Aktualisiert: 05.12.2020 - 11:21

Biontech erklärt Ja, Pfizer liefert nur die Hälfte des Corona-Impfstoffes – aber das ist nichts Neues

Angeblich könne Pfizer nur die Hälfte der Impfstoffdosen liefern. Partner Biontech gibt jetzt Entwarnung: Es läuft alles wie geplant – der Kampf gegen das Coronavirus beginnt.

Foto: Getty Images/NurPhoto / Kontributor

Angeblich könne Pfizer nur die Hälfte der Impfstoffdosen liefern. Partner Biontech gibt jetzt Entwarnung: Es läuft alles wie geplant – der Kampf gegen das Coronavirus beginnt.

Eine Schockmeldung ging durch die Lande: Pfizer und Biontech könnten nur die Hälfte der zuvor angekündigten Corona-Impfdosen liefern. Doch jetzt gibt das Mainzer Unternehmen Entwarnung – und zeigt sich irritiert über die Berichterstattung.

"Was nun? Nur die Hälfte der Impfdosen? Das reicht doch nie für alle!" So ähnlich war der Tonus, als nun eine Meldung durch die Welt ging, laut der die Corona-Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer offenbar mit Lieferengpässen zu kämpfen hätten. Berufen hatten sich Medien auf einen Artikel der US-Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal". Jetzt meldet sich Biontech – und gibt Entwarnung: Die Meldung ist alles andere als neu – und kein Grund zur Sorge.

Biontech entwarnt: Pfizer liefert genügend Impfstoff

Es stimmt tatsächlich, dass Biontech und Pfizer lediglich 50 Millionen Impfstoff-Dosen bis Ende des Jahres liefern kann. Doch neu ist diese Zahl nicht – aufmerksame Leser werden diesen Wert bereits seit Wochen kennen. Eine Sprecherin von Biontech bestätigt dies nun gegenüber der Bild: "Fakt ist, es stehen Dosen für die Auslieferung ins Vereinigte Königreich und andere Länder bereit. Auf der Grundlage der aktuellen Prognosen gehen wir nach wie vor davon aus, dass wir im Jahr 2020 50 Millionen Dosen zur Verfügung stellen können und im Jahr 2021 bis zu 1,3 Milliarden Dosen produzieren werden."

Und genau das hatten die Partnerunternehmen auch in den vergangenen Wochen so kommuniziert – genauer gesagt seit 9. November, pünktlich zur Zwischenanalyse der Phase-III-Studie.

Zahl war bereits im November angepasst worden

Es stimme zwar, dass ursprünglich mit 100 Millionen Dosen gerechnet worden sei. Doch man habe die Zahl bereits vor Veröffentlichung der Daten und Ankündigung der Zulassungsanträge angepasst. "Diese im November getroffene Entscheidung wurde aufgrund sich ändernder Zulassungs- und Genehmigungspläne und anderer Faktoren getroffen. Ursprünglich hatten wir angenommen, im Oktober mit Auslieferungen aufgrund von erteilten Zulassungen beginnen zu können. Die erste Notfallzulassung wurde diese Woche erteilt", bestätigt die Sprecherin.

Den Bericht des "Wall Street Journal" habe das Unternehmen daher irritiert aufgenommen. Das Journal hatte berichtet, Pfizer könne die Auslieferungsziele für seinen Impfstoff gegen das Coronavirus nicht erfülle und müsse sie um die Hälfte kappen. Zahlreiche Medien hatten diese Meldung aufgenommen. Mittlerweile ist im Artikel klar erkennbar, dass man sich auf Daten von Anfang November beruft.

Warum überhaupt Lieferengpass?

Einen Lieferengpass gibt es also trotzdem – doch wird mit diesem bereits seit Langem gerechnet. Und das kommunizierte Pfizer auch: "Die Produktionssteigerung der nötigen Ausgangsstoffe dauerte länger, als erwartet", erklärte ein Sprecher des US-Pharmariesen.

Internen Informationen zufolge sei zudem anfänglich die Qualität der Ausgangsstoffe unzureichend gewesen, berichtete das "Wall Street Journal": "Einige frühe Chargen entsprachen nicht den Standards. Wir haben das Problem behoben, aber die Zeit für die geplanten Lieferungen in diesem Jahr ist knapp geworden", äußerte ein Kontakt des Journals, der nicht genannt wird, aber an der Entwicklung des Impfstoffes beteiligt gewesen sei.

Zusätzlich hätten die Ergebnisse einer klinischen Studie dem später als erwartet vorgelegen.

Mittlerweile seien die Probleme aber ausgemerzt, das Produktionsverfahren angepasst und die Impfdosen könnten schnell hergestellt werden. Biontech und Pfizer wollen die Auslieferung vielmehr weiter optimieren. "Wir prüfen außerdem weitere Möglichkeiten, um die Produktionskapazitäten im nächsten Jahr über die 1,3 Milliarden hinaus zu erhöhen", betont die Sprecherin.

Großbritannien bekommt bereits jetzt eine Lieferung mit Coronavirus-Impfstoffdosen von Biontech und Pfizer. Das Land hatte eine Notfallzulassung ausgesprochen. Wir hier müssen noch etwas warten, denn in Deutschland gibt es keine Impfstoff-Notfallzulassung aus guten Gründen.

Doch auch bei uns könnte es um den Jahreswechsel losgehen. Neben Biontech und Pfizer hat bereits Moderna angekündigt, Impfstoff liefern zu können. Bei all der schnellen Entwicklung stellen sich aber natürlich Fragen: Wann ist eine neue Impfung wirklich sicher und wirksam? Und mit welchen Nebenwirkungen müssen wir bei den Corona-Impfstoffen rechnen?

Corona-Impfstoffe: Diese Nebenwirkungen gibt es
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Zu viel Hoffnung sollte auf den Impfstoffen so oder so nicht liegen: Die Pandemie wird auch mit Impfungen nicht schlagartig zu Ende sein. Das Coronavirus wird uns daher noch einige Zeit an der Backe kleben – und damit Maßnahmen wie Kontakteinschränkungen, der Verzicht auf Großveranstaltungen sowie das Beachten der AHA+L+C-Formel: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Lüften und Corona-Warn-App. Das wird auch erst einmal für Geimpfte gelten.

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