Aktualisiert: 22.10.2020 - 19:38

Vorsicht und Empathie? Studie zeigt: Frauen nehmen das Coronavirus ernster

Liegt es daran, dass sie vorsichtiger sind? Frauen nehmen laut einer Studie das Coronavirus und die Krankheit Covid-19 ernster als Männer. Was ist dran – und welche Auswirkungen hat das?

Foto: iStock.com/chameleonseye

Liegt es daran, dass sie vorsichtiger sind? Frauen nehmen laut einer Studie das Coronavirus und die Krankheit Covid-19 ernster als Männer. Was ist dran – und welche Auswirkungen hat das?

Sind Frauen verantwortungsbewusster, was den Umgang mit Krankheiten betrifft? Was viele schon längst vermutet haben, bestätigt im Hinblick auf das Coronavirus jetzt tatsächlich eine Studie.

Die Gefühle im Bezug auf das Coronavirus und die Pandemiesituation könnten unterschiedlicher nicht sein. Da gibt es die, die die Lage ernst nehmen und alles tun, um ihre Lieben und auch sich selbst zu schützen, aber auch die, die alles für übertrieben halten. Dann sind da noch welche, die die Existenz des Virus komplett leugnen, oder auch die, die gar nichts mitbekommen. Andere wiederum setzen aus Angst keinen Fuß mehr vor die Tür.

Wie viele Menschen welcher Gruppe angehören, ist schwer zu sagen, auch weil der Blick in die Kommentarspalten der Sozialen Medien den Blick verzerrt. Doch zumindest kristallisiert sich bei genauem Hinschauen heraus: Die meisten verstehen die Situation. Und es sind, zumindest laut einer neuen Studie, insbesondere Frauen, die das Coronavirus ernst nehmen. Und nicht nur das: Frauen erkranken auch seltener.

Frauen nehmen das Coronavirus ernster: Das zeigt sich seit Monaten

Die Erkenntnis zeigte sich schon in den vergangenen Monaten in diversen Bildchen, die in den Sozialen Medien geteilt wurden: Demnach seien die Länder, die von Frauen regiert werden, bis dato besser durch die Pandemie gekommen als viele andere, an deren Spitze ein Mann steht. Während Staatsoberhäupter wie Donald Trump in den USA oder Jair Bolsonaro in Brasilien darauf setzen, die Gefahr der Pandemie herunterzuspielen und regelmäßig ein baldiges Ende versprechen, schlagen etwa Jacinda Ardern in Neuseeland, aber auch Angela Merkel bei uns in Deutschland härtere Wege ein und setzen auf Vorsicht, Einschränkungen und Aufklärung der Bevölkerung mit wissenschaftlichem Bezug. Waghalsige Maskulinität vs. weibliche Vorsicht also? Könnte man meinen – war bisher aber nur eine Beobachtung.

Doch Beobachtungen sind dazu da, sie genauer zu untersuchen. Und das haben Forscherinnen und Forscher nun gemacht und ihre Erkenntnisse vorgestellt. Und die untermalen die Beobachtung: Frauen reagieren anders auf die Pandemiesituation als Männer.

Forscher bestätigen die Beobachtungen

Über 21.000 Menschen aus insgesamt acht Industrieländern hat ein internationales Forscherteam um den Sozialwissenschaftler Vincenzo Galasso aus Mailand bereits Ende März zu ihren Einstellungen zur Situation befragt. Auch Deutschland gehörte zu den untersuchten Ländern. Ihre Ergebnisse stellten sie nun im Fachjournal PNAS vor.

Die Ergebnisse zeigen sich recht eindeutig: Frauen nahmen Covid-19 häufiger als ernstes Gesundheitsproblem wahr: 59 Prozent der befragten Damen gaben an, die Erkrankung ernstzunehmen. Dagegen standen 49 Prozent der Männer.

Zudem stimmten 88 Prozent der Frauen zu, dass die Maßnahmen zur Pandemieeindämmung sinnvoll seien und sie ihnen Folge leisten, während dies auf 83 Prozent der Männer zutraf.

Damit die Ergebnisse der Befragungen aber überhaupt vergleichbar sind, haben die Wissenschaftler sozioökonomische Faktoren wie Verdienst, Job (Frauen arbeiten öfter in Jobs im Gesundheitswesen oder in solchen, die von der Pandemie bedroht sind) oder Krankheitsanfälligkeit sowie politische Einstellungen oder allgemeines Vertrauen in die Wissenschaft herausgerechnet.

Die Unterschiede blieben außerdem bestehen, wenn die Befragten die Auswirkungen des Virus bereits am eigenen Leib oder im Bekanntenkreis erlebt hatten. Mit dem Alter wuchs die Lücke zwischen den Geschlechtern zudem noch weiter.

Warum erkranken Männer häufiger schwer an Covid-19?

Bereits früher wurde in medizinischen Studien festgestellt, dass Männer weltweit öfter einen schwereren Verlauf von Covid-19 erleiden – obwohl Frauen älter werden. Ob das aber mit einer höheren Unvorsicht gegenüber dem Coronavirus zusammenhängt, bleibt ungeklärt. Vielmehr werden Faktoren diskutiert wie hormonelle Einflüsse auf den Körper sowie das Immunsystem im Genauen, aber auch Verhaltensweisen. Etwa befassen sich Männer insgesamt seltener mit ihrer Gesundheit, rauchen öfter oder verhalten sich ganz allgemein öfter unvorsichtiger.

Hier lässt sich erneut das Beispiel Donald Trump heranziehen: Er selbst war erkrankt an Covid-19, zwischenzeitlich gab es nur ungenaue öffentliche Angaben zu seinem Gesundheitszustand. Während seine Ärzte durchklingen ließen, er habe zwischenzeitlich Sauerstoff gebraucht, riss er sich nur kurz nach Bekanntwerden seiner Infektion öffentlich wirksam die Maske vom Gesicht und erklärte, er habe sich lange nicht mehr so gesund gefühlt. Währenddessen berichtete seine Frau Melania Trump zwar von weniger Symptomen, ging aber viel genauer auf sie ein – und gab nun zu, noch immer an anhaltendem Husten zu leiden, ließ dazu sogar einen Wahlkampfauftritt sausen.

Die Forderung der Forschenden um Galasso lautet nun: Man solle intensiver mit Männern kommunizieren, um auch sie gezielter vor Infektionen mit dem Coronavirus zu schützen. Ob das hilft, bleibt abzuwarten...

Was bleibt abschließend zu sagen? Auch, wenn Frauen vielleicht oft vorsichtiger sind – macht sie das nicht am Ende doch stärker?

Galasso et al. (PNAS, 2020): "Gender differences in COVID-19 attitudes and behavior: Panel evidence from eight countries"

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