Aktualisiert: 09.11.2020 - 20:23

Herzinsuffizienz macht anfällig Herzschwäche-Patient? So schützen Sie sich vor Corona

Wer an Herzschwäche leidet, sollte während der Coronavirus-Pandemie besonders gut auf seinen Körper hören. Regelmäßiges Blutdruckmessen gehört dazu. So kann eine mögliche Entgleisung der Herzinsuffizienz durch Covid-19 schnell erkannt werden.

Foto: iStock.com/humonia

Wer an Herzschwäche leidet, sollte während der Coronavirus-Pandemie besonders gut auf seinen Körper hören. Regelmäßiges Blutdruckmessen gehört dazu. So kann eine mögliche Entgleisung der Herzinsuffizienz durch Covid-19 schnell erkannt werden.

Das Coronavirus ist besonders für Risikogruppen gefährlich. Dazu gehören auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie schützt man sich mit dieser Diagnose, ohne sich komplett einigeln zu müssen?

Die Herzinsuffizienz ist in Deutschland weit verbreitet. Rund vier Millionen Menschen sind hierzulande betroffen. Die Herzschwäche ist eine Folge diverser Vorerkrankungen, sie kann etwa nach Herzinfarkt oder nach koronarer Herzkrankheit auftreten und die Patient*innen ihr Leben lang belasten. Als sei die Diagnose nicht schon belastend genug, stellt sie auch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 dar. Was also tun? Wie schützen sich Menschen mit Herzschwäche vor dem Coronavirus?

Diagnose Herzschwäche: Extraschutz vor Corona nötig

Das Problem an der Herzinsuffizienz ist, dass der gesamte Körper schwächer wird: Das Herz kann nicht mehr die volle Leistung bringen. Das führt bei Betroffenen schnell zu Atemnot, auch bei geringsten Belastungen, etwa bei schnellem Gehen oder beim Treppensteigen.

Atemnot kann aber auch ein Symptom für Covid-19 sein. Kritisch ist also schon allein, dass die Erkrankung vielleicht gar nicht richtig erkannt wird, weil das Symptom als "normal" angesehen wird. Man kennt das mit der Atemnot schließlich schon. Doch das geschwächte Herz ist gleichzeitig Risiko für schwere Verläufe.

Heilbar ist die Herzschwäche übrigens nicht – mit medikamentöser Therapie sowie mit diversen Eingriffen lässt es sich dennoch nahezu normal leben. Doch der Körper ist dennoch geschwächt: Nicht nur durch Atemnot – die Lunge ist durch die Herzinsuffizienz geschwächt und damit anfälliger für respiratorische Viren, wie etwa das Coronavirus Sars-CoV-2. Eine solche Infektion kann, ähnlich wie andere Infektionen, bei Herzpatienten eine sogenannte Entgleisung der Herzschwäche auslösen.

Wie kommt es zu einer Entgleisung der Herzschwäche?

Fast 500.000 Menschen kommen jährlich aufgrund einer solchen Entgleisung ins Krankenhaus – ein Auftreten nach Corona-Infektion noch nicht hinzugezählt. Die Symptome: akute Atemnot, Kurzatmigkeit, schnelle Gewichtszunahme aufgrund von Wassereinlagerungen. "Eine Herzdekompensation, also eine Entgleisung der Herzschwäche, ist häufig die Folge eines zusätzlichen Ereignisses", erklärt Prof. Dr. med Thomas Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, in einer Pressemitteilung.

Ein solches Ereignis kann eine Herzrhythmusstörung, ein plötzlicher Blutdruckanstieg, aber auch eine Vireninfektion sein. Neben Covid-19 komme hier etwa auch die Grippe infrage, ergänzt Voigtländer, der auch Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien-Krankenhauses, Cardioangiologisches Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt am Main ist.

Viren greifen das Herz an: Patienten bei Covid-19 und Grippe besonders gefährdet

Schon die Grippe, ausgelöst durch Influenza-Viren, kann bei Menschen mit Herzschwäche schwere Komplikationen verursachen. Beim neuen Coronavirus Sars-CoV-2 ist das auch so. Das liegt an mehreren Faktoren:

  • Die Viren bleiben nicht in den Atemwegen, sondern können sich im ganzen Körper verteilen und auch das Herz angreifen.
  • Die Lunge ist bei Herzinsuffizienz-Patienten besonders anfällig. Voigtländer erklärt: "Bei einer Herzschwäche kann sich aufgrund der verringerten Pumpleistung Blut in die Lungen zurückstauen."

Bereits eine weltweite Studie, bei der die Daten von über 10.000 Patienten in 920 Kliniken ausgewertet wurden, zeigt: Patienten mit Herzschwäche haben ein deutlich höheres Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf. Sie müssen zudem weit häufiger beatmet werden als Covid-Patienten ohne Herz-Vorerkrankung.

Sollten Menschen, die von einer Herzschwäche wissen – oder auch nicht – eine solche drastische Verschlechterung des Zustands erleben, sollten sie schnell handeln – lieber früher als später.

So schützen Sie sich als Herzschwäche-Patient vor Covid-19

Am besten ist es allerdings natürlich, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Selbstverständlich sollten sich von Herzschwäche Betroffene jetzt nicht komplett zurückziehen – auch angesichts der steigenden Infektionszahlen. Regelmäßige leichte Bewegung an der frischen Luft hilft den meisten, mit der Herzinsuffizienz besser zurecht zu kommen. Sollten Sie oder jemand in Ihrem Umkreis aber von Herzschwäche betroffen sein, sollten Sie aber besonders auf Warnzeichen achten und ein paar Dinge beherzigen.

Auch die Fernüberwachung kann bei Herzschwäche Leben retten.

Außerdem: An Corona-Schutzmaßnahmen halten

Außerdem sollten Sie sich – ob um sich selbst oder um einen Patienten im Umfeld zu schützen – umso mehr an die AHA+L+C-Formel halten. Das gilt jedoch für uns alle – denn niemand weiß, ob etwa ein zufälliger Kontakt beim Einkaufen oder unterwegs an einer Herzschwäche oder einer anderen Vorerkrankung leidet! Wir sind jetzt für uns alle verantwortlich. Das heißt:

  • Auf Abstand achten: Insbesondere, wenn gesprochen wird oder man sich länger als nur einen kurzen Moment beieinander aufhält: MINDESTENS 1,50 Meter Abstand!
  • Hygieneregeln beachten: Sobald Sie können: Hände gründlich waschen, unterwegs in die Armbeuge niesen oder husten.
  • Alltagsmaske tragen: Überall, wo der Abstand nicht gegeben ist, insbesondere in geschlossenen Räumen, mittlerweile auch auf vielen belebten Straßen: Maske tragen! Kleiner Tipp: FFP2-Masken etwa schützen auch den Träger – jedoch sollten Herzschwäche-Patienten aufpassen, denn das Atmen ist hier erschwert!
  • Lüften: In Innenräumen sollte regelmäßig gelüftet werden, um mögliche virenhaltige Aerosole zu entfernen.
  • Corona-Warn-App nutzen: Um Infektionsketten zu unterbrechen – über die App können Corona-Infektionen gemeldet werden. Kontaktpersonen bekommen dann eine Warnmeldung.
Darum schützt die AHA+L+C-Formel
Darum schützt die AHA+L+C-Formel

Die AHA-L-C-Formel schützt übrigens auch gegen Grippe und andere Infektionskrankheiten.

Denken Sie aber bitte daran: Sollten Sie akute Anzeichen für Herz-Kreislauf-Probleme haben oder ein anderer Notfall tritt auf: Bitte zögern Sie nicht, auch trotz Corona-Pandemie den Notarzt zu kontaktieren! Insbesondere Herzschwäche-Patient*innen sollten jetzt wachsam sein, und ruhig und besonnen, aber konsequent auf ihren Körper hören. Mehr zu Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie zum Coronavirus gibt's auf unseren Themenseiten.

Quellen:

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe