Aktualisiert: 29.10.2020 - 21:01

Geistiger Verfall Studie: Covid-19 lässt das Gehirn um 10 Jahre altern

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Kopfschmerzen sind ein Symptom von Covid-19 – und offenbar lässt die Erkrankung unser Gehirn auch altern. Das vermuten zumindest britische Forscher.

Foto: iStock.com/Andrey Zhuravlev

Kopfschmerzen sind ein Symptom von Covid-19 – und offenbar lässt die Erkrankung unser Gehirn auch altern. Das vermuten zumindest britische Forscher.

Offenbar schädigt das Coronavirus nicht nur die Lungen, das Herz und mehr, es macht möglicherweise auch dumm – salopp gesagt. Das ist zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie. Doch unabhängige Forscher warnen: Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu betrachten.

Dass eine Erkrankung an Covid-19 auch Langzeitfolgen nach sich ziehen kann, vermuten immer mehr Mediziner. Viele Patienten, auch solche mit leichteren Symptomen, haben noch Wochen später Probleme mit der Luft oder dem Herzen. Doch auch von Psychosen war bereits die Rede. Jetzt haben sich Wissenschaftler die Auswirkungen aufs Gehirn bei genesenen Patienten genauer angesehen – und stellen Erschreckendes fest: Der Studie zufolge kann das Coronavirus das Hirn altern lassen und damit die kognitiven Fähigkeiten einschränken.

Geistiger Verfall durch Covid-19: Das Hirn altert schneller

Für die Studie haben sich Forscher des Imperial College London rund um Adam Hampshire die Daten von über 84.000 Menschen angesehen, von denen 3.466 angaben, zuletzt an einer Atemwegserkrankung gelitten zu haben. Davon hatten die meisten auf medizinische Hilfe verzichtet, einige wenige waren im Krankenhaus, 60 Patienten mussten beatmet werden.

Das Ergebnis: Die Teilnehmer, die angaben, an Covid-19 erkrankt gewesen zu sein, schnitten merklich schlechter ab. In einigen schweren Fällen stellte man bei Betroffenen noch Monate nach ihrer Coronavirus-Infektion kognitive Defizite fest. Demnach entspreche der geistige Verfall einer Alterung des Gehirns um ganze zehn Jahre. Das traf insbesondere auf die im Krankenhaus behandelten und besonders auf die beatmeten Patienten zu.

Die Studie ist noch nicht veröffentlicht, in einem Bericht der Forscher heißt es aber: "Unsere Analysen stimmen mit der Ansicht überein, dass Covid-19 chronische kognitive Konsequenzen hat." Und weiter: "Menschen, die sich erholt hatten, einschließlich derer, die keine Symptome mehr hatten, zeigten signifikante kognitive Defizite."

Wissenschaftler warnen vor vorschnellen Schlüssen

Bei solchen kognitiven Tests wird gemessen, wie gut das Gehirn es schafft, bestimmte Aufgaben auszuführen. Geprüft werden etwa die Erinnerungsfunktion anhand von Wörtern oder Bildern sowie die Kombinationsgabe etwa durch das Zusammenfügen von Punkten auf einem Puzzle. Im Rahmen von Alzheimer-Untersuchungen kommen solche Tests öfter vor, um Patienten auf ihre Gehirnleistung zu untersuchen. Sie helfen dabei, Hirnstörungen zu erkennen.

Doch unabhängige Forscher, die nicht an der Studie beteiligt waren, warnen vor vorschnellen Schlüssen anhand der Ergebnisse: So erklärt etwa Joanna Wardlaw, Professorin für Neuroimaging an der Universität Edinburgh laut "n-tv": "Die kognitive Funktion der Teilnehmer vor Covid ist nicht bekannt, und die Ergebnisse spiegeln auch nicht die langfristige Genesung wider. Daher können die Auswirkungen auf die Abläufe im Gehirn kurzfristig sein."

Zudem hat man bereits im Vorfeld festgestellt, dass die künstliche Beatmung dem Körper zusetzt und auch das Gehirn belasten kann.

Man weiß also nicht: Waren die Probanden mit kognitiven Problemen vielleicht schon vorher kognitiv belastet? Oder ist die kognitive Störung vielleicht nur temporär, verschwindet also irgendwann wieder? So oder so sind hier sicher noch weitere Studien notwendig. Klar ist dennoch einmal mehr: Das Coronavirus greift nicht nur die Lunge an. Covid-19 ist eine Multiorgankrankheit, die die unterschiedlichsten Probleme hervorrufen kann und auch diverse Langzeitfolgen mit sich zu bringen scheint. So berichteten uns etwa fünf Patienten von ihrer Covid-19-Erkrankung und wie sie sich nun ins Leben zurückkämpfen. Und es finden sich auch immer mehr Berichte über eine Art "brain fog", auch bezeichnet als "Long-COVID"-Syndrom.

Schützen wir uns und unsere Mitmenschen also weiter, indem wir möglichst Abstand halten und uns an die neuen Lockdown-Auflagen halten, um die Pandemie wieder einzudämmen.

Mehr zum Coronavirus? Hier lesen Sie Weiteres, etwa über die Symptome von Covid-19.

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