Aktualisiert: 27.10.2020 - 19:28

Coronavirus rezeptfrei bekämpfen Schwere Verläufe adé? Dieses Mittel aus der Hausapotheke könnte helfen!

Ein Kopfschmerzmittel gegen Covid-19? Acetylsalicylsäure soll bei schweren Verläufen zu helfen. Doch das bedeutet jetzt nicht, dass Sie die Hausapotheke plündern sollten!

Foto: iStock.com/SelectStock

Ein Kopfschmerzmittel gegen Covid-19? Acetylsalicylsäure soll bei schweren Verläufen zu helfen. Doch das bedeutet jetzt nicht, dass Sie die Hausapotheke plündern sollten!

Wir haben es alle zu Hause: Der Wirkstoff ASS – ein rezeptfreies Schmerzmittel – scheint in niedriger Dosierung vor schweren Verläufen von Covid-19 zu schützen. Das heißt aber nicht, dass wir nun alle Schmerzmittel zu uns nehmen sollten!

Es wäre doch so schön: Eben eine Kopfschmerztablette eingeworfen und schon besser geschützt vor dem Coronavirus Sars-CoV-2 bzw. dem, was Covid-19 im Körper anrichten kann. Forscher konnten jetzt jedenfalls an einer Beobachtungsstudie zeigen: Patienten, die aufgrund anderer Krankheiten niedrig dosiert mit ASS (Acetylsalicylsäure) behandelt worden waren, zeigten einen deutlich milderen Verlauf ihrer Covid-19-Erkrankung. Schützt das Kopfschmerzmittel ASS also gegen Corona?

Aspirin gegen Covid-19: Studie zeigt Erfolge

Wissenschaftler der Universität Maryland in Baltimore (USA) hatten für ihre Studie Daten aus der ersten Corona-Welle im Frühjahr ausgewertet. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Fachzeitschrift Anesthesia & Analgesia.

Sie hatten sich die Daten von Patienten angesehen, die etwa wegen Bluthochdruck, Herz-Nieren-Erkrankungen oder Diabetes schon vor ihrer Infektion mit dem Coronavirus mit niedrig dosierter ASS behandelt wurden: Sie bekamen täglich eine geringe Dosis des bekannten Schmerzmittels Aspirin. Diese Patienten zeigten im Nachgang einen deutlich milderen Verlauf von Covid-19 als Vergleichspatienten.

In einer Mitteilung der Universität schrieb Studienleiter Jonathan Chow: "Wenn unser Befund bestätigt wird, wäre ASS das erste weit verbreitete rezeptfreie Medikament, das die Mortalität bei Covid-19-Patienten senkt."

Blutverdünnende Wirkung scheint zu helfen

41 Erwachsene mit Covid-19 im Durchschnittsalter von 55 Jahren hatten sich Chow und Kollegen angesehen. Die Patienten waren zwischen März und Juli 2020 zur Behandlung der Coronavirus-Erkrankung in diversen US-amerikanischen Krankenhäusern. 344 der Patienten hatten zuvor kein ASS erhalten. 98 Patienten hatten innerhalb von 24 Stunden nach der Aufnahme oder sieben Tage vor der Aufnahme ASS eingenommen. Diese Patienten mussten seltener beatmet (35,7 gegenüber 48,4 Prozent) und seltener auf die Intensivstation verlegt (38,8 statt 51 Prozent) werden.

Oft sei die Ausgangslange der Patienten mit niedrig dosierter ASS-Zufuhr aufgrund von Vorerkrankungen sogar schlechter gewesen. Schwere Blutungen kamen laut Chow dennoch nicht häufiger vor als in der Vergleichsgruppe.

ASS wirkt blutverdünnend. Schon seit Monaten wird in Krankenhäusern bei schweren Fällen der Blutverdünner Heparin gegeben. Ausschlaggebend dafür ist die Tatsache, dass das Coronavirus das Risiko von Blutgerinnseln erhöht. Diese lassen sich mit blutverdünnenden Mitteln oft wieder auflösen.

Chow und seine Kollegen streben nun eine klinische Studie an, damit ihre Beobachtungen genauer untersucht und vielleicht sogar bestätigt werden können. Es wäre ein echter Forschungsfortschritt, denn ASS ist leicht herzustellen und in großen Mengen weltweit verfügbar.

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Täglich Aspirin? Das ist eine ganz schlechte Idee!

Bedeutet das also jetzt, dass wir uns alle täglich eine Aspirin einwerfen sollten, um uns zu schützen? Mitnichten! Die Ergebnisse der Studie müssen erstens noch genauer verifiziert werden – und zweitens ist auch ASS, obwohl frei verkäuflich, ein Medikament – und Medikamente sollten niemals grundlos eingenommen werden! Auch Aspirin und andere ASS-Mittel können schwere Nebenwirkungen auslösen. So kann die blutverdünnende Wirkung von ASS, die eben vermutlich zwar die Covid-19-Patienten vor schweren Verläufen geschützt hat, auch schwere innere Blutungen auslösen. Das Medikament ist zudem eine Belastung für den Magen.

Nehmen Sie daher bitte niemals grundlos über einen Zeitraum von mehreren Tagen Medikamente zu sich! Medikamenteneinnahme muss IMMER mit den behandelnden Ärzten abgesprochen werden – auch, wenn es sich um ein frei verkäufliches Medikament handelt! Hier besteht Lebensgefahr!

Helfen kann Aspirin aber beispielsweise, wenn Verdacht auf Herzinfarkt besteht – bei Frauen ist dieser oft schwer zu erkennen. Hier kann das Schmerzmittel dank blutverdünnender Wirkung dazu beitragen, dass mehr Zeit gewonnen wird.

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