Aktualisiert: 19.10.2020 - 19:09

Mögliche Eintrittspforte Coronavirus: Infektion über die Augen – müssen wir jetzt Schutzbrille tragen?

Die Augen können eine Eintrittspforte für das Coronavirus Sars-CoV-2 sein – die aber wohl in den meisten Fällen irrelevant ist, sofern wir eines nicht machen: Uns mit ungewaschenen Fingern an die Augen fassen.

Foto: iStock.com/izzetugutmen

Die Augen können eine Eintrittspforte für das Coronavirus Sars-CoV-2 sein – die aber wohl in den meisten Fällen irrelevant ist, sofern wir eines nicht machen: Uns mit ungewaschenen Fingern an die Augen fassen.

Schon länger stellt sich die Frage, ob das Coronavirus Sars-CoV-2 nicht auch über die Augen in den Körper eindringen und eine Infektion verursachen kann. Jetzt gibt es gleich zwei Antworten darauf.

Das Coronavirus wird hauptsächlich via Tröpfcheninfektion bzw. wohl auch über Aerosole übertragen. Die Schmierinfektion spielt ebenfalls eine Rolle, wenn auch wohl eine untergeordnete. Und die Haupteintrittspforten sind Nase und Rachen – doch Schleimhäute per se sind anfällig für Kontaminationen. Wie ist es also mit den Augen und dem Coronavirus? Kann man sich über die Augen mit Covid-19 anstecken? Forscher haben sich dies jetzt genauer angesehen – und geben eine Empfehlung zum Schutz ab.

Covid-19 über die Augen? Infektion "unwahrscheinlich" – aber möglich

Wie kann sich jeder von uns am besten vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 und entsprechend vor einer potentiell schweren Covid-19 Erkrankung schützen? Abstand halten und Mund-Nasen-Maske sowie gute Hand-Hygiene und regelmäßiges Lüften in geschlossenen Räumen sind dabei das A und O. Masken halten schon einen Teil der ausgestoßenen Tröpfchen ab – wenn also jeder Maske trägt, wenn er mit anderen Menschen zusammenkommt, ist viel getan. Der Abstand ist dennoch einzuhalten, da auch eine Maske Aerosole nicht aufhält. Dazu kommen Hände waschen und möglichst nicht ins Gesicht fassen.

Aber wo kann das Virus überhaupt rein? Neben Nase und Rachen werden oft die Augen als mögliche Eintrittspforte genannt. Denn schließlich befinden sich auch dort Schleimhäute, theoretisch kann Sars-CoV-2 also auch dort angreifen, etwa wenn es beim Sprechen mit jemandem mit feuchter Aussprache dort landet oder wenn man sich mit kontaminierten Fingern in die Augen fasst.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nennt die Augen als potentielle Eintrittspforte: "Erreger können auch über eine Schmierinfektion über Hände und Gegenstände weiterverbreitet werden und an die Bindehaut der Augen sowie die Schleimhäute von Mund und Nase gelangen, wenn man sich beispielsweise mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fasst", heißt es auf der Seite infektionsschutz.de dazu.

Augenärzte haben sich dies jetzt genauer angesehen: Prof. Clemens Lange vom Universitätsklinikum Freiburg fasst die Studienlage zusammen: "Ich deute die aktuelle Studienlage so, dass die Bindehaut im Vergleich zu anderen Geweben wie der Lunge eine wenig relevante Eintrittsstelle und ein wenig relevanter Replikationsort für Sars-CoV-2 darstellt," zitiert ihn die Ärztezeitung.

Infektion über die Augen: Wenige Fälle mit Bindehautentzündung während Covid-19

Kürzlich fand die virtuelle Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, Eine Fachgesellschaft für Augenheilkunde, statt, auf der auch Prof. Lange gesprochen hatte. Dort hatte er auf Studien mit über 2.000 Covid-19-Patientinnen und -Patienten hingewiesen. Nur drei Prozent dieser hatten Anzeichen einer Bindehautentzündung aufgewiesen. Dass die Bindehautentzündung auch im Zusammenhang mit Covid-19 auftreten kann, war bereits im Frühjahr aufgefallen – etwa bei Beobachtungen in Italien im April. Die geringe Zahl an Fällen in den Studien weise laut Lange darauf hin, dass Coronaviren eher andere Eintrittspforten in den Körper nutzen würden. Im Auge scheinen sie sich nicht unbedingt ausreichend vermehren zu können oder nicht in ausreichender Menge eintreten zu können: "Aufgrund des schützenden Lidschlages und der kleinen Augenoberfläche dürfte ein rein okulärer Infektionsweg eine untergeordnete Rolle spielen", so Lange.

  • Rückschau: Damals im April bestand übrigens die Befürchtung, dass die Tränen von Covid-19-Patienten ansteckend sein könnten, und auch schien sich das Virus im Augensekret einer Patientin vervielfacht zu haben. In der Zwischenzeit wurden bei einigen Patientinnen und Patienten auch bestimmte Antikörper in der Tränenflüssigkeit gefunden. Bei den Patienten mit Bindehautentzündung handelt es sich um relativ wenige Fälle – wer also Covid-19-Verdacht hat und unter Bindehautentzündung leidet, sollte einmal mehr auf Hygiene achten und sich, seine Mitmenschen zu schützen, regelmäßig die Hände waschen und genutzte Taschentücher und andere Gegenstände, die die Augen berührt haben, entsorgen oder gründlich waschen.
  • Ebenfalls war chinesischen Forschern aufgefallen, dass unter knapp 300 untersuchten Infizierten erstaunlich wenige Brillenträger gewesen waren, weshalb sie von einem Schutz durch Augengläser ausgingen. Die Zahl der Untersuchten ist jedoch wenig repräsentativ, weshalb auch andere Faktoren zugrunde liegen könnten – etwa, dass sich Brillenträger allgemein weniger ins Auge fassen, da sie die Barriere gewöhnt sind.

Unklar sei allerdings, inwiefern eine Infektion durch Augenreiben mit kontaminierten Händen möglich sei – möglicherweise haben sich die verhältnismäßig wenigen Patienten mit viraler Bindehautentzündung auch so angesteckt oder zumindest so "mitkontaminiert".

Hygiene bei Bindehautentzündung
Hygiene bei Bindehautentzündung

Vorsorglicher Schutz kann dennoch helfen

Eine Infektion über die Augenoberfläche ist also nach aktuellem Kenntnisstand unwahrscheinlich – dennoch aber möglich, weshalb ein gewisser Schutz notwendig bleibt. Mit guter Handhygiene (mindestens 20 Sekunden lang die Hände richtig einzuseifen) kann man eventuelle Viren an den Händen deaktivieren – und dem Vorsatz, sich nicht allzu häufig ins Gesicht zu fassen, sowie auch mit Abstand halten tun wir uns selbst und mit Masken auch anderen einen Gefallen im Infektionsschutz. Das Tragen einer Brille kann sicherlich helfen, aber wenn jeder auf Abstand und korrekten Mund-Nasen-Schutz achtet, dürften auch Nicht-Brillenträger keinen Nachteil haben. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte sich sowieso vor dem Einsetzen und dem Herausnehmen gründlich die Hände waschen.

Bei engem Kontakt mit Covid-19-Patienten, wie ihn etwa medizinisches Personal haben kann, aber durchaus auch im eigenen Haushalt bei der Pflege einer erkrankten Person, empfiehlt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft aber das Tragen einer die Augen umschließenden Schutzbrille. Denn: Nach wie vor seien nicht alle Fragen rund um die Coronavirus-Ansteckungsgefahren wissenschaftlich geklärt, heißt es seitens der Gesellschaft. Ebenso fehle aber auch ein Nachweis, dass das Tragen einer Augenschutzbrille in der Öffentlichkeit vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen könne. Es ist also – wie immer – noch Forschungsluft nach oben.

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