Aktualisiert: 02.11.2020 - 20:44

Weniger Krankschreibungen AHA-Regeln: Bringen die auch was gegen Grippe und Erkältung?

Abstand halten und Maske tragen – das schützt wohl nicht nur vor dem Coronavirus, sondern scheint laut Krankenkassen-Daten auch Grippe und Erkältung Einhalt zu gebieten.

Foto: iStock.com/eyecrave

Abstand halten und Maske tragen – das schützt wohl nicht nur vor dem Coronavirus, sondern scheint laut Krankenkassen-Daten auch Grippe und Erkältung Einhalt zu gebieten.

Wir sind angehalten, Abstand zu halten, Hygiene zu beachten und Alltagsmaske zu tragen – zum Schutz gegen Corona. Doch wie sieht's mit anderen Atemwegserkrankungen aus? Eine Krankenkasse hat sich das jetzt genauer angesehen.

Da sich das Coronavirus vor allem über Tröpfchen und Aerosole überträgt, aber auch die Schmierinfektion nicht ausgeschlossen ist, haben wir mittlerweile gewisse Schutzmaßnahmen entwickelt, die uns und andere gegen eine Infektion mit Sars-CoV-2 schützen. Die AHA-Regeln, mittlerweile oft in erweiterter Form als AHA+L-Regeln bezeichnet, könnten dann aber auch gegen andere Atemwegserkrankungen schützen, oder? Also sind AHA-Regeln auch gegen Grippe und Erkältung wirksam? Genau das wurde jetzt in einer Studie einer Krankenkasse untersucht.

AHA-Regeln: Schützen gegen Covid-19 – und vielleicht auch gegen Grippe und Erkältung?

Die Ergebnisse sind recht eindeutig: Der Analyse der Barmer-Krankenkasse nach haben sich im Spätsommer 2020 sowie im Herbst bis zum jetzigen Zeitpunkt merklich weniger Menschen wegen Atemwegserkrankungen krankgemeldet als im Vorjahr. In ihrer Analyse führt die Krankenkasse das vor allem darauf zurück, dass es aufgrund der AHA-Regeln weniger Ansteckungen gegeben habe.

Die AHA-Regeln bedeuten:

  • Abstand halten
  • Hygiene – also insbesondere Hände waschen
  • Alltagsmaske tragen zum Schutz der Mitmenschen

Ergänzt wird der Merksatz mittlerweile noch mit einem L für Lüften, um auch potenziell virenhaltige Aerosole loszuwerden.

Viel weniger Krankmeldungen wegen Atemwegserkrankungen

Die Jahresabweichung im Vergleich zum Vorjahr sei zu groß, um sie nur mit Witterungsbedingungen zu erklären, heißt es in der Analyse. "Die AHA-Regeln wirken nachweislich. Das ist kurz vor dem Beginn des zweiten Lockdowns eine wichtige Botschaft", erklärt Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Kasse, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Jeder Einzelne kann und muss etwas tun, um die sich zuspitzende Pandemie in den Griff zu bekommen."

Schauen wir uns die Zahlen genauer an:

  • Im Jahr 2019 hatten sich im August 33.439 Barmer-Versicherte wegen Atemwegsinfekten krankgeschrieben – im Oktober 2019 waren es dann 57.613 – das entspricht einem Plus von 138 Prozent.
  • Im Jahr 2020 liegt dieses Plus bei der Barmer nur bei 101 Prozent: Im August waren 18.975 Barmer-Versicherte wegen Atemwegsinfekten krankgemeldet, im Oktober 2020 dann 37.777 Versicherte.

Deutschlandweit zählt die Barmer Versicherung rund 9 Millionen Versicherte.

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Warum die AHA-Regeln wirken – und auch gegen Grippe und Co helfen

Die Ergebnisse decken sich mit dem, was weltweit aufgefallen ist: Die Grippewelle blieb in vielen Teilen der Welt aus. Auch in Deutschland hatte sie im Frühjahr ein abruptes Ende genommen, nachdem die Kontaktbeschränkungen eingeführt worden waren und begonnen worden war, auf Abstand hinzuweisen sowie das Tragen einer Maske in vielen Bereichen zur Pflicht gemacht worden war. Und auch kürzlich schon äußerten Virologen die Vermutung, dass die Grippewelle durch Abstand und Co möglicherweise ausfallen könnte – oder zumindest schwächer ablaufen könnte.

Die Influenza, der Erreger der Grippe, wird ähnlich wie das Coronavirus vor allem über Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch verbreitet. Hält man nun Abstand, können fliegende Tröpfchen nicht mehr so gut ein neues Ziel finden. Werden sie dazu noch von einer Maske aufgehalten, sinkt das Infektionsrisiko weiter. Ein Restrisiko besteht durch Aerosole, die durch Masken hindurch oder an ihnen vorbei schweben können. Aber auch hier hilft Abstand – und in geschlossenen Räumen hilft regelmäßiges, am besten durchgängiges Lüften, um die potenzielle Virenkonzentration in der Luft zu verringern.

Das Problem beim Coronavirus Sars-CoV-2 ist nämlich, dass Menschen auch bereits ohne Symptome ansteckend sein können – also ohne es zu merken. Bei Erkältungen und bei der Grippe ist das anders.

Übrigens lohnt es sich dennoch, sich jetzt gegen die Grippe impfen zu lassen. Denn einerseits schützt dies das Gesundheitssystem durch Überlastung aufgrund von schweren Grippefällen, es schützt uns vor Superinfektionen mit Grippe und Covid-19 – und möglicherweise kann die Grippeimpfung uns auch zumindest ein bisschen gegen das Coronavirus schützen.

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