Aktualisiert: 28.09.2020 - 20:45

Studie zum Coronavirus Covid-19 ohne Symptome: Diese Rolle spielen asymptomatische Überträger

Wer steckt eigentlich wen an? Und wie viele Menschen zeigen wirklich gar keine Symptome von Covid-19? Forscher können ihre Erkenntnisse immer mehr eingrenzen.

Foto: iStock.com/Orbon Alija

Wer steckt eigentlich wen an? Und wie viele Menschen zeigen wirklich gar keine Symptome von Covid-19? Forscher können ihre Erkenntnisse immer mehr eingrenzen.

Ein Großteil aller mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 Infizierten zeigt keine oder nur schwache Symptome. Kommen diese Menschen trotzdem als Überträger in frage? In einer neuen Studie wird deren Rolle im weltweiten Infektionsgeschehen nun neu eingeschätzt.

Wie viele Menschen tragen das Coronavirus Sars-CoV-2 eigentlich ihn sich, ganz ohne es zu merken – oder spüren erst spät (leichte) Symptome? Und wie viele andere können diese Menschen anstecken, ohne es selbst zu merken? Darüber zerbrechen sich Wissenschaftler im Grunde seit Beginn der Corona-Pandemie den Kopf. Jetzt bringen die Ergebnisse einer Studie etwas Licht ins Dunkel und zeigen, welche Rolle asymptomatische sowie präsymptomatische Infizierte beim Übertragen des Coronavirus spielen.

Viele unbemerkte Infektionen? A- und präsymptomatische Infizierte im Blick

2002 und 2003 machte ein gefährliches Coronavirus in China die Runde. Der Erreger, getauft auf den Namen Sars, hatte aber eine Schwäche: Er löste schnell schwere Symptome bei Infizierten aus, die damit recht schnell in Isolation oder gar im Krankenhaus landeten. Die damalige Epidemie konnte dadurch die Landesgrenzen damals nicht schwerwiegend überschreiten und nach wenigen Monaten gestoppt werden.

Sein "Nachfolger", das Coronavirus Sars-CoV-2, macht es uns da schwerer: Symptome treten oft erst nach vielen Tagen auf, Infizierte können aber schon vorher ansteckend sein. Zudem verläuft die Infektion zwar bei manchen schwer – noch dazu mit Angriff auf zahlreiche Teile des Körpers –, bei sehr vielen aber auch sehr leicht. Und so manch einer merkt augenscheinlich nicht einmal etwas davon. Forscher weisen aber schon seit Monaten darauf hin, dass auch diese asymptomatischen oder insbesondere präsymptomatischen Infizierten andere anstecken können – möglicherweise auch sehr viele, wenn sie etwa unvorsichtig durchs Leben gehen und Kontakt zu vielen anderen Menschen haben.

Wie viele Menschen genau das Virus auf diese Art unbemerkt weitergeben können, lässt sich allerdings nur schwer ermitteln – dazu müsste man Menschen gezielt infizieren, was ethisch sicher nicht zu vertreten ist. Forscher beziehen sich daher auf die Ergebnisse sogenannter Kohortenstudien. Dabei wird eine große Gruppe von Menschen (Kohorte), die in unterschiedlicher Weise dem Virus ausgesetzt war, aber nicht erkrankt ist (oder keine Symptome aufwies), eine Zeitlang beobachtet.

Schweizer Forscher: Ein Viertel bis ein Drittel der Infizierten zeigen keine Symptome

Solche Studien haben sich jetzt Nicola Low und ihre Kolleg*innen vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern genauer angesehen und die Ergebnisse zusammengefasst. Insgesamt 79 Studien mit Daten zu knapp über 6.000 mit Sars-CoV-2 infizierten Personen standen ihnen dazu zur Verfügung. Knapp 1.300 dieser Personen waren als asymptomatisch eingestuft worden – das entspricht einem Anteil von 20 Prozent. Gleichzeitig versuchen die Forscher, weitere Studienergebnisse mithilfe eines Vorhersagemodells statistisch einzubeziehen.

Sieben untersuchte Studien beinhalten Infektionen, die durch ein Bevölkerungsscreening erfasst worden sind. Diese Studien zeigen einen Anteil asymptomatischer Infektionen von rund 31 Prozent.

Die Forscher rund um Low gehen daher nach bisherigem Kenntnisstand davon aus, dass zwischen einem Viertel und einem Drittel aller Infektionen ohne Symptome verlaufen.

Weniger asymptomatische Fälle als angenommen?

Das ist weniger, als Forscher in manch bisherigen Studien angenommen hatten. Seitens Robert-Koch-Institut (RKI) heißt es zwar, dass diese Ansteckungen "vermutlich jedoch eine untergeordnete Rolle" spielen. Japanische Forscher aber hatten sich sogenannte Cluster angesehen, in denen sich viele Menschen gleichzeitig angesteckt hatten, und waren zu dem Ergebnis gekommen, dass Hauptverbreiter der Viren Frauen unter 30 ohne Symptome waren. Allerdings hatten sich die Wissenschaftler nur auf solche Cluster bezogen und etwa Haushalts-Ansteckungen vernachlässigt. Zudem konnte nur in 22 Fällen die auslösende Hauptperson ausfindig gemacht werden. Zudem waren diese Superspreader vor allem in Bereichen wie Clubs, Bars und Fitnessstudios unterwegs gewesen – also Bereichen, in denen ohne Maske schwer geatmet oder viel gesungen wird – und in denen vor allem jüngere Menschen verkehren.

Forscher des Imperial College in London sowie der Universität in Padua hatten sich wiederum den italienischen Ort Vò angesehen. Der Ort mit seinen 3.200 Einwohnern war im Februar komplett unter Quarantäne gesetzt worden, die Forscher hatten fast alle Einwohner getestet. 40 Prozent der Infizierten hätten dabei keine Symptome gezeigt, nur weniger hätten in den Tagen danach welche entwickelt, schrieben die Wissenschaftler damals im Fachmagazin "Nature".

Andere Studien wiederum waren zu dem Schluss gekommen, dass sogar fast die Hälfte aller Covid-19-Infizierten ohne Symptome bleibt.

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Die meisten entwickeln später noch Symptome

Die Schweizer Forscher wollen ihre Studie nun wie erwähnt fortsetzen. Bisher schätzen sie den Anteil derjenigen asymptomatischen Fälle, die später doch noch Symptome entwickeln, auf etwa 80 Prozent ein. Klar ist mittlerweile: Menschen in präsymptomatischer Phase, also kurz vor Ausbruch von Covid-19, sind zwei oder auch mehr Tage vor Auftreten erster Symptome bereits infektiös. Die Schweizer Forscher sagen daher: Rein asymptomatische Fälle sind seltener als gedacht, spielen aber durchaus eine Rolle. Dafür trage die präsymptomatische Übertragung erheblich, zum Ausbreiten der Pandemie bei.

"Systematische Übersichtsarbeiten, die genaue Definitionen wirklich asymptomatischer Infektionen anwenden, sind unerlässlich. Unsere Studie legt nahe, dass die meisten Sars-CoV-2-Infektionen während des gesamten Infektionsverlaufs nicht asymptomatisch verlaufen", erklärt Mitautorin der Studie Nicola Low.

Demnach gilt weiterhin die Empfehlung des RKI zum Coronavirus: "Das Abstandhalten zu anderen Personen, das Einhalten von Hygieneregeln und das Tragen von (Alltags-)Masken (AHA-Regel) sind Maßnahmen, die insbesondere auch die Übertragung von (noch) nicht erkannten Infektionen verhindern." Denn selbst wenn tatsächlich weniger Menschen gänzlich asymptomatisch infiziert sind, so sind doch zumindest auch die infektiös, die NOCH nichts von ihrer Infektion bemerken. Für uns gilt jedenfalls: Egal, wie viele letztendlich ohne Symptome bleiben, es gibt immer noch die, die sehr unter der Infektion leiden oder sogar an den Folgen versterben. Und die gilt es zu schützen – das ist unser aller Pflicht und sollte eigentlich selbstverständlich sein.

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Studien/Quellen:

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