Aktualisiert: 09.09.2020 - 19:39

Die Zeit der laufenden Nasen rückt näher Das Coronavirus und die kalten Tage: So schützen wir uns im Herbst

Abstand, oh Abstand: Auch beim Warten auf den Bus oder in anderen öffentlichen Situationen wird er uns weiter begleiten. Wie Sie Corona-sicher über den Herbst kommen, lesen Sie hier.

Foto: iStock.com/Artem Zakharov

Abstand, oh Abstand: Auch beim Warten auf den Bus oder in anderen öffentlichen Situationen wird er uns weiter begleiten. Wie Sie Corona-sicher über den Herbst kommen, lesen Sie hier.

Herbst und Winter sind Erkältungs- und Grippezeit. In diesem Jahr quält uns aber gleichzeitig noch das neuartige Coronavirus mit seiner tückischen Krankheit Covid-19. Wie können wir aber unser Sozialleben aufrecht erhalten, wenn es draußen ungemütlich wird?

Im Sommer ist es einfach: Das soziale Leben läuft vielerorts, als sei derzeit alles normal. Wir treffen uns einfach draußen, essen im Restaurant im Außenbereich, lassen uns den frischen Wind um die Nase wehen. Doch es ist eben nicht alles normal: Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ist noch da, und Ärzte und Forscher warnen: Im Herbst könnten die Krankheitsfälle mit Covid-19 wieder anziehen – und sich im schlimmsten Fall noch mit Grippefällen mischen. Wie sollen wir uns also im Herbst und Winter vor dem Coronavirus schützen, dabei aber trotzdem das Leben so normal weiterführen wie nur möglich? Einen weiteren Lockdown möchte schließlich niemand. Hier gibt's daher ein paar Tipps von Experten.

Das Coronavirus im Herbst und Winter: Schützen und trotzdem das Leben leben?

Die Temperaturen sinken, der Regen kommt und der Mensch tendiert dazu, sich wieder vermehrt drinnen einzukuscheln. Einerseits schön, andererseits ist der Mensch ein soziales Tier, will auch mal raus, bzw. muss es sogar, damit die Wirtschaft nicht leidet. Doch wir leben in einer Pandemiesituation mit einem Virus, dem die kalten Jahreszeiten höchstwahrscheinlich gefallen werden.

Denn in feuchter, kühler Umgebung fühlen sich Viren einerseits wohl. Andererseits wird's für uns allein wettertechnisch draußen schnell so ungemütlich, dass wir unsere Freizeit kaum noch draußen verbringen können – wie wir es im Sommer gut tun konnten. Und das ständige Durchlüften in Büro und Co gestaltet sich auch schwerer. Im Herbst und Winter rückt man näher zusammen. Die Situation lässt das aber leider dieses Jahr nicht zu. Die AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmasken – gelten immer noch. Hygiene und Masken bleiben. Aber wie Abstand halten, wenn wir uns nicht mehr so gut draußen verteilen können? Nur noch zu Hause bleiben? Keine Option auf Dauer, das haben wir im Frühjahr gemerkt.

Aber was tun? Es gibt ein paar Vorschläge von Experten, wie wir trotzdem den Alltag so normal wie möglich leben können, ohne einen neuen Shutdown der Wirtschaft oder gar einen schweren Lockdown wie etwa in Italien vor wenigen Monaten zu provozieren und uns vor allem nicht anzustecken oder das Virus an Menschen mit Risiko auf eine schwere Infektion weiterzugeben.

Tipp 1: Trotzdem weiter Abstand halten, Maske tragen: Tröpfcheninfektion vermeiden

Die Tröpfcheninfektion – durch große Tröpfchen beim Niesen oder Sprechen, aber auch durch Aerosole – ist der Hauptübertragungsweg des Coronavirus Sars-CoV-2. Über diese Art der Infektion tragen sich aber auch andere Krankheitserreger weiter, wie das die Grippe auslösende Influenza-Virus oder die diversen Erkältungsviren. Wer möglichst auf Abstand bleibt und sich nicht allzu lange mit fremden Personen in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen befindet, ist also schon ein bisschen geschützt.

Sollte ein Abstand aber nicht möglich sein, kann die Alltagsmaske, also die Mund-Nasen-Bedeckung helfen, zumindest Tröpfchen zurückzuhalten und andere zu schützen. Wenn alle eine Maske korrekt angelegt über Mund UND Nase tragen, sind auch alle geschützt.

Tipp 2: Handhygiene: Schmierinfektion vermeiden

Auch, wenn die Schmierinfektion nicht der Hauptübertragungsweg von Sars-CoV-2 ist, ist die Übertragung so dennoch möglich. Aber auch andere Viren oder Bakterien, die Krankheiten auslösen, lassen sich so leichter übertragen. Der Unterschied zum Sommer: Ist es kälter und feuchter, bleiben mit Erregern gespickte Tröpfchen länger feucht auf Türklinken und Co kleben und verdunsten nicht. Bei niedrigen Temperaturen überleben viele Viren zudem länger. Eine Hand, die eine kontaminierte Oberfläche an- und danach ins Gesicht fasst, "schmiert" Viren dort ab – die dann ein Leichtes haben, über Nase, Mund, Augen in den Körper einzudringen. Also: Hände waschen.

Richtig Hände waschen
Richtig Hände waschen

Mehr dazu: Coronavirus: Ansteckung vermeiden? Hier ist die Gefahr groß!

Tipp 3: Unterwegs? Wenn möglich, auch mal zu Fuß gehen

Im Herbst und Winter wird das mit dem Radfahren natürlich schwieriger, und bei Regen oder gar Schnee zu Fuß unterwegs zu sein, macht auch keinen Spaß. Doch ein vollgepackter Bus oder Bahnwaggon mit hoher Luftfeuchtigkeit kann ein wahrer Brutkasten für Viren und Bakterien sein. Klar, in vielen Fällen muss es einfach sein, mit den "Öffis" zu fahren. Wichtig ist dann aber, dass wirklich alle Maske tragen, um das Infektionsrisiko zumindest zu senken. Das schlägt etwa Dr. Christoph Specht im Gespräch mit RTL vor. Wer Zeit hat und etwa in einer Stadt mit hoher Verkehrsmittel-Frequenz lebt, kann auch auf weniger volle Transportmittel umschwenken. Oder eben doch dick einpacken und zu Fuß los oder aufs Rad geschwungen. Ist dann auch gleich noch gut fürs Herz-Kreislauf-System.

Tipp 4: "So verhalten, als könnte man Corona haben"

Sich von allen Menschen fernzuhalten, ist einfach keine Option, das haben wir bereits geklärt. Doch ein wenig Vorsicht anderen gegenüber ist generell wichtig, derzeit umso mehr. Denn infizierte Menschen sind vor allem dann ansteckend, wenn sie selbst (noch) gar nicht wissen, dass sie infektiös sind, also auch keine Symptome verspüren. Kommen dann erste Symptome, ist es oft schon zu spät – man hat möglicherweise bereits andere angesteckt. Dr. Specht rät gegenüber RTL: "Man sollte sich so verhalten, als könnte man Corona haben."

Verzichten Sie daher derzeit darauf, anderen die Hand zu geben, sie zu umarmen oder überhaupt über längere Zeit näheren Kontakt mit den Menschen zu haben, die Sie nicht sowieso ständig um sich haben. Achten Sie auf andere, halten Sie Abstand, tragen Sie Maske, waschen Sie sich die Hände, rät Dr. Specht.

Tipp 5: Tagebuch führen – zumindest über soziale Situationen mit vielen Menschen

Auch Christian Drosten, Chef-Virologe der Charité in Berlin, hat in einem Artikel in der "Zeit" vor einigen Wochen bereits mögliche Empfehlungen für den Herbst in Corona-Zeiten gegeben. Im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" weist er nochmals darauf hin, dass davon nichts in Stein gemeißelt ist. Doch manches könnte möglicherweise helfen, etwa Infektionsketten zurückzuverfolgen. Er rät beispielsweise zu einer Art Tagebuch über soziale Kontakte, die über die regelmäßigen Kontakte hinausgehen – also mögliche Cluster-Situationen, etwa ein Fest oder eine Chorprobe, bei der man dann doch noch zusammen mit anderen im geschlossenen Raum gesessen hat.

Das bedeutet nicht, dass man sich nun jeden einzelnen Kontakt notieren muss. Das ist ja auch gar nicht möglich. Vielmehr kann aber jeder darauf achten und abends kurz notieren, an welchen Orten und in welchen Situationen man sich am Tag befunden hat. War man einkaufen und erinnert sich an Situationen, in denen man mit jemandem enger in Kontakt gekommen ist? Kurz groben Zeitraum und Laden notieren. War man im Kino? Lichtspielhaus und Saal sowie Uhrzeit notieren. War man auf einer öffentlichen Veranstaltung? Kurz vermerken. Kommt es nun zu Symptomen, lassen sich diese groben Eckdaten dem Gesundheitsamt mitteilen, das es dann zumindest leichter hat, Infektionsketten zu erkennen.

Tipp 6: In Restaurant, Bar und Co: Draußen sitzen oder auf gute Lüftung achten

Natürlich will man aber ja auch mal den einen oder anderen Abend im Restaurant oder mit Freunden in der Lieblingsbar verbringen. Dr. Specht rät, wenn möglich doch weiter draußen zu sitzen und sich lieber in eine Decke einzukuscheln. Denn geschlossene Räume mit vielen Menschen müssten eigentlich durchgelüftet werden. Im Winter wird das schwer – das verschwendet ja auch jede Menge Energie. Und nicht jeder Raum lässt sich richtig lüften. Wichtig ist nämlich: Das Fenster muss komplett geöffnet sein, auf Kipp reicht nicht.

Recht sicher sind Klimaanlagen, die die Raumluft nicht nur umwälzen, sondern auch reinigen. Wer auf Nummer sicher gehen will, fragt beim Betreiber nach, ob eine solche Anlage installiert ist und auch regelmäßig gewartet wird.

Tipp 7: Zu Hause mit Freunden treffen – am besten in festen Kreisen

Lieber also doch zu Haus bleiben bzw. die Freunde einfach einladen? Generell ja, sofern auch dort auf Abstand geachtet und gut gelüftet wird. Dennoch ist zu beachten: Auch unter den Freunden kann jemand unwissentlich infiziert sein. Immerhin sinkt aber die Möglichkeit einer Ansteckung, weil man insgesamt mit weniger Menschen in Kontakt kommt. Noch sicherer ist, wer seine sozialen Kontakte auf eine feste, möglichst kleine Gruppe beschränkt.

Zum Abschluss lässt sich sagen: Meiden Sie Menschenansammlungen, so gut es geht, besonders in Innenräumen, und beschränken Sie Feiern auf den engsten Familien- und Freundeskreis. Das ist übrigens auch das, was das Robert-Koch-Institut (RKI) bereits vor Monaten gesagt und nun im aktuellen Lagebericht wieder als Empfehlung aufgenommen hat. So können wir uns hoffentlich auch im Herbst und Winter gut vor dem Coronavirus schützen. Uns selbst, aber auch alle anderen.

"Das Coronavirus-Update" mit Christian Drosten ist übrigens zurück. Aber der Virologe ist nicht mehr allein, sondern wechselt sich nun wöchentlich mit einer Kollegin ab, nämlich der Leiterin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, Sandra Ciesek.

Mehr Infos zum Coronavirus finden Sie übrigens auf unserer Themenseite, die regelmäßig ergänzt wird.

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