Aktualisiert: 07.11.2020 - 20:45

Wichtiges Symptom bei Infektionen Manche Menschen bekommen kein Fieber – warum ist das so?

Krank – aber das Fieberthermometer zeigt keinen Ausschlag? Manche Menschen bekommen kein Fieber. Warum das vor allem im Alter so ist und wie gefährlich das werden kann:

Foto: iStock.com/Milos Dimic

Krank – aber das Fieberthermometer zeigt keinen Ausschlag? Manche Menschen bekommen kein Fieber. Warum das vor allem im Alter so ist und wie gefährlich das werden kann:

Erhöhte Temperatur oder gar Fieber? Manche Menschen bleiben von dieser Körperreaktion verschont. Das mag erst einmal angenehm klingen. Fehlendes Fieber ist allerdings vor allem eines: ein ausbleibendes Symptom. Und das kann gefährlich werden.

Fieber ist eines der Covid-19-Hauptsymptome. Entsprechend steigen auch die Fragen rund um den Körpervorgang, den die meisten von uns doch recht selten durchleiden – oder sogar nie! Ja, es gibt Menschen, die nie Fieber bekommen, auch bei einer starken Infektion nicht – egal durch welchen Erreger hervorgerufen. Sollten Sie jetzt nicht dazu gehören, könnte es irgendwann aber soweit sein. Und leider macht das Ausbleiben dieses Körpermechanismus eine Krankheit nicht ungefährlicher.

Manche Menschen bekommen kein Fieber… mehr!

Spaß macht Fieber definitiv keinen. Wer betroffen ist, kann selten noch dem Alltag nachgehen, fühlt sich schlapp und müde. Manchmal kommt sogar noch Schüttelfrost dazu. "Elend" beschreibt das Gefühl wohl noch besser. So soll es aber auch sein: Denn wer sich so schlecht fühlt, bleibt auch im Bett – und kuriert sich aus. Fieber ist ein Warnsymptom und gleichzeitig eine Maßnahme des Körpers, sich gegen schädliche Eindringlinge – Viren, Bakterien oder Parasiten – zur Wehr zu setzen. Manchen Menschen fehlt diese Abwehrmaßnahme jedoch.

Wenn jemand partout kein Fieber bekommt, kann das zum einen an Veranlagung liegen. Doch mit steigendem Alter droht uns allen, bei Infekten kein Fieber mehr zu bekommen. Denn unser Immunsystem altert auch, und verändert sich dabei.

Was macht Fieber im Körper?

Klar, Fieber kann auch gefährlich werden: Steigt die Körpertemperatur über 41 °C, können Organe und Gewebe schweren, irreparablen Schaden nehmen. Das kann schnell lebensgefährlich werden.

Doch gar kein Fieber zu bekommen, bedeutet, dass man möglicherweise die Lungenentzündung oder auch die Coronavirus-Infektion nicht richtig wahrnimmt. Es bedeutet auch, dass man möglicherweise das Bett nicht hütet, weil man ja "nur einen Husten" hat. Und dann drohen richtig starke Komplikationen.

Fieber hat aber auch noch eine Aufgabe in der Immunabwehr: Durch die erhöhte Körpertemperatur werden Eindringlinge, ob jetzt Viren, Bakterien oder eben Parasiten, unschädlich gemacht, da ihnen die erhöhte Temperatur nicht zusagt. Schon bei 38,5 oder 39 °C sterben manche Erreger nämlich ab.

Damit unser Körper mit Fieber reagiert, sendet unser Immunsystem Botenstoffe unter anderem an den Hypothalamus im Gehirn aus. Diese fiebersteigernden Körperstoffe heißen in Fachsprache proinflammatorische Zytokine. Erreichen sie den Teil des Zwischenhirns, befehlen sie dem Körper, die Temperatur hochzufahren, etwa indem die Blutgefäße verengt werden oder die Muskeln verstärkt zittern (Schüttelfrost!).

Wenn das Fieber im Alter fehlt

In einem gealterten Immunsystem, bei einer sogenannten Immunseneszenz, fehlt es an sogenannten naiven T-Zellen, die noch nicht aktiviert wurden durch einen Eindringling, und bestimmten anderen Stoffen. Es fehlt damit quasi im Alter das, was auf neue Erreger – wie es etwa das neue Coronavirus ist – reagieren kann. Andere Arten der T-Zellen nehmen in ihrer Zahl aber schneller zu, etwa die natürlichen zytotoxischen Killerzellen bzw T-Gedächtniszellen, die bei einer Infektion mit einem Erreger schnell reagieren. Es werden vermehrt proinflammatorische Botenstoffe ausgeschüttet. Das kann etwa zu chronischen Entzündungen führen und anfälliger für Tumore oder eben Infekte machen.

Bei etwa einem Drittel der älteren Patienten fehlt Fieber als Symptom. Das macht das Erkennen von Krankheiten weitaus schwieriger. Die hohe Zahl an Zytokinen hingegen kann leichter zu einem sogenannten Zytokinsturm führen, einer gefürchteten Komplikation, die auch bei Covid-19 auftreten kann und schnell zu Multiorganversagen führt.

Halten wir fest: Fieber ist zwar unangenehm, doch es zeigt uns einerseits an, dass wir wirklich krank sind und bringt uns leichter dazu, erst einmal (wesentlich) kürzer zu treten. Es ist aber auch ein Angriff unseres Immunsystems auf Eindringlinge, die uns schaden wollen. Wer zu den Personen gehört, die nie Fieber bekommen, sollte daher verstärkt auf andere Symptome achten und sich auch bei einem einfachen Husten oder anderen Krankheitszeichen schonen. Das gilt bei jeglichen Krankheiten, nicht nur beim Coronavirus.

Übrigens: Je nach Ort gibt es Temperaturunterschiede! Richtig Fieber messen: So bekommen Sie die genaueste Temperatur!

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