Aktualisiert: 13.10.2020 - 17:03

Neue Forschungserkenntnisse Trotz Corona-Mutation: Darum werden Impfstoffe trotzdem wirken

Das Coronavirus ist mutiert, die Mutation hat sich weltweit durchgesetzt. Die meisten Impfstoffe basieren aber auf der alten Version. Das ändert aber nichts an deren Schutz, haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden.

Foto: iStock.com/kovop58

Das Coronavirus ist mutiert, die Mutation hat sich weltweit durchgesetzt. Die meisten Impfstoffe basieren aber auf der alten Version. Das ändert aber nichts an deren Schutz, haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden.

Mittlerweile hat sich eine Mutation des Coronavirus Sars-CoV-2 durchgesetzt, die Impfstoffentwickung begann aber bereits mit einer anderen Form. Einfluss auf die Wirkung der Impfstoffe wird das nach neuesten Erkenntnissen aber nicht haben.

Es war zunächst eine Horrormeldung, als Wissenschaftler kundtaten, dass das Coronavirus Sars-CoV-2 mutiert – und sich mittlerweile eine Mutation mit dem nicht gerade klangvollen Namen "G614" durchgesetzt hat. Und dann betrifft die Mutation auch noch das Spike-Protein des Virus, das ihm hilft, in Zellen einzudringen. Was das jetzt für die Impfstoffentwicklung bedeutet, die ja schon früher angesetzt hat? Nicht viel, wie Forscher jetzt Entwarnung geben: Die derzeit in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe schützen auch gegen die Coronavirus-Mutation G614.

Coronavirus: Darum werden die Impfstoffe trotz Mutation wirken

Der Grund ist eigentlich ganz einfach: Die Mutation betrifft einen Teil des Virus, der für Antikörper ohnehin kaum zugänglich ist. Das ist die Kernaussage einer Studie von Wissenschaftlern rund um Alexander McAuley vom Australian Centre for Disease Preparedness, die jetzt im Fachjournal "Nature" erschienen ist. Was genau bedeutet das?

Mittlerweile tragen rund 80 Prozent aller mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen die Version G614 in sich – weltweit. Bei der Mutation hat sich im Spike-Protein des Virus, mit dem es an Zellen andocken kann, eine Aminosäure ausgetauscht. Die in der Entwicklung befindlichen Impfstoffe sind allerdings an die "Schablone" der vorherigen Version angepasst. Das hat zuletzt Fragen aufgeworfen, erklärt McAuley, über die "Effizienz dieser Vakzine und Gegenmittel".

Hilfe, eine Mutation! Spike-Protein betroffen

Ein Impfstoff ist dazu da, den Körper dazu zu bringen, selbst Antikörper gegen einen Erreger zu erschaffen. Und diese sollten natürlich genau passen. Antikörper, die am Spike-Protein ansetzen, gelten in Sachen Coronavirus als besonders effektiv. Denn schalten sie dieses Protein aus, kann das Virus nicht in Zellen eindringen und diese so auch nicht zur Reproduktion nutzen. Theoretisch kann eine Mutation dieses Spike-Protein aber so verändern, dass die durch den Impfstoff generierten Antikörper nicht mehr genau passen und damit ihre Wirksamkeit verlieren. So viel zur Befürchtung.

Mutation liegt an versteckter Stelle

In Experimenten und im Modell konnten McAuley und seine Kolleginnen und Kollegen jetzt aber zeigen: Unabhängig von der Virenvariante können Antikörper eines auf das "alte" Virus angepassten Vakzins auch die "neue" Virenmutation erfolgreich neutralisieren. Dazu hatten sie erst Frettchen mit einem Impfstoffkandidaten geimpft, dem DNA-basierten Impfstoff "INO-4800". Im Anschluss hatten sie den Tieren Blut mit den entwickelten Antikörpern entnommen und mit drei verschiedenen Virenproben vermischt. Davon zwei mit dem alten Stamm "D614" und eine mit dem neuen und nun dominierenden Stamm "G614".

"Die Neutralisationstiter für die G614-Variante unterschieden sich nicht signifikant von denen für die Isolate mit den D614-Varianten“, heißt es seitens der Forscher. Den Grund zeigt ein von den Forschern erstelltes Modell, das zeigt, wo genau die mutierte Aminosäure im Spike-Protein liegt und wie sie deren Struktur verändert: Sie liegt sehr versteckt in einer tiefen Furche, zudem halb verdeckt: "Angesichts dieser inneren Lage ist es unwahrscheinlich, dass diese Stelle Teil der Epitope von neutralisierenden Antikörpern ist", schreiben die Wissenschaftler. "Es ist daher nicht zu erwarten, dass dies die Antikörper-Reaktion nach einer Impfung mit D614-basierten Vakzinen schwächt." Nun müsste allerdings noch überprüft werden, ob die T-Zell-Antwort der Impfstoffe ebenfalls für die mutierte Variante greift.

Erkenntnisse machen Mut: Auch bei Mutationen helfen Impfungen

Fazit ist also: Auch wenn fast alle der derzeit in der Entwicklung befindlichen und auch vielversprechenden Impfstoffe an die "alte" Virusform angepasst sind, wirken sie auch gegen die mittlerweile dominierende Version G614. Und auch, wenn das Coronavirus Sars-CoV-2 stetig weiter mutiert: Die Mutationen sind bisher kaum gravierend und betreffen nicht die Teile, die das Virus gegen die Impfstoffe abhärten könnten.

Und selbst wenn eine zukünftige Mutation das Virus stärker verändert: Sobald wirksame Impfstoffe da sind, können diese viel leichter an Mutationen angepasst werden. So passiert es etwa auch mit dem Grippeimpfstoff, der jedes Jahr neu angepasst werden muss. Salopp gesagt bleibt die "Grundform" aber erhalten, so dass der Aufwand weitaus geringer ist als bei der gänzlichen Neuentwicklung eines Impfstoffes.

Das würde zwar bedeuten, dass immer mal nachgeimpft werden müsste, wie häufig, lässt sich allerdings noch nicht sagen. Und auch, wenn es mutiert, so kann ein Impfschutz auf eine veraltete Variante möglicherweise dennoch dem Körper helfen, sich besser gegen die neue Variante zu wehren. Dann würde die Erkrankung möglicherweise zumindest nicht schwer verlaufen.

Bis Impfstoffe zur Verfügung stehen, gibt es aber Hürdenund es wird noch ein bisschen Zeit vergehen – und es werden nicht schlagartig alle Menschen geimpft werden können. Und die Impfung wird auch nicht alleiniger Ausweg aus der Krise sein. Allein aus dem Grund kann es übrigens gar keinen Impfzwang geben. Erstmal heißt es jetzt im Kampf gegen das Coronavirus jedenfalls weiterhin: Abstand halten, Maske auf, Hygieneregeln einhalten.

Übrigens kursieren derzeit so einige Mythen rund um das Coronavirus. Die fünf größten haben wir für Sie im Video entlarvt:

Corona Mythen: Diese 5 Gerüchte sind bereits entlarvt
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McAuley et al. (Nature, 2020): "Experimental and in silico evidence suggests vaccines are unlikely to be affected by D614G mutation in SARS-CoV-2 spike protein"

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