Aktualisiert: 03.11.2020 - 19:47

Zuhause, in der Bar, im Klassenzimmer So verbreitet sich das Coronavirus mit und ohne Maßnahmen

Wie verbreitet sich das Coronavirus in Räumen, etwa in einer Klasse, wenn die Lehrerin infiziert ist? Ob ohne Schutzmaßnahmen, mit Maske oder mit Lüften: Es gibt Unterschiede!

Foto: iStock.com/izusek

Wie verbreitet sich das Coronavirus in Räumen, etwa in einer Klasse, wenn die Lehrerin infiziert ist? Ob ohne Schutzmaßnahmen, mit Maske oder mit Lüften: Es gibt Unterschiede!

Helfen Masken und Abstand jetzt, oder nicht? Und wie genau sieht die Verbreitung des Virus in geschlossenen Räumen überhaupt aus? Was bringt das Lüften? Eine spanische Zeitung hat drei Alltagsszenarien analysiert und die Verbreitung des Virus an diesen Orten simuliert. Das zeigt, welche Maßnahmen wirklich etwas bringen.

Abstand halten, Hygiene einhalten, Maske tragen – und möglichst durchgängig lüften. Das sind die Hauptmaßnahmen, mit denen wir uns und andere vor einer Corona-Infektion schützen können. Doch ist das nicht immer ohne Weiteres möglich, manchmal auch einfach unbequem – und wer sitzt schon in Maske zu Hause, wenn Besuch da ist?

Die spanische Zeitung "El Pais" hat sich genau das gedacht und drei Szenarien genauer analysiert und die Virusausbreitung dort mit einer Software simuliert. Das Spannende: All das lässt sich auf andere Bereiche übertragen.

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Coronavirus-Ausbreitung: Drei Szenarien simuliert

Klar, derzeit herrscht sowieso Lockdown. Doch Schulen haben weiterhin geöffnet und in einigen Bundesländern dürfen wir uns auch noch im Haushalt mit einer bestimmten Zahl an Personen aus einem anderen Haushalt treffen. Doch das korreliert etwas mit dem, was wir mittlerweile über die Virusausbreitung wissen:

  • In geschlossenen Räumen können sich Aerosole über eine gewisse Zeit ausbreiten.
  • Tröpfcheninfektion wird durch Abstand und Masken verringert – doch wer trägt zu Hause Maske? Außerdem gibt es immer noch die Aerosole.
  • Ständiges Lüften hilft gegen Aerosole, ist im Winter aber gar nicht so einfach.

Im Haushalt ist die Gefahr der Ansteckung nach bisherigen Erkenntnissen allerdings hoch. Zudem gibt es neue Meldungen darüber, dass vor allem Kinder und Jugendliche Treiber der Pandemie sein sollen – jedenfalls dann, wenn sie selbst unvorsichtig sind (denn selbstverständlich gibt es jede Menge verantwortungsbewusste Kinder und Jugendliche!). Da durch offene Schulen vor allem Kinder viel Kontakt zueinander haben, in vielen Fällen aber aufgrund fehlender oder sehr schwacher Symptome nicht einmal etwas von einer möglichen Infektion merken, besteht die Gefahr, dass sie das Virus mit in den Haushalt bringen. Kommt dann Besuch, wird das Virus weitergetragen. Denn wer sich zu Hause trifft, trifft sich a) in der Regel länger als nur ein paar Minuten, hat b) engeren Kontakt ohne Maske und hält sich c) vor allem in der kalten Jahreszeit vor allem drinnen auf. Und genau das wurde in den Szenarien untersucht.

Alltagsszenarien: Treffen zu Hause, Schule und Bar

Drei Alltagsszenarien wurden betrachtet: Treffen zu Hause, Unterricht in der Schule und ein Barbesuch. Der Blick geht insbesondere auf die Verbreitung von Aerosolen. Für die Simulation wurde das "Covid-19 Airborne Transmission Tool" genutzt, das an der University of Colorado unter Chemiker José Luis Jiménez , Experte für die Dynamik von Luftpartikeln, entworfen wurde. Das Problem ist nämlich: Auch wenn Tröpfchen aufgefangen werden – Aerosole können sich über Stunden in der Raumluft halten und sich verteilen. Und je mehr gesprochen oder geschrien (wie etwa in einer lauten Bar) wird, desto mehr Partikel werden ausgestoßen.

Szenario 1: Sechs Leute treffen sich in einem Wohnzimmer

Zwar befinden wir uns derzeit wieder in einem Lockdown, jedoch sind private Treffen im kleinen Kreis fast überall erlaubt. Daher passt das Szenario noch: 6 Leute treffen sich in einer Privatwohnung im Wohnzimmer. Einer ist infiziert mit dem Coronavirus:

Situation Ergebnis
Vier Stunden lang keine Schutzmaßnahmen Alle haben sich infiziert: Auch mit Abstand ohne Lüften und Maske verteilen sich durchs Sprechen Tröpfchen und Aerosole ungehindert im Raum und werden eingeatmet.
Vier Stunden lang mit Maske, ohne Lüften Vier Personen haben sich neu infiziert: Gegen Aerosole hilft die Mund-Nasen-Bedeckung nicht – und über eine so lange Zeit können sie sich in einem ungelüfteten Raum verteilen.
Zwei Stunden lang mit Maske und Lüften Keiner oder höchstens einer hat sich neu infiziert: Durch die Maske wird niemand direkt "angespuckt", die Aerosole werden durchs Lüften hinausgetragen/mit frischer Luft ausgetauscht.

Szenario 2: Ein Klassenraum mit Unterricht in der Schule

24 Schüler sitzen im Klassenraum, alle an Einzeltischen mit Abstand. Der Lehrer ist infiziert mit dem Coronavirus Sars-CoV-2. Er unterrichtet, spricht also die meiste Zeit, teilweise laut.

Situation Ergebnis
Zwei Stunden lang ohne Schutzmaßnahmen Zwölf Schüler haben sich angesteckt.
Alle Schüler tragen zwei Stunden lang Maske Fünf Schüler haben sich angesteckt: Die Aerosole verteilen sich im ungelüfteten Raum. Die Nähe zum Lehrer spielt keine Rolle, Masken schützen den Träger zwar ein bisschen, aber sind insbesondere zum Fremdschutz gedacht.
Alle tragen die zwei Stunden über Maske, der Raum wird durchgehend gelüftet, der Unterricht wird auf eine Stunde verkürzt Kein oder höchstens ein Schüler hat sich neu angesteckt.

Szenario 3: Barbesuch mit insgesamt 18 Personen

Bars mussten im Zuge des Lockdowns schließen. Dabei haben viele davon ein gut durchdachtes Hygienekonzept. Das kann aber nicht immer greifen, insbesondere dann, wenn kaum gelüftet werden kann. Im Versuch wurde das Gästeaufkommen um 50 Prozent reduziert. Entsprechend sind 15 Gäste im Raum verteilt, drei Mitarbeiter arbeiten – also 18 Leute. Einer der Gäste ist infiziert. Die Bar besitzt keine Lüftung.

Situation Ergebnis
Alle sitzen ohne Schutzmaßnahmen vier Stunden lang in der Bar 14 Menschen in der Bar haben sich neu infiziert.
Alle tragen vier Stunden lang Maske, gelüftet wird nicht* Acht Menschen haben sich neu infiziert.
Alle tragen Maske, es wird gelüftet, der Aufenthalt reduziert sich auf zwei Stunden* Eine Person hat sich neu infiziert.

* Es wird seitens der Zeitung gesagt, dass alle konsistent Maske getragen haben. Jedoch ist davon auszugehen, dass diese zum Trinken und Essen abgenommen wurde.

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So funktioniert das Tool

Mit dem Covid-19 Airborne Transmission Tool lässt sich das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus in verschiedensten Situationen simulieren, etwa auch für öffentliche Verkehrsmittel, oder für die Chorprobe. Es lässt sich in Sachen Personenanzahl, Raumgröße, Maskennutzung, Lüftungsmöglichkeiten und Co anpassen. Jedoch ist nicht klar, wie viel Virus eine infizierte Person letztendlich ausstößt. Die Genauigkeit ist daher dennoch begrenzt, sagen die Ersteller. Auch ist die Art der Maske nicht einstellbar. FFP2-Masken etwa können zu einem gewissen Grad auch die Träger schützen, während Stoffmasken oder OP-Masken insbesondere zum Fremdschutz gedacht sind.

Es zeigt sich also: insbesondere Lüften hilft, da es die Ansteckung über Aerosole vermindert. Die Maske und der Abstand schützen immerhin vor Tröpfcheninfektion und können so möglicherweise auch die Schwere einer Infektion beeinflussen. Alle Schutzmaßnahmen zusammen helfen selbstredend am besten gegen die Verbreitung des Coronavirus. Das Problem ist etwa in Schulen: Es kann nicht in allen Klassenräumen durchgehend ausreichend gelüftet werden. Und die Raumtemperatur ist dann nochmal eine ganz andere Sache...

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Anschaulich dargestellt wird das alles im Artikel der Zeitung "El Pais" hier auch in englischer Sprache, aber mit animierten Bildern. Wer möchte, kann sich das Tool hier herunterladen und selbst ausprobieren. Hier gibt es Hinweise zum Tool. Hinweis: Englische Sprache.

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