Aktualisiert: 26.03.2021 - 13:55

Ärzte bemerken leichtere Verläufe Die Grippeimpfung schützt gegen Covid-19 – ein bisschen jedenfalls

Der kleine Pieks gegen Influenza-Viren scheint laut Forschern nicht nur gegen die Grippe zu schützen – sondern möglicherweise auch zumindest ein bisschen gegen das Coronavirus.

Foto: iStock.com/Pornpak Khunatorn

Der kleine Pieks gegen Influenza-Viren scheint laut Forschern nicht nur gegen die Grippe zu schützen – sondern möglicherweise auch zumindest ein bisschen gegen das Coronavirus.

Haben Sie sich im vergangenen Winter gegen die Grippe impfen lassen? Das könnte Ihnen nun im Kampf gegen Covid-19 behilflich sein. Denn vieles deutet darauf hin, dass Grippegeimpfte seltener erkranken – und wenn, dann oft einen milderen Verlauf der Erkrankung haben. Gemunkelt wurde schon länger – jetzt gibt es auch eine Studie dazu.

Impfstoffe gegen das Coronavirus haben wir mittlerweile – doch noch kann sich nicht jeder impfen lassen, der möchte. Angesichts der erneut rasant steigenden Zahlen lässt das derzeit noch viele ohne Immunschutz gegen dieses Virus zurück. Doch eine Gruppe scheint besser geschützt zu sein: Eine Studie zeigt jetzt nämlich, dass die Grippe-Impfung auch gegen das Coronavirus schützen kann.

Zwar ist die Schutzwirkung längst nicht so gut wie die der Covid-Impfstoffe. Doch Forscher konnten nun zeigen: Grippegeimpfte erkranken seltener und weniger stark. Die zuvor vermutete gewisse Kreuzimmunität scheint also tatsächlich zu existieren. Die Studie ist nämlich nicht die erste auf diesem Gebiet.

Coronavirus und Grippe im Vergleich
Coronavirus und Grippe im Vergleich

Grippe-Impfstoff und Covid-19: Forscher entdecken

Wir berichteten an dieser Stelle zuvor bereits über eine weitere Studie von Forschenden aus dem niederländischen Nijmegen und Düsseldorf, die sich noch im Preprint befindet und deren Ergebnisse sich mit vorherigen epidemiologischen Studien decken. Hier knüpft die Studie vom Team um die Ärztin Anna Conlon von der University of Michigan an – und zwar endlich in großem Rahmen.

27.000 Patient:innen-Daten haben die Forschenden analysiert. Die Ergebnisse: Menschen, die gegen Influenza, also die Grippe, geimpft wurden, erkranken seltener an Covid-19. Zudem müssen sie, wenn sie doch erkranken, seltener ins Krankenhaus, müssen dort seltener beatmet werden und werden schneller wieder entlassen.

13.000 Teilnehmer:innen der Studie hatten sich in den 12 Monaten zuvor einen Grippe-Impfstoff spritzen lassen. 4 Prozent davon infizierten sich daraufhin mit dem Coronavirus. In der nichtgeimpften Vergleichsgruppe waren es 4,9 Prozent. Und diese wiederum mussten um ein Drittel häufiger ins Krankenhaus, mussten dort im Mittel länger behandelt und etwa doppelt so oft beatmet werden wie die Grippegeimpften.

Bemerkenswert daran: Unter den Geimpften gab es tendenziell mehr, die eigentlich zu einer der Covid-19-Risikogruppen gehörten. Sprich: Bei ihnen wären eigentlich sogar schwerere Verläufe vermutet worden.

Mögliche Kreuzimmunität: Aber wie genau?

Der Mechanismus hinter einer solchen Kreuzimmunität – also eine gewisse Immunität durch Antikörper, die eigentlich gegen einen ganz anderen Erreger gebildet werden – ist weitgehend unklar bisher.

Der Grippeimpfstoff könnte den Körper dazu bringen, breit wirksame Moleküle zu produzieren, die nicht nur gegen Influenza-Infektionen in den Kampf ziehen, sondern auch in gewissem Maße auf Coronaviren vom Typ Sars-CoV-2 anspringen. Das Immunsystem ist dank Grippe-Impfung bereits aktiviert – und kann dadurch möglicherweise schneller reagieren.

Dazu haben die Forschenden aus Nijmegen und Düsseldorf wiederum Daten aus den Niederlanden verwendet: "Anhand eines etablierten In-vitro-Modells zeigen wir, dass der vierwertige inaktivierte Grippeimpfstoff, der in den Niederlanden in der Grippesaison 2019/2020 eingesetzt wird, eine trainierte Immunantwort induzieren kann", schrieben sie in einer Erklärung zu ihrem Preprint. Demnach könnte auch die Zytokinreaktion, die bei Covid-19 manchmal schwere Fälle auslöst und bis zum Zytokinsturm führen kann, bei Sars-CoV-2 verbessert werden.

Stecken sich geimpfte Personen seltener an? Wenn ja, warum?

Doch die niederländisch-deutsche Forschergruppe hatte auch klare Anhaltspunkte: "Darüber hinaus stellten wir fest, dass die Infektion mit Sars-CoV-2 bei niederländischen Krankenhausmitarbeitern, die in der Wintersaison 2019/2020 eine Grippeimpfung erhalten hatten, seltener auftrat." – Also ähnlich, wie nun in der Studie aus Michigan festgestellt.

Ein Beweis dafür, dass das an der Grippeimpfung liegt, ist damit aber noch nicht hundertprozentig erbracht. Es könne auch sein, dass neben sozialen und wirtschaftlichen Unterschieden auch ein gesundheitsbewussteres Leben oder ein stärkerer Schutz gegen Coronaviren mithilfe von Masken und Abstand in den Gruppen der Geimpften zu Grunde lagen.

Dennoch geben auch vorherige Studien – wie schon erwähnt – Hinweise darauf: So gibt es zwei Veröffentlichungen, die darauf hinweisen, dass Covid-19 in den Regionen Italiens weniger gewütet hat, in denen mehr Menschen über 65 gegen die Grippe geimpft waren. Kürzlich erschien zudem eine Studie (ebenfalls noch im Preprint), in der die Forscher entdeckt hatten, dass die untersuchten Personen seltener positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden waren, wenn sie in den vergangenen fünf Jahren gegen Grippe, Masern-Mumps-Röteln, Hepatitis A oder B oder Pneumokokken geimpft worden waren.

______________

Die Grippewelle war in diesem Winter, wie zuvor schon vermutet, nahezu nicht vorhanden. Experten führen das auf die gestiegene Vorsicht sowie das Tragen von Masken zurück, denn so konnte ein mögliches Ausbreiten schon im Keim erstickt werden. Anders sieht es beim Coronavirus aus. Es konnte in den vergangenen Monaten nie richtig gut eingedämmt werden und breitet sich aufgrund von ansteckenderen Mutanten derzeit stärker aus denn je.

Diese Mutanten könnten auch die saisonalen Effekte, die auf das Coronavirus wirken, stark abschwächen. Die sind nämlich generell nicht so hoch wie die etwa der Grippe oder harmlosen Erkältungsviren. Daher heißt es jetzt: Weiter Zähne zusammenbeißen und auch trotz Grippe-Impfung auf ein schnelleres Verteilen der Covid-Impfungen hoffen. Denn die hilft nicht nur vor schweren Verläufen und dem Tod, sondern die Covid-Impfung könnte möglicherweise auch vor Long Covid schützen. Und davon sind vor allem jüngere Menschen mehr und mehr betroffen.

Mehr zu Impfungen finden Sie auf unserer Themenseite – etwa zu den möglichen Nebenwirkungen der Grippeimpfung.

Studien:

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe