Aktualisiert: 10.09.2020 - 18:47

Hoffnung in Corona-Zeiten Covid-19 verursacht Langzeitschäden – aber sie können sich zurückbilden

Vor allem anhand von CT-Scans konnten Forscher erkennen: Die Langzeitschäden, die Covid-19 in der Lunge hinterlassen kann, sind schwer, aber anscheinend kann sich das Organ zumindest zum Teil erholen.

Foto: iStock.com/Shidlovski

Vor allem anhand von CT-Scans konnten Forscher erkennen: Die Langzeitschäden, die Covid-19 in der Lunge hinterlassen kann, sind schwer, aber anscheinend kann sich das Organ zumindest zum Teil erholen.

Auch Wochen nach überstandener Infektion mit dem neuartigen Coronavirus klagen Menschen noch über Langzeitschäden wie Brustschmerzen, Müdigkeit oder fehlende Fitness. Doch Herz, Lunge und Co scheinen sich zumindest langsam erholen zu können.

Das neuartige Coronavirus löst glücklicherweise bei den meisten Menschen nur wenige, teils gar keine Symptome aus. Doch es kann auch heftig zuschlagen und Betroffene über Wochen ans Bett fesseln, teilweise sogar auf die Intensivstation bringen. Manche sterben, andere erholen sich. Bei einigen Covid-19-Patienten bleiben die Beschwerden allerdings – sie klagen noch viele Wochen nach der Genese über Probleme mit der Lunge, Herzbeschwerden, bleierne Müdigkeit und schlechte Fitness. Forscher beschäftigen sich daher nach und nach mit den Langzeitfolgen des Coronavirus. Und es gibt Hoffnung: Herz und Lunge scheinen sich von einer Covid-19-Infektion erholen zu können. Auch, wenn es manchmal lange dauern kann.

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Corona-Langzeitschäden: Lunge und Herz können sich erholen

Dass die Lunge ganz gut darin ist, sich selbst zu reinigen, ist Medizinern bekannt. Doch auch sie ist nicht unzerstörbar. Bei den vielen kleinen Schäden, die Sars-CoV-2 überall in der Lunge anrichten kann, gingen Forscher daher erst einmal vom Schlimmsten aus. Und auch zerstörte Herzzellen bereiten Wissenschaftlern Kopfzerbrechen.

Neue Erkenntnisse geben aber Hoffnung. Forscherinnen und Forscher der Universitätsklinik Innsbruck hatten unter der Leitung von Ivan Tancevski 86 Patientinnen und Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 61 Jahren mehrmals untersucht, die sich von der akuten Infektion erholt hatten, aber teils unter Langzeitfolgen litten. Der Großteil der Patienten gehörte zu den sogenannten Risikogruppen, etwa mit Vorerkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder einem hohen Cholesterinspiegel. Zudem rauchten fast die Hälfte.

Ihr gesundheitlicher Zustand nach der Entlassung wurde in Abständen von sechs, zwölf und 24 Wochen überprüft: Dabei untersuchten die Forscherinnen und Forscher vor allem die Lungen- und Herzfunktion etwa mithilfe von CT-Scans, die die Schäden an der Lunge verbildlichten.

Weniger Lungenschäden nach zwölf Wochen

Der Großteil der allesamt medizinisch, also im Krankenhaus, behandelten Patientinnen und Patienten litt auch sechs Wochen nach ihrer Entlassung noch an Symptomen. Bei 88 Prozent konnten die Mediziner nach sechs Wochen in den CT-Scans noch Lungenschäden erkennen.

Anders sah es aber nach zwölf Wochen aus – bei rund der Hälfte hatte sich die Lunge schon wieder so weit erholt, dass via CT keine Schäden mehr zu erkennen waren. Ebenso schien das Herz nach diesen zwölf Wochen langsam zu regenerieren.

Ihre Ergebnisse hatten die Forschenden nun auf dem "European Respiratory Society International Congress" vorgestellt – die Daten der Untersuchungen nach 24 Wochen lagen aber noch nicht vor. Nach den Erkenntnissen nach zwölf Wochen hoffen Tancevski und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auf positive Ergebnisse.

Dr. Sabina Sahanic von der Universität Innsbruck erklärte: "Die schlechte Nachricht ist, dass die Covid-19-Patienten noch Wochen nach der Entlassung eine Lungenschädigung zeigen." Die gute Nachricht sei aber, "dass sich die Schädigung mit der Zeit tendenziell bessert, was darauf hindeutet, dass die Lungen einen Mechanismus haben, sich selbst zu reparieren."

Dennoch: Über fortschreitende Lungenschäden, etwa zunehmende Vernarbungen, lässt sich auch mit dieser Studie noch nichts sagen. Diese Sorge im Zusammenhang mit Covid-19 bleibt also.

Keine vollständige Entwarnung: Auch Sars brachte Langzeitschäden mit

Auch Menschen, die am "Vorgänger" Sars, das auch zu den Coronaviren zählt und Sars-CoV-2 ähnelt, während der damaligen Epidemie 2002/03 in China erkrankt waren, klagten oft noch lange Zeit über nicht verschwinden wollende Einschränkungen. Noch Jahre nach der überstandenen Infektion waren etwa Lungenschäden zu erkennen, manche klagten noch lange später über anhaltende Müdigkeit und fehlende Fitness.

Wie genau es mit Sars-CoV-2 und den Langzeitfolgen einer überstandenen Covid-19-Erkrankung aussehen wird, steht noch in den Sternen. Dazu ist die Zeitspanne noch viel zu gering. Klar ist: Es gibt Covid-19-Patienten, die noch Wochen später elendig müde sind oder Atemprobleme haben. Dass sich Lunge und Herz aber offenbar doch ganz gut erholen können, gibt zumindest Hoffnung.

Dennoch kann es eben auch sein, dass Schäden bleiben. Davon erzählen etwa fünf Covid-19-Patienten, die nun in einer Reha daran arbeiten, wieder auf die Beine zu kommen. BILD der FRAU hatte mit ihnen gesprochen. Es gilt daher weiter, Menschen mit erhöhtem Risiko eines schweren Verlaufes zu schützen, aber auch sich selbst, auch wenn man nicht zu einer Coronavirus-"Risikogruppe" gehört. Denn auch bei offenbar kerngesunden Menschen kann Covid-19 schwer verlaufen. Wir wissen noch so wenig. Versuchen wir also, weiter auf Abstand zu achten. Und ansonsten? Helfen Sie Ihrer Lunge doch mal beim Reinigen! Schaden kann's nicht!

Studie: Mündliche Vorträge, u.a. Sahanic et al. (Innsbruck, 2020): "Persisting pulmonary impairment following severe SARS-CoV-2 infection, preliminary results from the CovILD study"

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