06.11.2020 - 09:47

T-Zellen reagieren verspätet Coronavirus-Patienten offenbar nach 6 Monaten noch immun

Antikörper und Killerzellen - So reagiert dein Körper auf Feinde

Antikörper und Killerzellen - So reagiert dein Körper auf Feinde

Video über die Reaktion des Körpers auf Viren und Bakterien.

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Die Frage um die Immunität auf das Coronavirus Sars-CoV-2 treibt nicht nur Forschende weltweit um. Auch die Bevölkerung fragt sich insbesondere nach Berichten von Zweitinfektionen: Wie lange sind wir immun nach Erkrankung – oder nach einer Impfung? Forscher liefern jetzt weitere Hinweise: Bestimmte Abwehrzellen reagieren erst Monate nach der Infektion.

Wann kommt endlich ein Impfstoff? Das ist eine der entscheidenden Fragen rund um das Coronavirus, insbesondere jetzt in Zeiten erneuter Einschränkungen des Alltags. Doch es schließt eine weitere, umso dringendere Frage an: Wie lange ist man denn überhaupt immun – ob nach dem Impfen oder nach überstandener Covid-19-Erkrankung? Mittlerweile gibt es ja vereinzelte Berichte über Menschen, die sich zum zweiten Mal angesteckt haben.

Genau hier forschen Wissenschaftler weltweit – um das Coronavirus zu verstehen und die Immunantwort des Körpers zu entschlüsseln. Und dabei sind britische Forscher jetzt auf verblüffende Ergebnisse gestoßen: Eine Immunreaktion kann noch 6 Monate nach der Coronavirus-Infektion auftreten. Grund dafür sind T-Zellen.

Immunreaktion nach 6 Monaten: Die T-Zellen lassen sich Zeit

T-Zellen sind Teil unserer Immunabwehr. Sie attackieren Zellen, die mit einem Virus oder einem anderen Krankheitserreger infiziert sind. Gleichzeitig helfen sie anderen Antikörper produzierenden Zellen im Immunsystem, ihrer Arbeit nachgehen zu können. Die Reaktion der T-Zellen ist bereits seit Auftreten des Coronavirus Sars-CoV-2 eines der Hauptforschungsthemen rund um Covid-19. Wissenschaftler versuchen herauszufinden, wie T-Zellen auf das Coronavirus antworten, um zu schauen, wie lange wir nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung überhaupt eine Immunantwort zeigen.

Dazu haben sich Forscher des U.K. Coronavirus Immunology Consortium (UK-CIC), Public Health England und des Manchester University NHS Foundation Trust insgesamt 100 positiv auf das Coronavirus gestestete Patientinnen und Patienten angesehen. Alle waren im März und April 2020 infiziert, jedoch nicht ins Krankenhaus eingeliefert worden, da sie nur milde bzw moderate (56 Menschen) oder gar keine Symptome (44 Menschen) erlitten hatten.

Den 100 Probanden hatten die Forschenden monatlich Blutserum abgezapft, um die Menge an Antikörpern zu bestimmen. Sechs Monate später wurden Blutproben auf die T-Zellen-Antwort untersucht. Das Verblüffende: Bei allen untersuchten Personen traten sechs Monate nach der Infektion mit Sars-CoV-2 T-Zell-Reaktionen auf – so die Untersuchungsergebnisse. Das deute darauf hin, dass ein "robustes zelluläres Gedächtnis" gegen das Coronavirus mindestens sechs Monate lang fortbesteht.

Menschen mit Symptomen zeigen stärkere Zell-Immunantwort

Doch: "Die Stärke der T-Zell-Immunantwort variierte zwischen den Probanden", so die Forscher. Menschen, die während ihrer Erkrankung Symptome verspürt hatten, zeigten eine weitaus stärkere Immunantwort der T-Zellen – 50 Prozent höher sogar.

Die Studie ist bisher allerdings nur im Preprint veröffentlicht und muss noch durch unabhängige Forscher geprüft werden. Dennoch könnten die Ergebnisse ein weiteres Puzzleteil im großen Rätsel um die Immunität gegen das Coronavirus sein. Dieses Rätsel zu lösen, ist insbesondere für die Impfstoffentwicklung wichtig.

Lässt sich ein Impfstoff jetzt besser entwickeln?

Dr. Shamez Ladhani, Epidemiologe bei Public Health England und Mitautor der Studie erklärt: "Zelluläre Immunität ist ein komplexes, aber im Grunde sehr wichtiges Teil im Covid-19-Puzzle, und es ist enorm wichtig, dass in diesem Gebiet jetzt weiter geforscht wird. Immerhin: Frühe Ergebnisse zeigen, dass die Antwort der T-Zellen die ursprüngliche Antikörper-Antwort des Immunsystems überdauern könnte. Das könnte einen signifikanten Einfluss auf die Covid-Impfstoffentwicklung sowie auf die Immunforschung haben."

Was ist mit Reinfektion? Weitere Forschung nötig!

Die Forscher geben aber an, dass hier dringend weiter geforscht werden müsse. Man müsse herausfinden, ob diese T-Zell-Immunantwort auch über diese sechs Monate hinaus anhält. Zudem müsse jetzt besser verstanden werden, wie die Stärke der zellulären Immunantwort mit möglichen Wiederinfektionen zusammenhängt. Denn wie gesagt: Auch davon wurde berichtet. Zudem müsse herausgefunden werden, ob Infizierte mit Symptomen besser vor einer Zweitinfektion geschützt seien, schließt Prof. Paul Moss vom UK-CIC.

Übrigens: T-Zellen bildet unser Körper auch nach einer normalen Erkältung. Da auch die durch bestimmte Coronavirus ausgelöst werden kann, die weit ungefährlicher sind als Sars-CoV-2, kann es sein, dass manche Menschen nach einer Erkältung eine gewisse Immunität gegen Sars-CoV-2 haben.

Ob ein Impfstoff dann später wirklich lange hilft, hängt aber nicht nur an der Immunantwort, sondern auch an der Mutationsfreudigkeit des Coronavirus. Es mutiert – aber offenbar bisher nicht so sehr, dass die derzeitigen Impfstoff-Entwicklungen in Gefahr sind.

Ladhani, Moss et al. (BioRxiv, Preprint, 2020): "Robust SARS-CoV-2-specific T-cell immunity is maintained at 6 months following primary infection"

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