Aktualisiert: 30.10.2020 - 19:30

Fälle in den USA Covid-19-Langzeitfolgen: Patienten erkranken an Parkinson

Parkinson äußert sich unter anderem durch zitternde Hände. Die Symptome sind nun auch bei Covid-19-Patienten aufgetaucht – nachdem sie als genesen galten.

Foto: iStock.com/Pornpak Khunatorn

Parkinson äußert sich unter anderem durch zitternde Hände. Die Symptome sind nun auch bei Covid-19-Patienten aufgetaucht – nachdem sie als genesen galten.

Es zeichnet sich immer mehr ab: Nicht jeder übersteht die Coronavirus-Erkrankung Covid-19 ohne Spätfolgen. Eine davon scheint auch Parkinson zu sein. Noch weiß keiner, ob sich diese Langzeitprobleme wieder zurückentwickeln.

Covid-19 ist eine Multiorganerkrankung, die neben Lunge auch Herz, Nieren, sogar das Gehirn in der Funktion beeinträchtigen kann. Bei den neurologischen Problemen in Zusammenhang mit der Krankheit treten etwa Verwirrtheit oder sogar verminderte Intelligenz auf. Ob sich diese Symptome irgendwann wieder legen, ist noch nicht klar. Jetzt gibt es in den USA Fälle, in denen Covid-19-Patienten Anzeichen von Parkinson zeigen.

Parkinson als Folge von Covid-19: Fälle in den USA

Einige Wochen nach ihrer Erkrankung mit dem Coronavirus konnten bei drei Patienten im mittleren Alter aus den USA Parkinson-Symptome festgestellt werden, berichtet unter anderem das Wissensmagazin "scinexx". Dabei hatte keiner der Patienten Vorbelastungen oder Vorerkrankungen. Daher vermuten Mediziner, dass das Coronavirus seinen Teil dazu beigetragen hat – entweder als Auslöser oder zumindest als Beschleuniger.

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Parkinson gehört zu den neurologischen Erkrankungen – dabei sterben Nervenzellen in einem bestimmten Hirnareal nach und nach ab. Möglicherweise könnte dieser Prozess bei Covid-19 auftreten. Die eigentliche Ursache von Parkinson ist allerdings bis heute nicht geklärt.

Parkinson-Erkrankte leiden an Störungen im Bewegungsapparat, können etwa die Hände nicht mehr dauerhaft ruhig halten, der sogenannte "Tremor", ein Zittern, setzt ein. Aber auch Stimmungsveränderungen und schnellerer geistiger Abbau gehören zu den Symptomen, ebenso wie Magen-Darm-Probleme. Parkinson ist unheilbar, lässt sich aber bei frühzeitiger Erkennung verlangsamen.

Motorische Symptome kurz nach Viruserkrankung

Bei den Erkrankten im Alter von 35, 45 und 58 Jahren, alle wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt, konnten die Mediziner um Patrik Brundin vom Andel Research Institute in Michigan in den USA rund zwei bis fünf Wochen nach ihrer Entlassung Parkinson-Symptome feststellen.

"In allen Fällen enthüllten Hirnscans eine verringerte Funktion des Dopaminsystems ähnlich wie bei Parkinson", erklärt Brundin in der Vorveröffentlichung. "Der schnelle Eintritt schwerer motorischer Symptome relativ kurz nach der Coronavirus-Infektion deutet auf einen kausalen Zusammenhang hin."

Verschiedene Auslöser der Parkinson-Symptome möglich

Was letztlich ausgelöst hat, dass die eigentlich als genesen entlassenen Patienten kurz später Parkinson-Symptome entwickelt hatten, diskutieren die Forscher nun. Verschiedene Ansätze kommen infrage:

  • Sars-CoV-2 kann Blutgefäße schädigen. Das könnte im Hirn Parkinson-Symptome hervorgerufen haben.
  • Das Virus kann aber auch Entzündungen im gesamten Körper verursachen, die dann zu den Symptomen geführt haben. Chronische Entzündungen gelten als Risikofaktor für Parkinson.
  • Möglicherweise konnte das Coronavirus aber auch direkt die Gehirnzellen angreifen und so die Parkinson-Symptome verursachen.

Die Beobachtungen sollen als Studie veröffentlicht werden und befinden sich noch im Preprint in der Fachzeitschrift "Trends in Neurosciences", bedürfen also noch einer genaueren Überprüfung.

Den drei Patienten aus der Studie geht es übrigens mittlerweile besser. Bei zweien konnten dopaminhaltige Parkinson-Medikamente die Symptome verbessern, beim dritten hatte sich der Zustand nach einiger Zeit von selbst gebessert. Auch das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Corona-Spätfolgen zumindest in machen Fällen reversibel sein könnten.

Mögliche Spätfolgen: Warum wir vorsichtig sein sollten

Diese und weitere Spätfolgen müssten dennoch dringend weiter untersucht werden, mahnen die Forscher. "Denn auch wenn eine akute Parkinson-Erkrankung in Zusammenhang mit Covid-19 selten zu sein scheint, könnte die weite Verbreitung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung zu einer großen Zahl von Menschen führen, die zumindest ein erhöhtes Risiko für Parkinson haben."

Und auch vor weiteren Covid-19-Langzeitfolgen warnt Brundin: "SARS-CoV-2 gilt zwar als Atemwegsvirus, aber sein pathogenes Potenzial vor allem für neurologische Komplikationen hat uns immer wieder überrascht", erklärt er. "Die Konsequenzen dieser Infektion könnten uns noch über Jahre und Jahrzehnte begleiten."

Auch uns haben fünf Covid-19-Patienten über ihre anhaltenden Probleme berichtet. Das Coronavirus kann auch jüngere Menschen treffen. Wir sollten es daher dringend ernst nehmen. Daher gelten nun im November weitere Kontaktbeschränkungen in Deutschland.

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Studie:

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