Aktualisiert: 11.08.2020 - 19:05

Kreislaufbeschwerden bis Hitzschlag Das Herz bei Hitze: Darauf sollten Herzpatienten jetzt achten

Bei großer Hitze gilt für Herzpatienten: abkühlen, Ruhe halten, ausreichend trinken.

Foto: iStock.com/fizkes

Bei großer Hitze gilt für Herzpatienten: abkühlen, Ruhe halten, ausreichend trinken.

Die andauernde Hitze macht uns wohl allen zu schaffen – den einen mehr, den anderen weniger. Besonders sollten Menschen mit Herzproblemen auf genügend Abkühlung achten. Was hilft?

Deutschland schwitzt: Temperaturen, die über Tage hinweg über der 30-Grad-Marke liegen, sind bisweilen keine Seltenheit mehr. Das kann den Kreislauf ganz schön durcheinanderbringen. Vor allem Herzpatienten leiden unter der Hitze. Wer sowieso schon Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System hat, muss nun noch mehr auf die Zeichen des Körpers achten. Sonst drohen Blutdruckabfall, Kreislaufkollaps oder gar ein Hitzschlag.

So leiden Herzpatienten bei Hitze

Mal so ein heißer Tag ist ja meist noch zu verschmerzen. Doch wenn die Hitzewelle anhält und es nicht einmal nachts richtig abkühlt, wird das zur Dauerbelastung für den Körper. Bei älteren Menschen und solchen mit Herzproblemen ist zudem das körpereigene Kühlsystem schnell einmal gestört. Der Körper kann die Wärme nicht mehr richtig aus dem Körper heraustransportieren, das Herz arbeitet sozusagen im Akkord, es drohen ernsthafte Probleme.

Müdigkeit und schnelle Erschöpfung, Muskelkrämpfe oder Konzentrationsstörungen bis hin zu Herzrhythmusstörungen treten schnell auf. Wer dann nicht spätestens aufpasst, riskiert Hitzschlag und Kreislaufkollaps.

Das Problem: Bei einem gesunden Menschen funktioniert das körpereigene Kühlsystem so: Der Körper schwitzt, die Verdunstungskälte kühlt ab. Gleichzeitig weiten sich die Blutgefäße, das Herz arbeitet mehr. Anstrengend – aber nicht gefährlich. Doch wer sowieso schon unter Herzproblemen leidet, dessen Herz kommt da nicht mehr richtig mit. Und auch Bluthochdruckpatienten stehen bei anhaltender Hitze schnell vor einem Problem: Durch die erweiterten Blutgefäße sinkt der Blutdruck ab. Werden nun aber blutdrucksenkende Mittel eingenommen, kann der Blutdruck bedrohlich abfallen. Vorsicht: Das bedeutet nicht, dass Sie Ihre Medikamente absetzen sollten. Halten Sie auf jeden Fall Rücksprache mit Ihren Ärzten!

Bei Hitze: Am besten mit den Ärzten sprechen

Diese ärztliche Rücksprache ist generell anzuraten: Ihre behandelnden Ärzte können Ihnen Tipps geben, wie Sie etwa Ihre Medikamente in der Zeit großer Hitze einnehmen. Denn die können zusätzlich belasten. Einfach absetzen sollten Sie sie aber wie gesagt nicht.

Ein paar Tipps können wir Ihnen aber bereits an die Hand geben:

Tipp 1: Hitze meiden – luftig kleiden

Dieser erste Tipp gilt eigentlich für alle, für Herzpatienten umso mehr: Meiden Sie die größte Hitze, vor allem aber direkte Sonneneinstrahlung. Wenn möglich, passen Sie Ihren Tagesablauf dem Wetter an, legen Sie wichtige Aktivitäten nach Möglichkeit in die Morgen- oder Abendstunden, wenn es etwas kühler ist.

Wenn es besonders heiß ist, sollten Sie es ruhig handhaben wie die Menschen in südlicheren Regionen – und einfach mal Siesta halten: Ruhen Sie sich aus, entlasten Sie Ihr Herz.

Auch sommerliche, luftige Kleidung hilft. Solange Sie im Schatten sind, halten Sie es gerne kurz. So kann der Wind Ihre Haut und damit Ihren Körper besser abkühlen. Doch auch lockere, dünne, möglichst helle längere Kleidung wirkt Wunder. Also: Lassen Sie es flattern!

Tipp 2: Genügend trinken – aber nicht zu viel!

Wer schwitzt, verliert Flüssigkeit. Und bei Hitze schwitzen wir umso mehr. Es ist daher wichtig, dem Körper verlorengegangenes Wasser immer wieder zuzuführen. Gesunde Menschen merken das am Durstgefühl. Gerade bei Älteren kann es aber sein, dass dieses Durstgefühl nicht mehr so gut ausgeprägt ist. Daher kann ein Trinkkalender – oder eine andere Erinnerung – ungemein helfen. Mehr dazu: Richtig trinken: Der beste Zeitpunkt für Wasser, Kaffee und Co.

Beachten Sie: Ist es besonders heiß, kann es sein, dass wir bis zu ein bis zwei Liter Flüssigkeit verlieren. Dabei werden allerdings auch wichtige Salze ausgeschwemmt. Wer jetzt zu viel trinkt, aber nicht genügend Elektrolyte wiederaufnimmt, schadet dem Körper und kann seine Herzleistung weiter verschlechtern. Zudem treten dann Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Muskelkrämpfe und Herzrhythmusstörungen auf, etwa wenn Kalium fehlt.

Achten Sie als Herzpatient daher darauf, zusätzlich zu den normalerweise vorgegebenen 1,5 bis 2 Litern am Tag noch einmal ein bis zwei Liter zu sich zu nehmen – orientieren Sie sich also am besten an etwa 2 bis 4 Litern. Am besten eignet sich Mineralwasser. Um höheren Elektrolytverlust auszugleichen, können Sie auch auf eine Tasse Gemüsebrühe zurückgreifen. Gegen Kaliummangel etwa hilft aber auch eine Banane. Auch hier gilt: Am besten ärztlich abklären! Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt, Nahrungsergänzungsmittel wie Kaliumtabletten nur nach ärztlicher Absprache einzunehmen – niemals eigenmächtig!

Flüssigkeitsmangel kann aber noch in mehrerlei Hinsicht gefährlich werden. Warum Trinken so wichtig ist, lesen Sie auch bei uns.

Tipp 3: Wiegen Sie sich!

Das klingt erst einmal komisch, aber um etwa abschätzen zu können, wie viel Flüssigkeit Ihr Körper bei Hitze als Herzpatient tatsächlich benötigt, kann eine Körperwaage ungemein helfen. So rät die Deutsche Herzstiftung etwa, sich morgens vor dem Frühstück und nach dem ersten Toilettengang zu wiegen – und dann noch einmal am Abend. Über ein paar Tage hinweg können Sie so herausfinden, ob Ihre Trinkmenge zu gering, zu hoch oder perfekt ist: Achten Sie dabei auf möglichst gleichbleibende Ernährung. Schwankt das Gewicht um mehr als ein halbes Kilo am Abend, sollten Sie Ihre Trinkmenge anpassen.

Gleiches gilt auch vor körperlicher Betätigung. Die Deutsche Herzstiftung rät: "Wiegen Sie sich vor dem Sport und ziehen Sie davon Ihr Gewicht nach dem Sport ab. Addieren Sie noch Ihre zwischenzeitliche Trinkmenge und Sie haben den Flüssigkeitsverlust." Allerdings sollten Sie sich nackt wiegen, um mögliche ausgeschwitzte Flüssigkeit in der Kleidung nicht mitzuberechnen.

Tipp 4: Blutdruck messen und ärztliche Rücksprache bezüglich Medikamenten

Auch die Medikamente gegen Herzprobleme können den Flüssigkeitshaushalt zusätzlich durcheinanderbringen. Diuretika beispielsweise wirken wassertreibend. Das Blutvolumen nimmt ab, der Blutdruck fällt zusätzlich. Das merken Betroffene vor allem, wenn sie zu schnell aufstehen. Schwindel ist die Folge, in schweren Fällen kann es auch zum Kreislaufkollaps mit anschließender Bewusstlosigkeit kommen.

Wir können es nur immer wieder betonen: Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt bezüglich der Medikamenteneinnahme!

Um den Blutdruck im Blick zu haben, empfiehlt es sich, ihn regelmäßig, zumindest am Morgen und am Abend, zu überprüfen. So haben Sie dann auch Anhaltspunkte für das Gespräch mit Ärztin oder Arzt bezüglich Medikamentanpassungen.

Tipp 5: Bewegen Sie sich – auch prophylaktisch

Zwar gilt: bei großer Hitze lieber wenig machen und ausruhen.Regelmäßige Bewegung ist dennoch wichtig: Nutzen Sie die kühleren Zeiten des Tages für etwas sportliche Aktivität, seien es Walken, leichtes (!) Joggen, Radfahren oder Schwimmen, oder einfach einen ausgedehnten Spaziergang. Achten Sie dabei auf Sonnenschutz! Bewegung hilft auch gegen geschwollene Füße im Sommer!

Vorsicht: Diese Tipps ersetzen keinen fachlichen Rat oder gar einen Arztbesuch. Wie oben mehrmals erwähnt: Ziehen Sie am besten auch prophylaktisch Ihre behandelnden Ärzte zu Rate, vor allem, wenn Sie unter Herz-Kreislauf-Beschwerden leiden.

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