Aktualisiert: 13.11.2020 - 21:28

Infektionsgefahr erhöht Alkohol während der Corona-Pandemie? Warum DAS keine gute Idee ist

Der Alkoholkonsum in Deutschland ist während der Corona-Krise gestiegen. Das ist auf vielerlei Ebenen schädlich – Alkohol kann sogar das Infektionsrisiko erhöhen.

Foto: iStock.com/kieferpix

Der Alkoholkonsum in Deutschland ist während der Corona-Krise gestiegen. Das ist auf vielerlei Ebenen schädlich – Alkohol kann sogar das Infektionsrisiko erhöhen.

Dass Alkohol dem Körper schadet, ist nichts Neues. Warum es aber noch gefährlicher ist, in Pandemie-Zeiten öfter zum Glas zu greifen, hat mit unserem Immunsystem zu tun.

Umfragen zeigen: Während der Corona-Pandemie trinken mehr Menschen mehr Alkohol. Auch wenn Bars und Kneipen derzeit geschlossen sind, hat sich der Alkoholkonsum zu Hause stark erhöht. Gleichzeitig halten sich hartnäckige Gerüchte über die Desinfektionsfähigkeit von Alkohol und den daraus resultierenden Schutz vor Covid-19. Leider – oder besser gesagt: zum Glück – ist das Gegenteil der Fall: Alkohol kann eine Corona-Infektion sogar begünstigen!

Corona-Gefahr höher durch zu viel Alkohol

Einer anonymen Online-Umfrage des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim und des Klinikums Nürnberg mit über 3.000 Teilnehmern trinken 35,5 Prozent der Befragten während der Corona-Pandemie mehr oder viel mehr Alkohol als vorher.

Dass das schädlich ist und zudem den Kampf gegen das Virus stark einschränkt, hat gleich mehrere Gründe. Mindestens einer davon sollte eine Warnung sein.

Dass Alkoholkonsum, insbesondere hoher und regelmäßiger, dem Körper und auch der Psyche schadet, ist hinlänglich bekannt. Alkohol enthemmt aber auch: Feiernde Massen stellen in einer Pandemie eines sich über Tröpfchen und Luft übertragenden Virus einen einormen Pandemietreiber dar, wenn Hygieneregeln nicht mehr beachtet werden.

Doch Alkohol sorgt auch direkt dafür, dass das Infektionsrisiko des Konsumierenden steigt – denn der Stoff schwächt das Immunsystem.

Alkohol hemmt unser Immunsystem

"Alkohol ist ein Zellgift. Wie er in allen Einzelheiten in unserem Körper wirkt, ist noch nicht gänzlich geklärt", sagt Prof. Sebastian Müller, Leiter des Zentrums für Alkoholforschung (CAR) in Heidelberg gegenüber BR24. Alkohol wirkt bei zu hohem Konsum wie ein Betäubungsmittel, da er unter anderem auf die Neurotransmitter im Gehirn – also Botenstoffe – und auf unser Hormonsystem einwirkt. Wir fühlen uns enthemmt, schon nach kleinen Mengen. Müller bezeichnet ihn daher als "soziales Schmiermittel", da das Leben leichter erscheint – wir denken nicht mehr so komplex.

Doch in Zeiten einer Pandemie ist Alkoholkonsum aus einem bestimmten Grund für niemanden eine gute Idee: "Alkohol blockiert das Immunsystem. Er schwächt also das Immunsystem. Alkohol macht uns daher auch anfälliger für Krankheiten und auch für das Coronavirus", erklärt Müller. "Außerdem ist Acetaldehyd, eine Substanz, die sich durch Alkoholgenuss, genauer gesagt beim Alkoholabbau, im Körper bildet, krebserregend. Besonders gilt das für Brust- und Darmkrebs."

Experten raten zu Alkoholverzicht

Alkohol ist ein Gift. Das sollten wir uns gerade jetzt ins Gedächtnis rufen. Das Bier oder der Wein am Abend schmecken vielen, ja, sie lösen aber keine Probleme. Wir wissen jetzt: Sie können sie sogar noch eher verursachen. Experten empfehlen daher, während der Pandemie möglichst auf Alkohol zu verzichten, um den Corona-Schutz noch auszubauen.

Dabei sollte insbesondere auf exzessives Trinken verzichtet werden – denn je mehr Alkohol man trinkt, desto mehr werden essentielle Immunreaktionen gestört und das Immunsystem so umso mehr geschwächt. Betroffene werden damit wesentlich anfälliger für Sars-CoV-2 und auch für andere Krankheitserreger.

Vor allem regelmäßiges und heftiges Trinken erhöhen die Infektionsgefahr

Auch mit kurzzeitigem Alkoholkonsum – also einem einzigen "Saufabend" hemmen wir so unsere Abwehrkräfte und reduzieren damit sogar den Schutz unseres angeborenen Immunsystems, wird der Verhaltenspsychologe George Koob von inverse.com zitiert. Das resultiert darin, dass ein geschwächtes Immunsystem noch weniger Immunzellen ausschüttet und so weniger Antikörper gegen das eindringende Coronavirus produzieren kann. Der Körper kann sich entsprechend weniger zur Wehr setzen und eine Erkrankung wird wahrscheinlicher.

Zudem kann Alkohol dafür sorgen, dass Darmbakterien austreten. Das ruft inflammatorische Zytokine, auch eine Art der Botenstoffe, her, die dann reagieren müssen. Der Körper kämpft damit an mehreren Stellen und die Immunfunktion nimmt insgesamt ab. Gleichzeitig werden weitere Immunzellen, die Lymphozyten durch Alkohol in ihrer Funktion geschwächt.

Wer regelmäßig viel Alkohol trinkt, riskiert durch all diese Einflüsse chronische Entzündungsreaktionen im gesamten Körper, sogenannte systemische Entzündungen. Auch hier: Immunsystem muss nun an vielen Stellen gleichzeitig angreifen und schafft es nicht mehr, sich zu Genüge auf den neuen Eindringling, das Coronavirus, zu konzentrieren.

Diese Lebensmittel fördern Entzündungen
Diese Lebensmittel fördern Entzündungen

Spannend dazu: Immunreaktion dokumentiert: So kämpft der Körper gegen das Coronavirus

Ein Gläschen hin und wieder darf trotzdem sein

Klar, wir würden uns sicherlich den größten Gefallen tun, würden wir gänzlich auf Alkohol verzichten. Gegen ein Glas Wein oder Bier hin und wieder dürfte dennoch nichts einzuwenden sein. Es gibt sogar Studien, die sagen, dass sporadische, geringe Mengen Alkohol sogar förderlich sind.

Nur das "Saufen", das sollten wir derzeit insbesondere dann sein lassen, wenn wir noch anderen Risiken für eine Coronavirus-Infektion gegenüberstehen. Und das kann schon das wöchentliche Einkaufen sein. Saufen ist nie gut – Corona hin oder her.

Unser Immunsystem lässt sich übrigens noch durch viel mehr Lebensmittel beeinflussen. So schwächt beispielsweise ein Zuviel eines sonst lebenswichtigen Gewürzes unsere Immunabwehr. Andere Lebensmittel stärken unsere Abwehrkräfte dagegen und bieten so einen natürlichen Schutz gegen Viren, Bakterien und Co. Mehr Infos: Für ein starkes Immunsystem: Diese Tipps bringen Sie gesund durchs Jahr

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