Aktualisiert: 13.09.2020 - 15:30

Experte stellt Therapien vor Heller Hautkrebs: So werden Plattenepithelkarzinome heute behandelt

Gefährdet sind besonders Hautstellen, die oft der Sonne ausgesetzt sind: Das Plattenepithelkarzinom ist eine Form des hellen Hautkrebses. Der beste Schutz: Sonnenschutz!

Foto: iStock.com/apomares

Gefährdet sind besonders Hautstellen, die oft der Sonne ausgesetzt sind: Das Plattenepithelkarzinom ist eine Form des hellen Hautkrebses. Der beste Schutz: Sonnenschutz!

Heller Hautkrebs ist zwar nicht so aggressiv wie sein schwarzes Pendant. Doch auch Plattenepithel- und Basalzellkarzinome können schwerwiegende Folgen haben. Um ersteres geht es in unserem Interview mit einem Hautkrebs-Spezialisten.

Diagnose Hautkrebs: Erst einmal ein Schock, in Fällen von hellem Hautkrebs zum Glück aber gut heilbar. Dennoch ist die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Prof. Dr. Dirk Schadendorf ist Direktor der Klinik für Dermatologie und des Westdeutschen Tumorzentrums (WTZ) der Universitätsmedizin Essen. Er hat uns mehr über hellen Hautkrebs und das Plattenepithelkarzinom erzählt, berichtet von aktuellen Therapiemöglichkeiten und erklärt, wie wir uns am besten schützen.

Plattenepithelkarzinom oder Basalzellkarzinom? Beim hellen Hautkrebs kommt es auf die Ausganszelle an

Was genau ist das Plattenepithelkarzinom und inwiefern unterscheidet es sich vom Basalzellkarzinom, das ja am häufigsten vorkommt?

Prof. Dr. Schadendorf: Sowohl das Plattenepithel- als auch das Basalzellkarzinom gehören zur Gruppe des hellen Hautkrebses. Dieser Hautkrebs tritt insbesondere als Folge langjähriger Sonnenbestrahlung auf. Der allergrößte Teil der Patienten, nämlich über 90 Prozent bei beiden Krebsarten, kann durch Erkennen und operatives Entfernen geheilt werden. Rein optisch können Laien Plattenepithel- und Basalzellkarzinome nicht voneinander unterscheiden. Der Unterschied zwischen beiden Krebsarten liegt in der Zelle, von der sie ausgehen. Grundsätzlich ist das Plattenepithelkarzinom etwas aggressiver als ein Basalzellkarzinom. So führen Plattenepithelkarzinome zwar selten, aber trotzdem häufiger als Basalzellkarzinome zu Streuungen in die Umgebung. Das Streuungsrisiko liegt bei drei bis fünf Prozent. Beim Basaliom – weißer Hautkrebs: Operieren oder wegcremen? ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs streut, nochmal deutlich geringer.

Welche Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms gibt es und wie lassen sich diese erkennen?

Prof. Dr. Schadendorf: Die Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms ist die sogenannte ktinische Keratose aktinische Keratose. Das sind kleine fleckförmige Rötungen mit Schuppenbildung und einer rauen Oberfläche. Wie schon erwähnt, ist das Plattenepithelkarzinom eine typische Krebsart, die durch jahrelange Sonnenexposition entsteht. Das heißt, Plattenepithelkarzinome treten vor allem dort auf, wo viel und häufig Sonne hinkommt: im Gesicht, an den Streckseiten der Unterarme und Hände sowie häufig auch auf dem unbehaarten Kopf des Mannes. Die jahrelange Sonnenbestrahlung führt zu einer flächenhaften Schädigung der Haut. Daraus kann sich über 20, 30 und manchmal auch über 40 Jahre ein Plattenepithelkarzinom entwickeln.

Am besten regelmäßig zum Hautkrebsscreening gehen

Wie wird ein Karzinom dieser Art in der Regel erkannt und anschließend behandelt – worauf müssen sich Patienten einstellen?

Prof. Dr. Schadendorf: In der Regel stellt ein Facharzt die Diagnose. Das kann zum Beispiel im Rahmen des Hautkrebsscreenings erfolgen, das die Krankenkassen alle zwei Jahre übernehmen. Der Facharzt kann meist unterscheiden, ob es sich um eine aktinische Keratose oder ein Plattenepithelkarzinom handelt. Im Zweifelsfall wird eine Hautprobe entnommen und mikroskopisch untersucht. Therapiestandard bei der Behandlung des Plattenepithelkarzinoms ist die chirurgische Entfernung. Das heißt, das Karzinom wird herausgeschnitten. Danach besteht keine Gefahr mehr, dass der Krebs streut. Allerdings ist ein Plattenepithelkarzinom auch ein Indikator dafür, dass die Haut Schäden von der Sonneneinstrahlung davongetragen hat. Wer einmal ein Plattenepithelkarzinom hatte, sollte die betroffene Stelle und auch alle anderen Bereiche, die der Sonnenstrahlung besonders intensiv ausgesetzt waren, regelmäßig kontrollieren lassen.

Wie schnell entwickelt sich ein Plattenepithelkarzinom? Bis zu welchem Punkt sind die Heilungschancen gut?

Prof. Dr. Schadendorf: Letztendlich ist das Plattenepithelkarzinom ein Tumor, der sich sehr langsam entwickelt. Von der Vorstufe bis zum Plattenepithelkarzinom vergehen oftmals Monate, manchmal sogar wenige Jahre. Bei den allermeisten Patienten kann der Tumor herausgeschnitten werden. Die Heilungschancen sind sehr gut. Problematisch wird es allerdings, wenn das Karzinom erst nach Jahren entdeckt wird. Dann besteht die Möglichkeit, dass der Krebs in die Tiefe wächst – das kann in schlimmen Fällen bis in den Knorpel oder in den Knochen sein. Je weiter der Krebs fortschreitet, desto größer ist natürlich auch die Gefahr, dass die Erkrankung in andere Bereiche streut. Das kommt beim Plattenepithelkarzinom allerdings nur sehr selten vor.

Je schneller erkannt, desto besser

Wie weit kann sich ein solches Karzinom ausbreiten und wann wird es zur tödlichen Gefahr?

Prof. Dr. Schadendorf: Je länger ein Plattenepithelkarzinom unentdeckt bleibt, desto weiter kann es sich ausbreiten – etwa in die Tiefe. Wächst ein Plattenepithelkarzinom zum Beispiel in die Nase rein, kann es dort auch Knochen und Knorpel befallen. Insbesondere im Kopf- und Halsbereich können zudem wichtige Nerven- und Gefäßbahnen betroffen sein. In solchen Fällen besteht für den Patienten durchaus Lebensgefahr. Bei einem sehr kleinen Teil der Betroffenen streuen Plattenepithelkarzinome durch den ganzen Körper. Auch das kann zum Tod führen. Allerdings ist in diesen Fällen ein Medikament, der sogenannte PD1-Antikörper vielversprechend. Dabei handelt es sich um eine noch recht neue Therapie, die sich aber bisher als wirksam und gut verträglich erwiesen hat.

Beim Plattenepithelkarzinom besteht je nach Lage und Größe keine Möglichkeit der operativen Entfernung oder Bestrahlung. Welche Folgen hat das?

Prof. Dr. Schadendorf: Die meisten Plattenepithelkarzinome sind operativ gut zu bekämpfen. Hat der Arzt das Gefühl, dass nicht der gesamte Tumor entfernt werden konnte, kann zusätzlich bestrahlt werden. Es gibt aber in der Tat auch Plattenepithelkarzinome, die nicht operativ behandelt werden können. Das kann zum Beispiel vorkommen, wenn der Tumor in einem sensiblen Bereich liegt – etwa an der Nase, den Nasenflügeln oder am Auge. Manche Tumore sind zudem so groß, dass bei einer Entfernung Funktionsverluste oder Entstellung drohen. Auch bei Patienten über 75 Jahren, die häufig noch Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Demenz haben, ist ein chirurgischer Eingriff nicht unbedingt die Therapie der Wahl. In diesen Fällen wird das Plattenepithelkarzinom mit einem PD1-Antikörper, behandelt.

Therapiemöglichkeiten: Operation – oder ein Antikörper

Wie funktioniert dieses Medikament, wo greift es an?

Prof. Dr. Schadendorf: Ganz einfach erklärt, unterstützt der Antikörper das Immunsystem dabei, Tumore zu erkennen und zu vernichten. Plattenepithelkarzinome entstehen durch langjährige Sonneneinstrahlung. Das Sonnenlicht bewirkt, dass im Kern bestimmter Zellen Veränderungen auftreten. Als Folge sterben die betroffenen Zellen entweder ab – dann kommt es zum Sonnenbrand – oder sie überleben, sind dann aber geschädigt. Und genau diese Zellen können zum Ausgangspunkt der Krebserkrankung werden. Die gute Wirksamkeit des PD1-Antikörpers hängt damit zusammen, dass die geschädigten Zellen und Strukturen besonders gut erkannt und eliminiert werden. Wir können davon ausgehen, dass rund die Hälfte der damit behandelten Patienten langfristig von der Therapie profitieren: Die Tumorerkrankung kommt entweder komplett zum Erliegen oder wird über viele Jahre verzögert.

Welche Therapieformen gibt es sonst noch und wie erfolgversprechend sind sie?

Plattenepithelkarzinome werden standardmäßig operativ entfernt. Ergänzend wird auch auf die Bestrahlung zurückgegriffen. Streut der Krebs, kam bis vor wenigen Jahren nur eine Chemotherapie infrage. Aktuell kommt in den meisten Fällen dann der PD1-Antikörper zum Einsatz.

Am besten immer noch: Haut gut schützen!

Wie kann ich mich vor Hautkrebs jeglicher Art am besten schützen?

Das Wichtigste ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der Sonne – sowohl mit der natürlichen Sonnenstrahlung, als auch mit der UV-Strahlung im Solarium. Ich empfehle, Sonnencreme zu nutzen. Auch Kinder sollten unbedingt eingecremt werden. Eine weitere Möglichkeit, sich zu schützen, ist der textile Sonnenschutz. Etwa durch Kleidung mit integriertem UV-Schutz, aber auch durch Sonnenmützen und Hüte.

Wer ist besonders gefährdet und sollte daher immer regelmäßig ein Auge auf seine Haut werfen lassen?

Besonders gefährdet sind bestimmte Berufsgruppen – die sogenannten "Outdoor worker". Dazu gehören unter anderem Gärtner, aber auch Beschäftigte im Straßenbau, in einigen Handwerksberufen und in der Agrarwirtschaft. Hier sind die Berufsgenossenschaften gefragt, aufzuklären und entsprechende Schutzkleidung zur Verfügung zu stellen. Hautkrebs ist für diese Berufsgruppen inzwischen übrigens auch als Berufserkrankung anerkannt. Dies ist auch noch möglich, wenn die Berufstätigkeit bereits vor längerer Zeit beendet wurde.

Ferner sind die hellen Hauttypen ganz besonders gefährdet und sollten unbedingt auf ausreichenden Sonnenschutz achten. Zudem spielt Sonnenschutz – unabhängig vom Hauttyp – vor allem im Urlaub in den südlichen Ländern eine große Rolle.

Kennen Sie die ABCDE-Regel? Wie Sie Hautkrebs-Symptome ganz leicht erkennen, lesen Sie auch bei uns. Mehr Tipps dazu gibt's im Video:

Hautkrebs erkennen mit der ABCDE-Regel
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Weitere hilfreiche Informationen zum Thema Krebs sowie über Hautkrebs im Speziellen lesen Sie auf unserer Themenseite.

Übrigens: Wer viel draußen ist, sollte ein Auge auf den täglichen UV-Index werfen. Was das ist, erfahren Sie beim Bundesamt für Strahlenschutz.

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