Aktualisiert: 20.10.2020 - 21:04

Forscher nennt Zahl Viruslast: So viele eingeatmete Viren machen uns krank

Wer Coronaviren einatmet, infiziert sich. Doch wie viele Viren braucht es, damit jemand an Covid-19 erkrankt? Ein Wiener Forscher nennt nun eine konkrete Zahl.

Foto: iStock.com/Grafissimo

Wer Coronaviren einatmet, infiziert sich. Doch wie viele Viren braucht es, damit jemand an Covid-19 erkrankt? Ein Wiener Forscher nennt nun eine konkrete Zahl.

Dass es auf die Zahl der Viren ankommt, die sogenannte Viruslast, ob und wie schwer man letztendlich an Covid-19 erkrankt, vermuten Forscher schon lange. Jetzt nennt ein Wissenschaftler aus Wien eine konkrete Zahl.

Wer Viren abbekommt, wird krank – wann genau, also bei wie vielen Viren, das kommt ganz auf das jeweilige Virus an. Beim die Immunkrankheit AIDS auslösenden HI-Virus reicht ein einziges, beim Grippevirus sind es ein paar mehr. Und jetzt hat ein österreichischer Forscher herausgefunden, wie viele Coronaviren es braucht, damit Covid-19 ausbricht: nämlich 500.

500 Viren nötig, damit Covid-19 ausbricht?

Im Falle des Coronavirus Sars-CoV-2 ist es vor allem die Tröpfcheninfektion als Übertragungsweg, nebst Schmierinfektion, die ebenfalls möglich ist. Klar ist: Viren müssen irgendwie in den Körper gelangen, um dort Schaden anrichten zu können. Das Coronavirus dringt vor allem über die Nase, aber auch über den Rachen ein, kann theoretisch auch über die Augen eindringen. Doch es kommt auch auf die Zahl der Viren an, die benötigt werden, um letztendlich Symptome auszulösen.

Im Falle von Sars-CoV-2 sind es offenbar 500 Viren – das haben Andreas Bergthaler und seine Kolleginnen und Kollegen vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) in Wien herausgefunden. Ihre Fragestellung: Wie hoch muss die Viruslast sein, damit die Krankheit Covid-19 ausbricht?

Bergthaler ist Virologe und forscht in seinem Team schon länger rund um molekulare Mechaniken von Infektionskrankheiten. In der Forschung zum Coronavirus haben er und sein Team das Erbgut der Viren bei Überträgern sowie bei den von diesen angesteckten Personen genauer untersucht – ermittelt durch die Nachverfolgung der Kontaktpersonen, heißt es beim Portal oe24.at.

  • Die erste Erkenntnis: Viele Coronavirus-Varianten vom Überträger waren beim Infizierten zu finden.
  • Die zweite Erkenntnis: Im Schnitt handelte es sich um rund 500 Viren, die pro Infektion übertragen wurden.

Im Vergleich hohe Virenzahl notwendig

In einem Online-Vortrag des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) schlussfolgert Bergthaler, dass im Vergleich zu anderen Viruserkrankungen schon recht viele Viren notwendig sind, um eine Erkrankung auszulösen: "Bei HIV geht man davon aus, dass ein einzelnes Virus reicht, um eine Neuinfektion zu starten", erklärte Bergthaler im Vortrag laut oe24.at. Auch mit der Virusgrippe vergleicht er – hier kursieren aber unterschiedliche Zahlen: Die einen Forscher gehen von 100 Viren aus, andere behaupten, es seien lediglich zehn Viren notwendig, um eine Grippe auszulösen.

Es könne den Studienergebnissen zufolge also "reine Zahlengeschichte" sein, ob und wie stark jemand an Covid-19 erkrankt. Daher geht der Wiener Forscher davon aus, dass es zu einem leichteren Krankheitsverlauf kommen könne, wenn man nur wenigen Viren ausgesetzt ist, oder gar nicht krank würde. Je mehr Viren, desto stärker die Erkrankung.

Jedoch fließt hier noch nicht die individuelle Vorgeschichte des Patienten mit ein. Bergthalers Vermutungen beziehen sich wohl auf sonst gesunde Menschen. Doch auch Alter und Vorerkrankungen spielen eine Rolle für den Verlauf von Covid-19. Auch dies muss in der weiteren Forschung beachtet werden.

Da stellt sich doch die Frage: Kann ich Coronaviren nicht einfach ausspülen? So einfach ist das nicht. In bestimmten Fällen können Mundspülungen aber wirklich helfen:

Coronavirus: Schützen Mundspülungen?
Coronavirus: Schützen Mundspülungen?

Mit Abstand und Masken ausgestoßene Viruslast senken

Dennoch rät Bergthaler zu Maßnahmen wie dem Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen sowie Abstandhalten. So komme man mit weit weniger Viren in Kontakt, was einerseits das eigene Erkrankungsrisiko senken, aber auch die Ausbreitung der Pandemie abschwächen könne. Denn klar ist: Einmal im Körper, beginnt das Virus, sich zu replizieren, also zu vermehren. Hier kommt es dann eben darauf an, wie hoch die Viruslast zu Beginn war und wie gut sich der Körper zur Wehr setzen kann. Je weniger Viren er bekämpfen muss, desto besser. Möglich könnte auch eine Art Immunität durch Variolisierung sein, wie Forschende kürzlich herausgefunden haben.

Repliziert sich das Virus aber im Körper, kann ein Infizierter – auch schon vor Auftreten der Symptome – ansteckend sein. Je weniger Viren wir also "raus lassen" und je weiter wir von anderen Menschen entfernt sind, desto weniger Viren können auch bei unseren Mitmenschen, denen wir begegnen, ankommen. Also: Solidarisch sein, Abstand halten, Maske auf! Denn eine Herdenimmunität durch unkontrolliertes Ausbreiten klappt laut Virologen nicht – und ist zudem hoch unethisch. Sowohl beim Coronavirus als auch bei anderen Infektionskrankheiten. Zumal auch jüngere Menschen erkranken können und wir noch nicht viel über Corona-Spätfolgen wissen, aber feststellen, dass es sie durchaus gibt und sie unter Umständen sehr komplex sind, wie etwa einst an Covid-19 Erkrankte berichten.

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