Aktualisiert: 27.07.2021 - 11:51

Geistiger Verfall Studie zeigt: Covid-19 lässt das Gehirn um 10 Jahre altern

Von der Redaktion

Kopfschmerzen sind ein Symptom von Covid-19 – und offenbar lässt die Erkrankung unser Gehirn auch altern. Das haben britische Forscher herausgefunden.

Foto: iStock.com/Andrey Zhuravlev

Kopfschmerzen sind ein Symptom von Covid-19 – und offenbar lässt die Erkrankung unser Gehirn auch altern. Das haben britische Forscher herausgefunden.

Offenbar schädigt das Coronavirus nicht nur die Lungen, das Herz und mehr, es macht möglicherweise auch dumm – salopp gesagt. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie, die nun veröffentlicht worden ist.

Dass eine Erkrankung an Covid-19 auch Langzeitfolgen nach sich ziehen kann, ist mittlerweile klar. Viele Patienten, auch solche mit leichteren Symptomen, haben noch Wochen später Probleme mit der Luft oder dem Herzen, sind schlapp und müde. Andere leiden gar unter Psychosen. Über die vergangenen Monate haben sich Forschende die Auswirkungen aufs Gehirn bei genesenen Patienten genauer angesehen – und stellen Erschreckendes fest: Der Studie zufolge kann das Coronavirus das Hirn altern lassen und damit die kognitiven Fähigkeiten einschränken.

Geistiger Verfall durch Covid-19: Das Hirn altert schneller

Für die Studie hat sich ein Forschungsteam des Imperial College London rund um Adam Hampshire die Daten von über 81.000 Menschen angesehen, von denen knapp 12.700 nachweislich mit dem Coronavirus infiziert gewesen waren. Die Proband:innen hatten zwischen Januar und Dezember 2020 einen Intelligenztest absolviert.

Die Schweregrade der Erkrankung Covid-19 waren unter den Teilnehmenden unterschiedlich. Ein Teil musste im Krankenhaus behandelt und auch beatmet werden, während sich ein überwiegender Teil zu Hause auskurieren konnte.

  • Die Teilnehmer, die an Covid-19 erkrankt gewesen waren, schnitten später im Intelligenztest merklich schlechter ab als die, die sich nicht mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert hatten.
  • Insbesondere Patient:innen, die intensivmedizinisch behandelt und beatmet werden mussten, schnitten schlecht ab: Der IQ zeigte sich um rund sieben Punkte niedriger. Demnach entspreche der geistige Verfall einer Alterung des Gehirns um ganze zehn Jahre. Das sei mehr als bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben oder unter einer Lernschwäche leiden, so die Autor:innen.

In einigen schweren Fällen stellte man bei Betroffenen noch Monate nach ihrer Coronavirus-Infektion kognitive Defizite fest.

"Unsere Analysen stimmen mit der Ansicht überein, dass Covid-19 chronische kognitive Konsequenzen hat", sagten die Forschenden schon vergangenes Jahr, als die Studie im Preprint veröffentlicht worden war. Und weiter: "Menschen, die sich erholt hatten, einschließlich derer, die keine Symptome mehr hatten, zeigten signifikante kognitive Defizite." Besonders also schwere Erkrankungen beeinträchtigen die Betroffenen oft noch im Nachhinein. Das decke sich mit Ergebnissen anderer Studien, in denen Betroffene von "Brain Fog" (Hirnnebel) und Konzentrationsschwierigkeiten berichteten.

Wie das Virus die Kognition beeinträchtigt, sei noch nicht klar, so Hampshire – hier müssten weitere Forschungen anschließen.

Nicht klar, ob sich Störungen zurückbilden

Bei solchen kognitiven Tests wird gemessen, wie gut das Gehirn es schafft, bestimmte Aufgaben auszuführen. Geprüft werden etwa die Erinnerungsfunktion anhand von Wörtern oder Bildern sowie die Kombinationsgabe etwa durch das Zusammenfügen von Punkten auf einem Puzzle. Im Rahmen von Alzheimer-Untersuchungen kommen solche Tests öfter vor, um Patienten auf ihre Gehirnleistung zu untersuchen. Sie helfen dabei, Hirnstörungen zu erkennen.

Klar ist: Intensivmedizinische Betreuung ist bekannt dafür, Menschen stark zu belasten, auch in ihrem kognitiven Vermögen. Die Ergebnisse deuten den Autor:innen zufolge aber darauf hin, dass auch das Virus selbst hier beteiligt ist. Darauf weist auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Twitter hin. Er stellt klar, dass auch Menschen betroffen sind, die nicht im Krankenhaus behandelt worden sind:

Unklar ist derweil, ob solche kognitiven Störungen nur temporär sind und irgendwann wieder verschwinden. Dies ist auch bei den über 200 bisher verzeichneten weiteren Long-Covid-Symptomen noch nicht klar.

Immerhin gibt es mittlerweile eine Long/Post-Covid-Leitlinie. So oder so sind hier noch weitere Studien notwendig. Klar ist dennoch einmal mehr: Das Coronavirus greift nicht nur die Lunge an. Covid-19 ist eine Multiorgankrankheit, die die unterschiedlichsten Probleme hervorrufen kann und auch diverse Langzeitfolgen mit sich zu bringen scheint. So berichteten uns etwa fünf Patienten von ihrer Covid-19-Erkrankung und wie sie sich nun ins Leben zurückkämpfen.

Schützen wir uns und unsere Mitmenschen also weiter, indem wir möglichst Abstand halten und uns impfen lassen.

Mehr zum Coronavirus? Hier lesen Sie Weiteres, etwa über die Symptome von Covid-19 – die sich mittlerweile aber etwas verändert haben: So sind die Symptome der Delta-Variante des Coronavirus zu Beginn einer Erkältung nicht unähnlich.

Studie: Hampshire, Mehta et al. (The Lancet, 2021): "Cognitive deficits in people who have recovered from COVID-19"

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