Aktualisiert: 28.10.2020 - 21:24

Feinstaub macht Covid-19 tödlicher Ein Viertel der deutschen Corona-Toten starb wegen Luftverschmutzung

Schlechte Luft stinkt nicht nur – sie ist auch gefährlich. Das zeigt eine Studie, die die Corona-Toten in Zusammenhang mit der Feinstaubbelastung bringt. Und die Zahlen sind erschreckend: Viele Tode hätten verhindert werden können.

Foto: iStock.com/Motortion

Schlechte Luft stinkt nicht nur – sie ist auch gefährlich. Das zeigt eine Studie, die die Corona-Toten in Zusammenhang mit der Feinstaubbelastung bringt. Und die Zahlen sind erschreckend: Viele Tode hätten verhindert werden können.

Es ist ein erschreckender Zusammenhang, den deutsche Forscher*innen jetzt publik gemacht haben: Die Luftverschmutzung spielt eine viel größere Rolle in der Letalität des Coronavirus als gedacht.

Dass schlechte, mit Feinstaub belastete Luft nicht nur die Atemwege belastet, sondern auch das Herz-Kreislauf-System, wissen wir spätestens, seit es den Smog-Alarm gibt. In China etwa ist an manchen Tagen die Luft zum Schneiden dick und so schlecht, dass Masken auf der Tagesordnung stehen. Doch auch hierzulande gibt es insbesondere in Industrieregionen Tage, an denen Grenzwerte überschritten werden. Der Feinstaub belastet unseren Körper. Und damit hat das Coronavirus ein Leichtes, ihn so sehr zu schwächen, dass der Tod nach Covid-19 früher kommt. Damit macht Luftverschmutzung das Coronavirus noch gefährlicher.

Luftverschmutzung sorgt dafür, dass das Coronavirus tödlicher wird

Die Forscher*innen aus Mainz haben untersucht, welchen Anteil die Luftverschmutzung an den Todesfällen durch das Coronavirus hat – und zwar weltweit. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt im Fachmagazin "Cardiovascular Research" veröffentlicht. Und die sind erschreckend: Weltweit gehen 15 Prozent der Covid-19-Todesfälle darauf zurück, dass der Körper bereits durch Luftverschmutzung belastet war. Feinstaub kann sich in der Lunge absetzen und schwere Herz-Kreislauf-Probleme hervorrufen. Ein so geschwächter Körper kommt mit einer Viruserkrankung schlechter klar, insbesondere weil das Coronavirus Sars-CoV-2 auch das Herz-Kreislauf-System belasten kann und etwa Blutgerinnsel hervorruft.

In Deutschland geht ein Viertel der Corona-Toten auf dreckige Luft zurück

In Deutschland sind die Werte sogar noch höher: 26 Prozent aller Todesfälle, die dem Coronavirus zugeordnet werden, haben einen Bezug zur Luftverschmutzung. Das heißt, die Verstorbenen waren allesamt einer jahrelangen Feinstaubbelastung durch die Luft ausgesetzt. In China sind es 27 Prozent – also nur unwesentlich mehr. In den USA nennen die Forscher eine Zahl von 18 Prozent. Neuseeland hingegen kommt mit nur einem Prozent glimpflich davon.

Doch das Team warnt: Die Zahlen könnten in der Realität sogar höher liegen, denn man hat sich im Rahmen der Studie nur auf Feinstaub konzentriert. Feinstaubpartikel sind aber per Definition Schmutzpartikel mit einer Größer von unter 2,5 Mikrometern, etwa Rußpartikel, Plastikteilchen, Reifenabrieb oder Düngerrückstände. Doch es gibt noch jede Menge andere Schadstoffe in der Luft, die keine Berücksichtigung fanden.

Negative Gesundheitseffekte verstärken sich gegenseitig

Einer der Studienautoren, Thomas Münzel aus der Kardiologie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, erklärt: "Wenn beides zusammenkommt, also eine langfristige Belastung durch Luftverschmutzung und eine Infektion mit Covid-19, dann verstärken sich die negativen Gesundheitseffekte gegenseitig."

Für ihre Beobachtungen haben die Wissenschaftler*innen Feinstaubwerte aus Satellitenaufnahmen, Bodenmessungen und Wetterinfos genommen und mit Beobachtungen zur Verbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 sowie mit Daten von vorhergehenden Pandemien, etwa dem Sars-Virus, das ebenfalls ein Coronavirus ist, verglichen.

Die Ergebnisse sind vorläufig, denn die Fallzahlen steigen – und damit leider auch die Todeszahlen. Hier muss daher immer weiter überprüft werden, ob und inwiefern sich die Werte verändern. Dennoch zeigt die Studie eindrücklich den Zusammenhang zwischen Sterblichkeit durch Covid-19 und der Luftverschmutzung.

Ziel: Luftverschmutzung bekämpfen – das hilft auch gegen Krankheiten

Eine geringere Luftverschmutzung würde im Kampf gegen das Coronavirus helfen, bestätigt auch Münzel. Doch auch ohne Corona hängt jeder achte Todesfall mit Umweltverschmutzung zusammen. "Nach den Berechnungen meines Kollegen Jos Lelieveld vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz gehen jährlich ungefähr 8,8 Millionen frühzeitige Todesfälle auf Feinstaub zurück", erklärt der Kardiologe gegenüber dem Spiegel. Doch Feinstaub töte langsam und im Verborgenen. Durch das Coronavirus gehe es nun einfach teilweise schneller. "Die Feinstaubtoten haben wir bisher mehr oder weniger hingenommen", schließt er. Grenzwerte seien daher angebracht, und dafür sei die Politik zuständig.

Ein Virus, das die Macht hat, eine Pandemie auszulösen und die ganze Welt ins Chaos zu bringen, könnte also weniger gefährlich, zumindest weniger tödlich sein, wenn unsere Körper nicht bereits durch die Umweltverschmutzung geschwächt wären... Spätestens jetzt sollte jeder merken, wie wichtig der Umweltschutz ist.

Bis dahin hilft das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung einmal mehr. Denn der hilft auch gegen Feinstaub. Und: Coronavirus: Die richtigen Masken schützen auch die Träger

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