Aktualisiert: 23.09.2020 - 09:32

Stille Entzündung "Rheuma ist kein Diclofenac-Mangel"

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Krankheiten nicht nur symptomatisch behandeln, sondern im Ganzen sehen und den kausalen Zusammenhang beachten: So lassen sich auch stille Entzündungen ausmerzen, sagt Dr. Schmiedel im Interview. Gespräche mit dem Arzt helfen da.

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Krankheiten nicht nur symptomatisch behandeln, sondern im Ganzen sehen und den kausalen Zusammenhang beachten: So lassen sich auch stille Entzündungen ausmerzen, sagt Dr. Schmiedel im Interview. Gespräche mit dem Arzt helfen da.

Dr. med. Volker Schmiedel leitete als Chefarzt fast 20 Jahre die Innere Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel. Heute arbeitet er im ganzheitlichen Ambulatorium Paramed in der Schweiz. Wir haben den Naturheilkundler um eine Einschätzung zum Thema stille Entzündungen gebeten.

Stille Entzündungen, die oft unter dem Radar laufen und bei regulären Untersuchungen kaum auffallen, könnten der Grund für zahlreiche Leiden sein, für die einfach keine Ursache gefunden wird. Wir haben Dr. med. Volker Schmiedel, ehemaliger Chefarzt der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel und mittlerweile in der ganzheitlichen Ambulanz tätig, befragt. Das sagt er zum Thema "stille Entzündung".

Dr. Volker Schmiedel zu stillen Entzündungen

SuperYou: Wie diagnostizieren Sie bei Ihren Patienten eine "stille Entzündung"?

Dr. Volker Schmiedel: Bei einer Routineblutuntersuchung wird oftmals der Entzündungsmarker CRP mitbestimmt. Bei über fünf Milligramm pro Liter liegt eine richtige Entzündung vor. Optimal ist der Wert jedoch unter eins. Daher bezeichnen wir Werte zwischen eins und fünf Milligramm pro Liter bereits als "stille Entzündung", welche mit einem erhöhten Risiko zum Beispiel für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs einhergeht.

Behandeln Sie auch "austherapierte" Fälle?

Das wären Patienten, die nicht zur Prävention kommen, sondern weil sie von ihren Ärzten quasi aufgegeben wurden, nicht selten mit den Worten: "Autoimmunkrankheiten wie Rheuma, Neurodermitis oder Multiple Sklerose sind unheilbar. Wir können nur medikamentös die Symptome mindern." Nichts ist falscher als das. Grundlage all dieser Erkrankungen ist eine erhöhte Entzündlichkeit durch Übergewicht, Stress, eine entzündungsfördernde Ernährung oder den Mangel an entzündungslindernden Nährstoffen. Wird das alles optimal behandelt, können diese Krankheiten zum Stillstand gebracht oder sogar gebessert werden.

Mehr dazu: Stille Entzündung: Heimlicher Grund für viele Leiden

Krankheiten in kausalem Zusammenhang sehen

Was machen Sie anders als andere Ärzte?

Ich versuche, die Krankheit eben nicht nur symptomatisch zu behandeln, sondern betrachte sie im kausalen Zusammenhang. Rheuma ist für mich kein Diclofenac-Mangel, koronare Herzkrankheiten kein Betablocker-Mangel und eine Depression kein Mangel an Antidepressiva. Es gilt, die Ursachen zu beseitigen. Die optimale Versorgung mit der richtigen Ernährung und den passenden Nahrungsergänzungen ist für mich dabei unabdingbare Voraussetzung.

Als da wären?

Praktisch jeder mit chronischer Entzündung hat einen gravierenden Mangel an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Selen und Zink können im Mangel sein. Ich messe diese wichtigen Nährstoffe, optimiere die Zufuhr – die meisten brauchen dafür etwa zwei Gramm EPA/DHA aus Fisch- oder Algenöl und rund 5000 IE Vitamin D. Ich messe nach drei Monaten nach, um die Feineinstellung vorzunehmen. Bei einem Mangel gebe ich 10–20 Milligramm Zink und/oder 50–200 Mikrogramm Selen und kontrolliere es auch.

Wir haben heute schneller einen Mangel an Omega-3-Fettsäuren

Warum sind Omega­-3­-Fettsäuren so wichtig?

Vor 200 Jahren haben wir höchstens einmal pro Woche Fleisch und mindestens dreimal Fisch gegessen. Und die meisten Menschen waren den ganzen Tag draußen. Dadurch waren wir gut mit Omega 3 und Vitamin D versorgt, und Rheuma, Asthma und ADHS waren sehr selten. Heute führen wir nur 0,1 Gramm EPA/DHA, die wichtigen Omega-3-Fettsäuren, und 100 IE Vitamin D über die Nahrung zu uns. Um den Mangel auszugleichen, ist es am einfachsten, einen Esslöffel eines qualitativ hochwertigen Fischöls oder einen Teelöffel eines Algenöls in die Nahrung einzubauen, sei es in der Suppe, in der Salatsoße oder im Smoothie. Frauen mit guter Omega-3-Versorgung bekommen ein bis zwei Drittel weniger Brustkrebs, Menschen mit koronarer Herzkrankheit und optimaler Omega-3-Versorgung haben ein Viertel weniger erneute Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Todesfälle, Rheumatiker bei optimaler Therapie haben weniger Schmerzen oder können die Medikamente sogar deutlich reduzieren.

Hinweis: Bitte nehmen Sie nicht ohne vorherige ärztliche Rücksprache "einfach drauf los" Nahrungsergänzungsmittel ein. Tauschen Sie sich bitte vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über das Thema gesunde Ernährung aus. Mit einer langfristigen Ernährungsumstellung können Sie individuell auf Sie abgestimmt bereits viel erreichen.

Weitere Infos: paramed.ch, dr-schmiedel.de

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