Aktualisiert: 04.02.2021 - 09:58

AstraZeneca im Detail Diese Corona-Impfung reduziert offenbar DOCH Übertragungen

Weitere Studiendaten für den Corona-Impfstoff "AZD1222" sind da – und sie zeigen, wie die Wirksamkeit erhöht wird und wovor der Impfstoff wohl doch schützt.

Foto: Getty Images/SOPA Images / Kontributor

Weitere Studiendaten für den Corona-Impfstoff "AZD1222" sind da – und sie zeigen, wie die Wirksamkeit erhöht wird und wovor der Impfstoff wohl doch schützt.

Seit Kurzem ist mit AstraZeneca der dritte Impfstoff gegen das Coronavirus in der EU und damit in Deutschland zugelassen. Viel Verwirrung gab es aufgrund möglicherweise geringerer Wirksamkeit. Aber eine neue Erkenntnis lässt aufhorchen – und die ist ganz das Gegenteil von dem, was zuerst befürchtet wurde.

Als dritter Impfstoff im Kampf gegen das Coronavirus hat er sich unter die bereits zugelassenen Vakzine gemischt – bisher jedoch mit eher ernüchternden Ergebnissen: Der Impfstoff "AZD1222" von AstraZeneca, auch bekannt als "Oxford-Vakzin". Die Freude über einen Impfstoff, der nicht besonders stark gekühlt werden muss und theoretisch auch Hausärzten zur Verfügung stünde, ist allerdings getrübt ob der verwaschenen Daten zur Wirksamkeit. Die ist mit rund 60 Prozent zwar immer noch höher als wir es uns vor einem Jahr erhofft hatten, kommt aber an die der mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna nicht ran. Und auch der russische Impfstoff Sputnik V zeigt weit mehr Wirksamkeit, obwohl er so funktioniert wie der von AstraZeneca – mit Vektorviren.

Dennoch gibt es genügend Gründe, den Impfstoff nicht als "Impfstoff zweiter Klasse" abzustempeln. Denn eines kann das Vakzin auf jeden Fall: schwere Verläufe verhindern, und das ist erst einmal das Wichtigste. Aber noch einen zweiten Pluspunkt sammelt das Vakzin wohl laut ersten Daten, die bei den anderen Impfstoffen noch nicht vorliegen: Offenbar reduziert das Oxford-Vakzin auch die Übertragung. Sprich: Wer damit geimpft ist, trägt offenbar auch eine geringere Viruslast mit sich herum und kann das Virus entsprechend seltener weitertragen. Diese Meldung überrascht, hieß es doch im Dezember noch, das Vakzin schaffe es nicht, die Weiterverbreitung des Erregers zu stoppen.

Impfstoff von AstraZeneca schützt offenbar doch vor Virus-Weitergabe

Zwei Ziele haben Impfstoff-Hersteller im Kampf gegen Viren im Sinn – so auch bei den Coronavirus-Vakzinen:

  1. Der Impfstoff soll Geimpfte vor der symptomatischen Krankheit schützen und so schwere Verläufe verhindern. Das ist das Ziel, das vorerst angestrebt wird. Das schafft AZD1222 zumindest insofern, dass Geimpfte keine schweren Verläufe mehr erleiden. Krank werden können sie aber dennoch, denn die Wirksamkeit beträgt rund 60 Prozent. Die Daten sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da es offenbar sehr unterschiedliche Daten gab. Möglicherweise ist die Wirksamkeit auch höher, wenn bestimmte Dinge beachtet werden – aber dazu später mehr.
  2. Hauptziel ist aber, dass Geimpfte so immunisiert werden, dass sie selbst das Virus gar nicht weitergeben können und die Pandemie immer weiter eingedämmt wird, je mehr Menschen geimpft sind. Das zu erreichen ist schwierig. Keine Impfung der Welt verspricht hundertprozentige sogenannte sterile Immunität, doch das Ziel ist, nah ran zu kommen. Zumindest teilweise scheint das Oxford-Vakzin das zu schaffen.

Überraschend dabei: Die Ende 2020 offengelegten Daten bezüglich der Wirksamkeit malten ein etwas anderes Bild.

Erste Studiendaten zeichneten anderes Bild

Laut der Studie der am Impfstoff "AZD1222" forschenden Wissenschaftler aus Oxford, die Anfang Dezember im Fachmagazin "The Lancet" erschienen ist, verhindert der Impfstoff nur 27 Prozent der asymptomatischen Infektionen mit dem Coronavirus. Dabei verlaufen Schätzungen zufolge ganze 40 Prozent der Infektionen asymptomatisch – aber so, dass die Infizierten das Virus trotzdem weitergeben können.

In der Studie zum Impfstoff waren 3.300 Teilnehmer zweimal mit dem Impfstoff geimpft worden. 29 Personen haben sich danach mit dem Virus angesteckt – das sind 0,9 Prozent. Klingt erst einmal zumindest okay. In der ähnlich großen Kontrollgruppe steckten sich allerdings auch nur 40 Personen, also 2,1 Prozent, mit dem Coronavirus an.

Aufgrund eines Versehens waren ein paar Probanden allerdings nur einmal voll und einmal mit der halben Impfdosis versehen worden. Bei diesen habe der Schutz vor einer symptomfreien Infektion bei 59 Prozent und damit höher gelegen. Der Dosierungsfehler könnte sich also als Glück erweisen: Es scheint auf die Dosierung anzukommen und manchmal ist weniger möglicherweise mehr.

Bestätigen sollte die Studie, was bereits vorher veröffentlicht wurde: Gegen eine symptomatische Erkrankung mit Covid-19 schützt die Gabe von zwei vollen Impfdosen zu 70 Prozent – ein guter Wert, der zumindest hilft, schwere Verläufe zu verhindern und damit die Situation in Krankenhäusern zu entspannen.

Doch dann gab es Unsicherheiten. Mittlerweile wurde die Wirksamkeit aufgrund von Schwankungen in den Studienabläufen offiziell etwas heruntergesetzt. Jetzt gibt es neue Daten dazu: Und die klingen eigentlich sehr gut.

Neue Studiendaten zeigen: Offenbar ist die Virusübertragung zumindest reduziert

Drei Dinge hat man bei der erweiterten Analyse der Daten aus den Studienphasen 1 bis 3 herausgefunden:

  1. Offenbar ist die Wirksamkeit nicht verringert, wenn das Intervall zwischen erster und zweiter Impfung (der sogenannten Booster-Impfung) verlängert wird auf etwa 90 Tage. Nach der ersten Impfung liegt die Wirksamkeit von Tag 22 bis Tag 90 bei 76 Prozent, der Impfschutz nimmt in dieser Zeit nicht ab.
  2. Der Impfschutz der ersten Dosis sinkt entsprechend in dieser Zeit nicht ab, sondern steigt offenbar, wenn länger mit der zweiten Impfdosis gewartet wird. Wurden Probanden erst nach 12 Wochen mit der zweiten Dosis geimpft, betrug die Wirksamkeit 82,4 Prozent. Bei einem Impfintervall von weniger als sechs Wochen betrug sie nur 54,9 Prozent. Entsprechend scheint nicht die Höhe der Dosis, sondern das Dosierungsintervall einen Einfluss auf die Wirksamkeit zu haben. Ähnliches hat man übrigens früher schon bei Impfstoffen gegen Influenza, Ebola und Malaria festgestellt.
  3. Laut der nun vorliegenden Daten scheint der AstraZeneca-Impfstoff außerdem die Virusübertragbarkeit um rund 67 Prozent zu reduzieren.

Die Studiendaten liegen noch im Preprint vor, sind also noch nicht geprüft. Sollten sie sich bewahrheiten, könnte das Oxford-Vakzin doch nicht ganz so schlecht dastehen wie es derzeit gehandelt wird.

Auch Sicherheit bestätigt das Unternehmen

Gute Neuigkeiten gab es jedenfalls schon zuvor zur Sicherheit des Vakzins: In der ersten Studie wurde bestätigt, dass der Impfstoff weitgehend frei von schweren Nebenwirkungen ist: Nur bei drei der 24.000 Testpersonen zeigten sich innerhalb von drei bis vier Monaten schwere Nebenwirkungen – und bei denen ist noch unklar, ob sie tatsächlich vom Impfstoff ausgelöst worden sind. Mittlerweile ist auch klar: Einer der Probanden mit schwerer Reaktion hatte den Impfstoff gar nicht bekommen, sondern war Teil der Kontrollgruppe, die ein Placebo, etwa eine Kochsalzlösung, gespritzt bekommen hat. Bei einer zweiten Testperson ist die Zugehörigkeit noch unklar: Bei den Tests wird blind getestet, das heißt, erst im Nachhinein kommt raus, wer welche Spritze – ob Impfstoff oder Placebo – bekommen hat. Zudem heißt es seitens AstraZeneca: Alle drei Probanden seien bereits wieder genesen bzw. auf dem Weg der Besserung.

Corona-Impfstoffe: Diese Nebenwirkungen gibt es
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Kein mRNA-Impfstoff: Das Oxford-Vakzin funktioniert anders

Dass die Schutzwirkung für ältere Menschen problematisch sein könnte, hatte man übrigens schon früh vermutet: Die Gruppe der älteren Menschen in der Studie war mit unter 800 Probanden sehr klein. In der Gruppe erkrankten zu wenige Personen an Covid-19, um wirklich aussagekräftige Schlüsse zur Wirksamkeit bei älteren Menschen zu treffen. Hier müsse noch weiter anlaysiert werden, erklärten die Forscher damals. In Deutschland ist das Vakzin aus diesen Gründen Stand jetzt nur für Personen unter 65 Jahren empfohlen.

Der Impfstoff von AstraZeneca ist anders aufgebaut als etwa der von Biontech und ist kein mRNA-Impfstoff: Er beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus, das bei Schimpansen auftritt. Er enthält zudem Genmaterial eines Oberflächenproteins von Sars-CoV-2, mit dem der Erreger an menschliche Zellen andockt. Das Ziel des Impfstoffes: Es soll die Bildung spezifischer Antikörper sowie von T-Zellen auslösen.

Geringere Impfstoff-Wirksamkeit – na und?!

Studien:

Knoll, Wonodi (The Lancet, 2020): "Oxford–AstraZeneca COVID-19 vaccine efficacy"

Voysey et al. (The Lancet Preprint, 2021): "Single Dose Administration, And The Influence Of The Timing Of The Booster Dose On Immunogenicity and Efficacy Of ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) Vaccine"

Pressemeldung: "Oxford coronavirus vaccine shows sustained protection of 76% during the 3-month interval until the second dose"

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