Aktualisiert: 16.12.2020 - 12:25

Biontech-Experten über Risiken Corona-Impfstoff: Mit diesen Nebenwirkungen müssen wir rechnen

Corona-Impfstoffe: Diese Nebenwirkungen gibt es

Corona-Impfstoffe: Diese Nebenwirkungen gibt es

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Noch in diesem Jahr könnten die ersten Deutschen gegen Covid-19 geimpft werden. Einer der erfolgsversprechenden Corona-Impfstoffe dabei ist der vom Mainzer Unternehmen Biontech. Dort rückt man jetzt mit der Sprache raus – und berichtet von den möglichen Nebenwirkungen.

Unter Hochdruck wird weltweit an Impfstoffen gegen das Coronavirus gearbeitet – einige Hersteller sind mittlerweile sogar so weit, dass erste Impfungen schon laufen und auch in Deutschland in diesem Jahr noch möglich sein können. Einer davon kommt von hier: Das Deutsche Unternehmen Biontech hat seinen Impfstoff in Kooperation mit dem US-Pharmariesen Pfizer entwickelt. Doch die hellen Köpfe hinter dem Vakzin leben in Mainz – und kennen die Bedenken vieler Bürger ob eines so schnell entwickelten Medikaments. Jetzt berichten sie: Diese Nebenwirkungen hat der Biontech-Impfstoff.

Biontech redet Klartext: Welche Nebenwirkungen zeigt der Impfstoff?

Die Forscher konnten nicht nur mit der schnellen Entwicklung verblüffen, sondern auch mit der offenbar sehr hohen Wirksamkeit, von der sich sogar Virologen beeindruckt zeigen. Rund 43.000 Studienteilnehmer hatten den Impfstoff getestet – und die Ergebnisse versprechen eine Wirksamkeit von etwa 95 Prozent. Dafür sind zwei Impfdosen pro Person im Abstand von wenigen Wochen notwendig.

Doch die Frage, die viele umtreibt: Was ist mit Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe? Die Impfbereitschaft zur Corona-Impfung ist nämlich gering – zu viele Bedenken bestehen. Dabei raten Ärzte zu größtmöglicher Transparenz der Hersteller, damit die Akzeptanz gegenüber der Vakzine steigt.

Biontech und Pfizer listen daher alle Nebenwirkungen ausführlich auf. Das Unternehmen erklärte im November bereits, der Impfstoff sei von den Teilnehmern der Studie sehr gut vertragen worden: "Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt", schreiben sie in einer Mitteilung von Biontech. In der Impfstudie, erschienen im "New England Journal of Medicine", wurden die Nebenwirkungen noch einmal genauer unter die Lupe genommen.

Dabei gab es durchaus vergleichsweise heftige Reaktionen, die aber schnell wieder abgeklungen sind. Für Furore hatte auch die Meldung zweier "Impflinge" in Großbritannien gesorgt, die eine heftige allergische Reaktion gezeigt hatten – sie gehören jedoch zur Gruppe starker Allergiker, die ständig ein Notfallkit mit sich tragen müssen.

2 Prozent zeigten Nebenwirkungen dritten Grades

Fast 44.000 Teilnehmer ab 16 Jahren hatte es gegeben, die nach dem Zufallsprinzip in eine Placebogruppe und eine sogenannte Verumgruppe, die das Vakzin tatsächlich erhalten hat, aufgeteilt worden waren. Sie erhielten das Placebo bzw. die zwei notwendigen Impfdosen im Abstand von 21 Tagen. Welche Nebenwirkungen traten also auf?

Diese Nebenwirkungen traten vorübergehend auf, in vielen Fällen erst nach der zweiten Injektion:

  • 78 Prozent der Probanden zeigten Schwellungen an der Einstichstelle oder klagten über Schmerzen
  • 75 Prozent zeigten Erschöpfungs- und Müdigkeitsanzeichen
  • 67 Prozent nannten Kopfschmerzen
  • 25 Prozent klagten über Muskelschmerzen
  • 17 Prozent bekamen Fieber
  • 17 Prozent beschrieben Gelenkschmerzen

Interessant ist, dass die Häufigkeit und Stärke der Corona-Impfstoff-Nebenwirkungen laut Biontech selbst bei älteren Studienteilnehmern abnahmen. Sie zeigten weniger und schwächere Nebenwirkungen.

Wenn der Impfstoff kommt: Wer wird zuerst geimpft?
Wenn der Impfstoff kommt: Wer wird zuerst geimpft?

Es komme eher selten vor, dass alle diese Symptome auf einmal vorkommen, wie es etwa eine Krankenschwester im Fachjournal "JAMA Internal Medicine" berichtete. Insbesondere deshalb, betont die Krankenschwester, sei es wichtig, dass Ärzte den Impfkandidaten schon vor der Impfung verdeutlichen würde, dass heftige Reaktionen durchaus möglich seien. Diese seien aber ein Zeichen für eine Immunreaktion. Und die soll ja mit dem Impfstoff erreicht werden.

Weitere Forscher berichten laut Pharmazeutischer Zeitung im Fachjournal "Science", dass die Nebenwirkungen bei der Impfstudie von Moderna, einem anderen Impfstoff-Hersteller, ähnlich ausfielen. Sie rührten aber nicht von der mRNA, sondern von den Lipid-Nanopartikeln, die als Träger der mRNA dienen und dann vom Körper abgebaut werden.

Warum alles so schnell ging

Die schnelle Entwicklungszeit im Vergleich zu sonstigen Vakzinen ist dennoch irritierend kurz. Doch das hat Gründe: Es wurden Schritte zusammengeführt, zudem hatte man bereits einen Vorsprung, weil seit Jahren an Impfstoffen für ähnliche Erreger geforscht wird – spätestens seit der Sars-Epidemie in China 2002/03. Außerdem befinden sich unter den Impfstoffen auch die sogenannten mRNA-Impfstoffe, wie etwa der von Biontech und Pfizer sowie der von Moderna, die sich schon lange in der Entwicklung befinden und schnell angepasst werden können. Die Impfstoffforschung hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Das alles führt dazu, dass ein Corona-Impfstoff nicht von der Pike auf neu entwickelt werden musste und schneller verfügbar ist. Bei Bedenken helfen folgende Infos: Wann ist eine neue Impfung wirklich sicher und wirksam?

Langzeit-Nebenwirkungen? So sollen sie überprüft werden

Was natürlich über einen so kurzen Zeitraum nicht gut beachtet werden kann, sind mögliche Langzeitfolgen, die bei Impfstoffen zwar selten sind, aber auftreten können. Hierfür müsste ein Impfstoff aber über Jahre getestet werden. Diese Zeit bleibt uns nicht. Man kann aber aus der Forschung der Vergangenheit bereits Rückschlüsse, Vergleiche und Prognosen ziehen.

Die Impfstoffe sollen aber weiterhin beobachtet werden. Helfen soll dabei ein eher ungewöhnliches Mittel: Über eine App der Bundesregierung sollen Geimpfte auftretende Nebenwirkungen melden können. Die App soll Teil der vom Bundesministerium für Gesundheit veröffentlichten Impfstrategie sein. So versprechen sich die Behörden und die Impstoff-Hersteller laufende Daten über die Verträglichkeit, die Dauer der Wirksamkeit und das Auftreten eventueller Langzeit-Nebenwirkungen.

Übrigens passiert das auch bei allen anderen zugelassenen Medikamenten, nur auf anderem Weg: Es werden laufend Nebenwirkungen erfasst, selbst die Wirksamkeit wird nach der Zulassung oft noch weiter in Studien überprüft.

Wie wird geimpft?

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer muss sehr kalt gelagert werden – bei -70 °C. Zudem sind für den nahezu vollständigen Impfschutz von 95 Prozent zwei Impfdosen je 30 Mikrogramm notwendig. Eine hohe Wirksamkeit konnte bereits 28 Tage nach der ersten Impfung festgestellt werden. Sieben Tage nach der zweiten Impfung stieg der Impfschutz auf den hohen Endwert. Mehr Infos: So läuft die Corona-Impfung ab! Wann und wo geimpft werden soll:

Nicht nur der Corona-Impfstoff von Pfizer & Biontech soll noch dieses Jahr zugelassen werden. Auch andere Impfstoff-Kandidaten zeigen erfolgversprechende Ergebnisse. So meldet auch Moderna fast 95-prozentige Wirksamkeit.

Das Ziel: Bis Sommer sollen möglichst viele Menschen gegen das Coronavirus geimpft sein. Möglich wäre dann definitiv eine Entspannung der Pandemie – auch wenn sie durch den Impfstoff nicht schlagartig enden wird. Denn die Zeichen stehen gut, dass man nach einer Infektion, noch eher aber nach einer Impfung länger als angenommen immun gegen das Coronavirus bleibt.

Hier finden Sie die offizielle Mitteilung von Biontech.

Weitere Quellen: mimikama.at, pharmazeutische-zeitung.de,

Studien/Berichte:

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