Aktualisiert: 27.08.2020 - 21:48

Hausärzte schlagen Alarm Corona trifft auf Grippewelle: Was passiert dann eigentlich?

Mit den bald anrückenden Herbsttagen kommt auch die Grippewelle zurück. Worauf müssen wir uns jetzt in Corona-Zeiten gefasst machen?

Foto: iStock.com/Imgorthand

Mit den bald anrückenden Herbsttagen kommt auch die Grippewelle zurück. Worauf müssen wir uns jetzt in Corona-Zeiten gefasst machen?

Den (hinkenden) Vergleich zwischen Covid-19 und der Grippe gibt es seit Anbeginn der Corona-Zeiten. Aber was passiert eigentlich, wenn die Grippewelle beginnt, wir aber immer noch mitten im Coronavirus-Infektionsgeschehen sind? So langsam rollt erstere nämlich los...

Die Grippesaison startet für gewöhnlich um den Oktoberanfang herum. Mal ist sie früher, mal später. Mal verlaufen die folgenden Monate normal, mal schlägt die Influenza, wie die Grippe fachlich richtig heißt, voll zu. Gänzlich voraussehen kann das niemand, denn das Influenza-Virus ist sehr wandlungsfähig. Dieses Jahr kommt ein zweiter erschwerender Faktor hinzu: Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist noch immer da, die Infektionszahlen sind zuletzt sogar wieder gestiegen. Da stellt sich die Frage: Was passiert, wenn sich Grippe und Covid-19 mischen? Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt: Wir müssen beides im Blick behalten.

Die Grippesaison rückt an – aber Corona ist auch noch da

Vor lauter Corona verliert man ja leicht mal den Blick für das, was sonst noch so da ist – oder jährlich kommt. Und auch, wenn klassische Infektionskrankheiten wie Grippe oder auch die einfache Erkältung aufgrund von Masken und Abstandsregelungen derzeit seltener geworden sind, wird sie wohl dennoch zur potentiellen Gefahr, die sie jährlich darstellt: die Grippewelle. Und die könnte in Kombination mit dem Coronavirus den Herbst herausfordernd gestalten.

Coronavirus und Grippe im Vergleich
Coronavirus und Grippe im Vergleich

WHO-Regionaldirektor Hans Kluge warnte am 20. August bei einer Online-Pressekonferenz vor der Grippesaison und plädierte dafür, die Grippe ebenso wie Corona genau im Blick zu behalten, um überlastete Arztpraxen und Krankenhäuser zu verhindern.

Die Krankenhäuser müssten laut Deutscher Krankenhaus Gesellschaft solange für weitere Infektionswellen gewappnet sein, bis ein Corona-Impfstoff flächendeckend zur Verfügung stehe. Bis dahin sei das Ziel, immer auch auf kurzfristige Veränderungen im Infektionsgeschehen zu reagieren. Für Corona-Patienten werde daher ein gewisser Bereich der Intensivkapazitäten freigehalten, berichtet t-online. Doch es geht nicht nur um Krankenhäuser, wenn die Grippewelle hinzukommt.

Vor allem Hausärzte müssen gerüstet sein, denn sie sind es, die in der Regel zuerst mit Patienten in Kontakt kommen. Und sie sind es auch, die schnellstmöglich klären müssen, ob es sich bei Symptomen wie Husten, Schnupfen und Fieber um das Coronavirus Sars-CoV-2 handele oder ob doch das Influenza-Virus oder ein Erkältungsvirus verantwortlich sind.

Zudem befürchten Experten, dass viele Grippe-Patienten die Corona-Testzentren überfüllen und die begrenzten Testkapazitäten behindern könnten und das Personal in den Testzentren sowie Laboren entsprechend noch mehr zu tun hätte.

Abstand halten, Hygieneregeln beachten

Immerhin, einen Vorteil haben wir in diesem Jahr: Die weiträumige Maskenpflicht, ausfallende Großveranstaltungen, eine gründliche Handhygiene – die viele von uns erst durch Corona gelernt haben – sowie die geltenden Abstandsregelungen können dabei helfen, nebst Covid-19 auch vor anderen Infektionskrankheiten zu schützen – sofern sich solidarisch daran gehalten wird. So könnte zum einen eine zu hohe Doppelbelastung des Gesundheitssystems mit schweren Covid-19- sowie schweren Grippefällen vermieden werden. Zum anderen sinkt so die Gefahr, dass Menschen sowohl an der Grippe als auch an Covid-19 erkranken. Denn mit dieser Doppelbelastung für den Körper haben wir noch gar keine Erfahrung.

Ärzte raten zur Grippeimpfung – Stiko aber nicht

Die Empfehlung, sich gegen die Grippe impfen zu lassen, steigt entsprechend in diesem Jahr weiter. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte sich bereits zu Pandemiebeginn geäußert, dass die Grippeimpfung ein Wirksames Mittel sei, um zumindest die Grippewelle auf ein Minimum zu reduzieren. Entsprechend sollen die Impfdosen in diesem Jahr weiter aufgestockt werden, auf rund 25 Millionen Stück – "so viele wie noch nie", erklärte Spahn im Juli. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren ein enormes Wachstum: 2019 standen etwa 16,5 Millionen Grippeimpfdosen in Deutschland zur Verfügung. Nun soll noch flächendeckender geimpft werden können.

Dennoch ändert die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) ihre bisherigen Impfempfehlungen nicht, allein da auch geplante 25 Millionen Impfdosen für die rund 83 Millionen Bundesbürger nicht reichen würden. Zur standardmäßigen saisonalen Grippeimpfung rät die Stiko daher weiterhin folgenden Personengruppen:

  • Senioren ab 60 Jahren
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen (Asthma, COPD, Diabetes mellitus, Multiple Sklerose)
  • Schwangere
  • Bewohner in Alten- und Pflegeeinrichtungen
  • medizinisches Personal sowie Personen, die dem Influenzavirus beruflich bedingt besonders ausgesetzt sind

Freiwillig impfen lassen können sich dennoch alle, die diesen Schutz wünschen. Für Großraumbüros etwa oder auch für Firmen, in denen eng zusammengearbeitet wird, können Arbeitgeber eine freiwillige Impfung anbieten. Die Grippeimpfung kann aber auch beim Hausarzt erfragt werden. Die Impfungen werden in der Regel ab Anfang Oktober durchgeführt.

Auch, wenn die Impfung gegen die Influenza nicht immer den dominierenden Erreger trifft, wie wir in der starken Grippesaison 2017/18 gesehen haben, so hilft sie in jedem Fall, die Auswirkungen abzufedern. Zudem gibt es seit 2018 einen Vierfachimpfstoff, der mehr Grippestämme abdeckt und so wirkungsvoller ist. In der vergangenen Grippesaison waren übrigens etwa 4,9 Millionen Menschen wegen Grippesymptomen in ärztlicher Behandlung. 541 Menschen sind an den Folgen gestorben.

Anfangs stellten sich viele die Frage, was denn nun gefährlicher ist, die Grippe oder das Coronavirus? Und auch heute hält sich noch der Glaube, man könne beides miteinander vergleichen. Doch auch, wenn beide Erreger ähnliche Symptome hervorrufen und beide Erkrankungen auch schwer verlaufen können, gibt es doch mehrere Unterschiede. Einer davon ist erheblich: Wir kennen das Coronavirus Sars-CoV-2 noch immer kaum und vor allem kennen wir noch nicht die möglichen Langzeitfolgen von Covid-19, von denen sich einige aber bereits andeuten. Vermehrt berichten etwa Menschen nach überstandener Covid-19-Erkrankung über anhaltende bleierne Erschöpfung.

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen
Eine Webseite der FUNKE Mediengruppe