25.11.2020 - 12:05

Christian Drosten rät: Halskratzen? BITTE zu Hause bleiben!

Es ist eine eindringliche Bitte: Bei leichten Erkältungsbeschwerden rät Christian Drosten zur Selbstisolation. Das RKI hat dazu Richtlinien veröffenlticht. Schnelltests könnten die Lage entspannen.

Foto: imago images / Reiner Zensen

Es ist eine eindringliche Bitte: Bei leichten Erkältungsbeschwerden rät Christian Drosten zur Selbstisolation. Das RKI hat dazu Richtlinien veröffenlticht. Schnelltests könnten die Lage entspannen.

Bei nur milden Erkältungssymptomen gehen die meisten von uns trotzdem raus, um ihren Alltag zu bestreiten. Ist ja nicht so schlimm. Doch auch unabhängig der Coronavirus-Pandemie gilt: Halskratzen und laufende Nase weisen meist auf Infektionskrankheiten hin – und zum Schutz anderer und sich selbst sollte das eigentlich bedeuten: zu Hause bleiben! Dazu rät auch Virologe Christian Drosten jetzt noch einmal eindringlich.

Eigentlich ist die Sache klar: Wer Erkältungszeichen verspürt, bleibt zu Hause. Das sollte eigentlich schon lange gelten, doch im Zuge der Corona-Pandemie ist das Thema wieder in den Fokus gerückt. Das Problem: Der Gedanke "ach ist doch nur eine Erkältung" sollte aktuell weniger denn je in den Köpfen auftreten. Jetzt appelliert auch Charité-Virologe Christian Drosten erneut eindringlich an alle: Bei Erkältungszeichen erstmal möglichst isolieren und damit auf Nummer sicher gehen. Da das aber schwer umzusetzen ist, hofft er auf baldige Schnelltests beim Hausarzt oder gar in der Apotheke.

Drosten appelliert: Mit Erkältungssymptomen bitte zu Hause bleiben

Die Corona-Einschränkungen haben zwar dafür gesorgt, dass die täglichen Neuinfektionen nicht mehr exponentiell in die Höhe schießen. Doch sie sind weiterhin hoch. Wo genau die größten Infektionsherde liegen, kann nur vermutet werden – der private Raum spielt aber sicherlich eine große Rolle. Wir müssen daher zusehen, dass wir die Infektionsherde wieder besser in den Griff bekommen, erklärt Virologe und Corona-Experte Christian Drosten von der Charité in Berlin in seinem Podcast "Coronavirus-Update" beim NDR. Er rät dazu, bereits bei milden Erkältungssymptomen besser nicht zur Arbeit zu gehen. Das gelte auch dann, wenn der Hausarzt keinen Anlass für einen Covid-19-Test sehe, sagt er.

In der aktuellen Phase der Pandemie bedeute dies: Wer Halskratzen verspürt oder eine laufende Nase hat, sollte sich in dieser Zeit nicht in soziale Situationen begeben, um niemanden weiter anzustecken: "Man soll nicht krank und auch nicht kränklich zur Arbeit gehen, selbst wenn der Hausarzt gesagt hat, das testen wir jetzt mal nicht", betont er.

Der Grund: Strengere Testrichtlinien

Denn nur weil der Hausarzt keinen Test vorschlägt, heißt das nicht, dass kein Coronavirus dahinter steckt. Vielmehr liegt das daran, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) mittlerweile die Testrichtlinien angepasst hat: Da die Laborkapazitäten zuletzt an ihre Grenzen stießen, sollen Tests insbesondere bei Menschen eingesetzt werden, die deutliche Symptome zeigen, etwa Geruchs- und Geschmacksverlust oder gar Lungenentzündung.

Das bedeutet aber nicht, dass Menschen mit Erkältungssymptomen, denen ein Test abgelehnt wird, einfach weiter dem Alltag nachgehen sollten. Das RKI empfiehlt, dass sich Menschen mit schwachen Symptomen, die nicht getestet werden können, mindestens fünf Tage lang zu Hause isolieren sollen. Diese Isolation soll erst dann enden, wenn sie 48 weitere Stunden lang keine Symptome mehr zeigen.

Drostens Hoffnung: Schnelltests für Menschen mit milden Symptomen

Da dies oft nicht so einfach umzusetzen ist, hofft Christian Drosten auf baldige Schnelltests, die Menschen mit leichten Symptomen etwa beim Hausarzt durchführen könnten. Bisher gibt es solche Tests zwar schon, sie dürfen aber nur von Fachpersonal durchgeführt werden, insbesondere weil sie weniger empfindlich sind als die PCR-Tests und bei falschem Abstrich schneller zu falschen Ergebnissen führen können. Drosten halte solche Schnelltests aber für "ein ganz wichtiges neues Werkzeug" in der Pandemiebekämpfung.

Solche Schnelltests sollten allerdings vorrangig bei Patienten mit Symptomen eingesetzt werden, sagen er und andere Kollegen. Wichtig sei nur, dass man es jetzt tue, bevor die Winterwelle vorbei sei, betont der Virologe.

So sind Schnelltests sinnvoll – und so nicht

Die Schnelltests sollten in den ersten fünf Tagen nach Symptombeginn eingesetzt werden, erklärt Drosten. Er kritisiert dagegen den Vorschlag, Schnelltests als Massentests in der breiten Bevölkerung einzusetzen. Denn durch die Ungenauigkeit seien hier zu viele falsch positive Ergebnisse zu erwarten. Und das wieder um würde bedeuten, dass relativ viele Leute in die Isolierung müssten, obwohl sie eigentlich gar nicht infiziert sind.

Lohnenswert seien sie aber möglicherweise, wenn sie gezielt in Corona-Hotspots eingesetzt würden, bemerkt er. Drosten hatte mit seinem Team die Zuverlässigkeit verschiedener Schnelltests überprüft. Mehr dazu: Corona: Virenschleudern mit Antigen-Schnelltest entlarven

Ziel der Schnelltests ist es also, weitere Infektionen zu unterbinden. Denn gerade die, die nur leichte Symptome verspüren, aber sozial aktiv sind, werden leicht zu sogenannten Superspreadern, die die Pandemie letztlich antreiben. Das, nunja, Blöde daran ist: Niemand merkt selbst, ob sie oder er Superspreader ist. Insbesondere deshalb ist es wichtig, dass hier jeder nach seinen Möglichkeiten mitzieht und sich daran hält, zumindest jetzt, in der akuten Pandemiephase, auch mit leichten Symptomen zu Hause bleibt. Generell gelten selbstverständlich die AHA-Regeln – die übrigens auch gegen Grippe und Erkältung schützen.

Darum schützt die AHA+L+C-Formel
Darum schützt die AHA+L+C-Formel

Langfristig wäre es auch mit Blick auf diese Infektionskrankheiten und auch auf Corona gut für die Gesellschaft, wenn hier endlich wieder ein Umdenken passiert – sowohl in den Köpfen der Arbeitnehmer, insbesondere aber auch in denen der Arbeitgeber: Sich mit Erkältungssymptomen zur Arbeit zu schleppen, weil man sich verpflichtet fühlt oder sonst Konsequenzen drohen, bringt niemanden weiter. Nicht die Mitmenschen, die dadurch angesteckt werden können, nicht sich selbst. Denn eine verschleppte Erkältung ist kein Spaß.

Weiteres rund um das Coronavirus lesen Sie auf unserer Themenseite.

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