13.08.2020 - 14:25

Es kommt auf die Maske an... Coronavirus: Die richtigen Masken schützen auch die Träger

Der Vergleich von Studien zeigt: Auch OP-Masken schützen die Träger zumindest ein bisschen vor Coronaviren und anderen Erregern.

Foto: iStock.com/LeManna

Der Vergleich von Studien zeigt: Auch OP-Masken schützen die Träger zumindest ein bisschen vor Coronaviren und anderen Erregern.

Wir tragen Mund-Nasen-Bedeckung vorrangig, um unsere Mitmenschen vor potentiellen Viren zu schützen. Doch Forscher haben herausgefunden: Der "Mundschutz" kann auch den Träger schützen.

Über wenig wurde in den vergangenen Monaten so viel diskutiert wie über die Maske. Mittlerweile gilt im öffentlichen Raum vielerorts Maskenpflicht – obwohl es einst hieß, der Mundschutz bringe nichts – weil man befürchtete, die Menschen fühlen sich damit zu sicher. Mittlerweile ist klar: Masken schützen – zusammen mit der Abstandsregel – vor allem andere. Doch eine Metastudie zeigt: Masken können auch den Träger vor Coronaviren schützen. Dabei kommt es aber stark auf Art und Handhabung an.

WHO ändert Richtlinien: Masken können auch ihre Träger schützen

Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie äußerten sich das Robert-Koch-Institut (RKI), vor allem aber die Weltgesundheitsorganisation WHO noch sehr zurückhaltend zum Thema Mund-Nasen-Bedeckung. Was ist denn nun richtig, fragten sich da viele? Schützen die Masken nun oder nicht? Und wenn ja, wen? Ein Zusammenspiel aus Vorsicht, Zurückhaltung und tatsächlich auch Unkenntnis führte da ein bisschen zu einem "Kuddelmuddel". Mittlerweile hat die WHO ihre Richtlinien mehrmals überdacht und geändert. Nun erneut, auf Basis von Studien.

Bereits klar war: Wird eine Maske richtig getragen, zeigt sie eine Wirkung vor allem im Fremdschutz. Wird sie richtig getragen, stellt die Maske zudem auch keine Gefahr für den Träger dar. Eine Metastudie – also eine Auswertung von mehreren unabhängigen Studien – zeigt nun aber Überraschendes: Je nach Maske erfährt der Träger sogar selbst mehr oder weniger Schutz. Das Praktische: Auch die einfachen OP-Masken können schützen.

So trage ich den Mundschutz richtig
So trage ich den Mundschutz richtig

Auch OP-Masken scheinen Schutz zu bieten

Dass die festen FFP3-Masken auch den Träger schützen, ist bekannt. Allerdings erschweren die dicht abgeschlossenen Teile auch das Atmen – vor allem im Sommer bisweilen ein Graus. Die Modelle mit Atemventil wiederum verfehlen den eigentlichen Nutzen: Sie schützen den Träger, nicht aber die Umgebung. Viele schwören daher mittlerweile auf die glücklicherweise nun gut verfügbaren einfachen OP-Masken. Darunter ist das Atmen nämlich gar nicht mal so schwer – aber sie sind durchaus dichter als so manche Stoffmaske.

Ein Forscherteam rund um Holger Schünemann von der McMaster Universität in Hamilton, Kanada, hat sich alle Studien zum Thema Maske und Schutzwirkung genauer angesehen. Das Ergebnis erklärte Schünemann gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): "Nach unserer Analyse senken Masken das relative Risiko, sich zu infizieren, um etwa 80 Prozent", erklärt der Forscher. "Das bedeutet: Wenn das Basisrisiko, sich anzustecken, bei etwa 50 Prozent liegt, wie es etwa für Chorproben beschrieben wurde, dann verringert es sich, wenn ich eine Maske trage, auf 10 Prozent. Ist das Basisrisiko ein Prozent, reduziert sich die Gefahr, sich anzustecken, auf 0,2 Prozent. Wir beziehen uns auf Daten für den einfachen chirurgischen Mundschutz, wie man ihn überall kaufen kann."

Eine ähnliche Metaanalyse hat übrigens die WHO bereits Anfang Juni durchführen lassen. Das Ergebnis: Auch Stoffmasken können ihre Träger schützen. Von einem bis zu sechs Mal geringeren Risiko ist die Rede. Eine weitere Studie zeigt: Es kommt dabei aber auch wieder auf die Art an: Zweilagige Masken aus Stoff schützen deutlich besser. Allerdings: Alle Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen, dazu später mehr.

In Krankenhäusern schon länger als Eigenschutz in Gebrauch

Schünemann selbst stellt aber hervor, dass das Ergebnis per se für ihn gar nicht so überraschend kam. Denn er als praktizierender Arzt im Krankenhaus trägt schon seit Jahren regelmäßig OP-Maske und weiß, dass sie auch ihn als Träger zu gewisser Weise schützen kann. Dass die Schutzwirkung aber doch so hoch sei, damit habe er weniger gerechnet.

Zusammen mit seinem Team hat sich Schünemann 29 Studien angesehen, in denen Maskenträger mit Nichtträgern verglichen wurden. Zwar stammten die meisten der Studien aus dem Gesundheitsbereich, doch in manchen habe man auch Haushalte verglichen. Dazu Schünemann: "Wenn es einen nachgewiesenen Infizierten gab, bestimmten die Forscher, wie viele andere Mitglieder des Haushalts sich angesteckt hatten, und verglichen die Haushalte mit und ohne Maskengebrauch. In anderen Studien wurden Infizierte im Nachhinein befragt, ob sie eine Maske getragen hatten."

Metaanalyse gibt nur Richtung an – kein Beweis

Allerdings, so führt auch Schünemann an, seien die Ergebnisse dennoch mit Vorsicht zu genießen. Denn die untersuchten Studien seien nicht randomisiert, sprich, die Forscher haben nur bestehende Gruppen miteinander verglichen. Ein etwaiger Placeboeffekt zum Beispiel sei da nicht berücksichtigt worden. Es sei zudem schwierig, einen endgültigen Beweis zu erbringen. Man könne für eine randomisierte Studie einzelne Städte oder Bezirke von Städten bestimmen und vergleichen: Die eine Stadt trage Maske, die andere nicht. Jedoch sei das kaum umsetzbar, denn es sei weder realistisch, dass in der einen Stadt alle Maske tragen wollen, noch, dass in der anderen Stadt wirklich alle darauf verzichten wollen. Zudem können aus den Studien auch andere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder -verbote sowie Abstand halten nicht herausrechnen lassen.

Nichtrandomisierte Studien zu nutzen, sei zwar bedenklich, jedoch bliebe da derzeit keine andere Wahl und man müsse genau abwägen, ob man den Studien vertraue. Schünemann geht dennoch davon aus, dass die Schutzwirkung von OP-Masken hoch ist. Denn die Risikoreduktion von rund 80 Prozent sei konstant über die untersuchten Studien zu erkennen. Das reiche aber nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin nicht aus – auch wegen anderer Schwächen innerhalb der Studien –, "um von mittlerer oder hoher Sicherheit zu sprechen."

Bewusst sollten wir uns auch machen: Einen vollumfänglichen Schutz vor Ansteckung, sei es mit dem Coronavirus oder anderen Erregern, bietet keine Maske. Sie hilft aber, die Gefahrenpotenzial weiter zu senken – vor allem im Zusammenspiel mit anderen Vorsichtsmaßnahmen. Nach wie vor gilt: Halten wir weiter Abstand, waschen wir uns regelmäßig gründlich die Hände. Und meiden wir den Kontakt zu anderen, falls wir selbst Symptome verspüren sowie melden dies. Achten wir aufeinander, aber auch auf uns selbst.

Mehr dazu: Stoff, Kaffeefilter und Co: Hilft eine selbstgemachte Maske?

Quellen/Studien:

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