieben. Schließlich wird es dauern, bis genügend Menschen geimpft sind. Ein schnell verfügbares Medikament wäre allein angesichts der hohen Todesrate dringend nötig. Und es wird weiter geforscht: Neue Kandidaten für Coronavirus-Medikamente könnten sogar Ansteckungen verhindern oder Zellen gänzlich vor Viren schützen.

Neue Corona-Medikamente: Eines kommt aus Bayern

Das Biopharma-Unternehmen Formycon aus Planegg-Martinsried bei München spricht von einem Forschungserfolg: Ihr Sars-CoV-2-Blocker FYB207 scheint zu verhindern, dass das Coronavirus in Zellen eindringen kann, indem es an den Rezeptor ACE2 auf der Zelloberfläche bindet. Diesen Rezeptor nutzen Coronaviren, um eine Zelle zu entern.

Eine gute Neuigkeit sei das vor allem für Patienten mit schwerem Verlauf, betont Formycon-Chef Carsten Brockmeyer gegenüber tagesschau.de: "Dadurch haben auch Patienten, die schwer an Covid-19 erkrankt und hospitalisiert sind, eine Behandlungsmöglichkeit." Genau hier fehlt es nämlich an wirklich wirksamen Medikamenten, nachdem einstige Hoffnungsträger wie Remdesivir oder Hydroxychloroquin versagt hatten.

Medikament von Formycon: Schutz vor künftigen Coronavirus-Epidemien

Ganz besonders wichtig könnte das Medikament aber im Kampf gegen Virusmutationen sein. Mutiert das Coronavirus signifikant, muss nämlich auch jeder entwickelte Impfstoff neu angepasst werden. Das gehe zwar insbesondere bei mRNA-Impfstoffen recht schnell, müsse aber natürlich klinisch wieder nachstudiert werden, erklärte der Virologe Christian Drosten bereits im November.

Und auch Antikörper-Therapien, wie sie bei Patienten im Anfangsstadium teilweise eingesetzt werden, versagen dann. "Da reicht schon eine keine Mutation aus, damit diese Antikörper wirkungslos werden", erklärt Brockmeyer. "Wir hingegen blockieren die Eintrittspforte, die das Virus nutzt, um in die Zellen einzudringen. Das bietet einen maximalen Schutz vor Mutationen. So beugen wir auch künftigen Coronavirus-Epidemien vor."

Bis das Arzneimittel aber zugelassen werden könnte, vergeht noch einiges an Zeit. Man wolle zwar "zeitnah im ersten Quartal" mit der Europäischen Arzneimittelagentur EMA und der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA sprechen, hoffe aber auf eine Notfallzulassung Anfang 2022. Das Mittel sei perspektivisch vielleicht sogar präventiv einsetzbar, erklärt Formycon-CFO Dr. Nicolas Combé . Bis dahin stehen aber noch viele Tests aus. Bisher ist die Arzneimittelstudie auch nur im Preprint erschienen und als Pressemeldung auf der Unternehmensseite verfügbar.

US-Medikament verhindert Corona-Übertragung

Währenddessen gibt es aber ähnlich positive Meldungen aus den USA: Einem amerikanischen Forscherteam ist es offenbar gelungen, ein Medikament zu entwickeln, das die Übertragung von Sars-CoV-2 innerhalb von 24 Stunden vollständig verhindern soll. Auch hier ist von einem Forschungsdurchbruch seitens der Forschenden der Georgia State University in Atlanta die Rede. Ihre Studienergebnisse sind bereits im Fachjournal "Nature Microbiology" erschienen.

Ihr Medikament mit dem klangvollen Namen MK-4482/EIDD-2801 wird glücklicherweise auch Molnupiravir genannt und kann oral eingenommen werden. Ursprünglich sei es im Kampf gegen die Grippe entwickelt worden, erklären die Wissenschaftler*innen. Man habe die Zielsetzung aber aufgrund der Coronavirus-Pandemie angepasst. Studienleiter Prof. Dr. Richard Plemper betont, es sei der erste Nachweis eines oral verfügbaren Medikaments, das die Übertragung von Sars-CoV-2 schnell blockiere. Für die Bewältigung der Pandemie sei die Unterbrechung lokaler Corona-Übertragungen von größter Bedeutung.

Molnupiravir könnte Pandemie eindämmen

Gleich dreifachen Nutzen sprechen die Studienautoren dem Medikament zu:

  1. Der Wirkstoff hemme das Fortschreiten schwerer Erkrankungen.
  2. Die Infektionsphase und damit die Quarantänezeit ließen sich damit verkürzen.
  3. So könnten Infektionsketten bei lokalen Ausbrüchen unterbrochen werden.

Laut Plemper senkt das Medikament bei Tieren die Menge der ausgeschiedenen Viruspartikel um mehrere Größenordnungen und kann so die Übertragung "dramatisch reduzieren".

Getestet wurde Molnupiravir bisher allerdings nur an Frettchen, die aber in Sachen Corona-Übertragung als jungen Menschen ähnlich gelten. "Wir glauben, dass Frettchen ein relevantes Übertragungsmodell sind, weil sie Sars-CoV-2 leicht verbreiten, aber meistens keine schwere Krankheit entwickeln", erklärt Dr. Robert Cox aus dem Forschungsteam. Vergleichbar sei dies mit der Ausbreitung von Sars-CoV-2 bei jungen Erwachsenen.

Tests mit Menschen folgen jetzt

Im Versuch ließ sich zeigen: In einem Käfig mit infizierten, aber mit dem Wirkstoff behandelten Frettchen steckte sich kein weiteres gesundes Tier an. In einer Placebo-Gruppe erkrankten alle Frettchen im Käfig. Nun muss Molnupiravir bei Menschen genauso wirken: Dann wären sie innerhalb von 24 Stunden nach Einnahme nicht mehr infektiös. Dies soll nun in einer klinischen Phase-II/III-Studie getestet werden, die vom Pharmakonzern Merck geführt wird. Hierbei werden dann auch Nebenwirkungen, Wirkungsdauer und Länge der Behandlung getestet. Noch gibt es hierzu keinerlei Aussagen bzw. verlässliche Angaben.

Bis beide Medikamente als sicher geprüft gelten und dann auch zugelassen werden könnten, vergeht also noch viel Zeit. Bis dahin kann natürlich noch viel passieren, wie etwa der Fall Remdesivir gezeigt hat. Erst hochgelobt, wurde irgendwann festgestellt, dass das Medikament offenbar doch keine Auswirkungen auf den Verlauf zu haben scheint. Forscher gehen bei der Suche nach neuen Medikamenten nach dem "Trial and Error"-Prinzip vor: Es wird ausprobiert, und entweder es klappt, oder es klappt eben nicht. Dann wird verändert und neu ausprobiert oder eben verworfen.

Bis tatsächlich wirksame Medikamente auf den Markt kommen, liegt die Hoffnung auf den Coronavirus-Impfstoffen, die in den Startlöchern stehen und die Pandemie hoffentlich zumindest insoweit eindämmen, dass die Infektionszahlen heruntergehen und das normale Leben zumindest ansatzweise wieder möglich wird. Die Pandemie beenden können die Impfstoffe allein allerdings nicht.

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