Aktualisiert: 11.12.2020 - 18:42

Patienten klagen über Impotenz Long Covid: Offenbar verursacht Corona auch Potenzprobleme

Über dieses Problem wird ungern gesprochen – dabei scheint es eine der möglichen Langzeitfolgen von Covid-19 zu sein: Männer klagen über Potenzprobleme.

Foto: Getty Images/Tempura

Über dieses Problem wird ungern gesprochen – dabei scheint es eine der möglichen Langzeitfolgen von Covid-19 zu sein: Männer klagen über Potenzprobleme.

Wer länger als 28 Tage unter den Folgen seiner Covid-19-Erkrankung leidet, gilt als Long-Covid-Patient. Dabei sind anhaltende Erschöpfung und Atemprobleme oder Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns offenbar nicht die einzigen Probleme, mit denen Menschen zu kämpfen haben. Insbesondere bei Männern gibt es eine Auffälligkeit...

Immer mehr Menschen melden sich nach eigentlich überstandener Coronavirus-Erkrankung und klagen über Langzeitfolgen, etwa über bleierne Müdigkeit, verminderte Leistung oder auch anhaltende Atemprobleme etwa beim einfachen Treppensteigen. Auch Herzprobleme wurden verzeichnet, andere schmecken und riechen über Wochen nichts. Nun melden sich auch männliche Patienten – und klagen über Erektionsstörungen nach Covid-19 – ein offenbar weiteres Merkmal der langen Langzeitfolgen-Liste, die mittlerweile als "Long Covid" bezeichnet wird.

Covid-19: Diese Vorerkrankungen sind ein Risiko
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Nach Corona: Manche Männer leiden unter anhaltenden Erektionsstörungen

Wer die Akutsymptome von Covid-19 überstanden hat und laut negativem PCR-Testergebnis nicht mehr als ansteckend gilt, gilt in Deutschland als von Corona genesen. Doch viele dieser Menschen leiden auch Wochen oder gar Monate nach ihrer Infektion noch unter Beschwerden. Dabei kategorisieren Mediziner: Beschwerden unter zehn Tagen gelten als "Short Covid", solche, die länger als 28 Tage dauern, werden als "Long Covid" bezeichnet.

Dabei sind länger anhaltende Beschwerden nach Virusinfektionen nichts Neues. Nach einer Grippe kann es mitunter auch mehrere Wochen dauern, bis die Erschöpfung aufhört oder Atemprobleme nachlassen. Ebenso kann eine Lungenentzündung monatelange Probleme nach sich ziehen. Doch Covid-19 scheint da umfassendere Folgen zu haben. "Corona zeigt ganz andere Bilder als das, was wir von anderen Atemwegsinfektionen kennen", beschrieb Prof. Dr. Gernot Rohde, Leiter der Post-Covid-Ambulanz am Uniklinikum in Frankfurt am Main, kürzlich im NDR Info Podcast 'Coronavirus-Update' die bisherigen Erkenntnisse. "Da ist zum Beispiel das Thema Potenzstörungen. Das ist etwas, was man nicht primär nach einer Atemwegsinfektion vermutet, was uns aber ein durchaus relevanter Anteil der Patienten geschildert hat."

Beobachtungen dazu gab es bisher nicht nur in Deutschland. Auch in den USA klagten Männer über Potenzprobleme nach ihrer Corona-Erkrankung. Die Ärztin Dr. Dena Grayson etwa beschrieb dem Sender NBC gegenüber einige Fälle erektiler Dysfunktion nach Covid-19: "Wir wissen ja bereits, dass es Probleme mit den Blutgefäßen bereitet. Dies ist etwas, das wirklich Anlass zur Sorge gibt". Die Medizinerin vermutet sogar, dass es in manchen Fällen durchaus zu lebenslangen Einschränkungen der Sexualfunktion kommen könnte.

Covid-19 ist eine systemische Erkrankung – die Folgen vielfältig

"Was wir lernen, ist, dass Covid-19 eine systemische Erkrankung ist, die nicht nur die Lungen betrifft. Das neurologische System und die Gefäße werden angegriffen, und insofern sind auch Potenzstörungen oder auch andere neurologische Symptome relativ wahrscheinlich zu sehen. Insofern ist es nicht verwunderlich", bestätigt auch Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia im Interview mit RTL. Auch er nennt Gefäßprobleme als eine mögliche Ursache. Es könnte aber auch mit der Erschöpfung zusammenhängen, die bei "Long Covid" bereits bekannt ist. Ebenso könnten neurologische Probleme ausschlaggebend sein – "die haben wir zum Beispiel auch im Bereich des Herzens oder auch des zentralen Nervensystems gesehen. Das ist sehr vielschichtig und muss meines Erachtens auch noch genau untersucht werden", schließt Zinn.

Potenzstörungen sind allerdings noch immer ein Tabuthema: Zu wenig wird über Erektionsprobleme gesprochen, viele Patienten leiden still. Wie hoch die Zahl der Patienten ist, die nach Covid-19 an Erektionsstörungen leiden, lässt sich daher Stand jetzt kaum sagen.

Niemand weiß, ob Post-Covid-Folgen reversibel sind

Bis zu ein Drittel aller Covid-Patienten leidet an "Long Covid". Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist allerdings erst seit Anfang 2020 bekannt. Es ist also gar nicht so leicht, jetzt über Langzeitschäden zu sprechen, niemand weiß, ob und wie lange sie anhalten, die Hoffnung ist, dass sie zumindest zum großen Teil doch reversibel sind. Das zeigt sich etwa an Patienten, die ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren haben. Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass sich auch die für den Geruchssinn zuständigen Nervenzellen im Riechepithel, die offenbar während der Coronavirus-Infektion absterben, nach Regeneration ihren Dienst wieder aufnehmen. Es gibt dafür sogar mittlerweilegezielte Geruchstraining-Therapien für Post-Covid-Patienten.

Corona-Patienten werden oft noch krank entlassen, wurden sie im Krankenhaus behandelt. Aber auch von Patienten mit mildem Verlauf sind Fälle bekannt, bei denen Langzeitprobleme auftreten. Wer unter lange anhaltenden Folgen des Coronavirus leidet, kann sich mittlerweile an spezielle Post-Covid-Ambulanzen wenden. Betroffene haben eine Internetseite mit den bisher existierenden Post-Covid-Ambulanzen in Deutschland zusammengestellt.

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