Aktualisiert: 07.08.2020 - 21:03

Japan als Vorbild Drosten: So lässt sich der nächste Lockdown umgehen

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Nehmen wir uns Japan zum Vorbild: Das ist einer von Christian Drostens Vorschlägen, um einen zweiten Lockdown aufgrund der Coronavirus-Pandemie in Deutschland zu verhindern.

Foto: MICHAEL KAPPELER / Kontributor

Nehmen wir uns Japan zum Vorbild: Das ist einer von Christian Drostens Vorschlägen, um einen zweiten Lockdown aufgrund der Coronavirus-Pandemie in Deutschland zu verhindern.

Wir sollten uns Japan zum Vorbild nehmen – dieser Meinung ist jedenfalls Charité-Virologe und Coronavirus-Forscher Christian Drosten. So ließen sich weitere enorme Einschränkungen verhindern – auch, wenn das Infektionsgeschehen wieder hoch geht.

Seit kurzem steigen die Corona-Infektionszahlen wieder an, es fällt aber auf, dass vor allem lokale Großausbrüche Schuld sind am Infektionsgeschehen. Prof. Christian Drosten von der Charité Berlin ist Virologe und forscht an Sars-CoV-2. In den vergangenen Wochen war es etwas stiller geworden um ihn, jetzt meldet sich Drosten mit einem Vorschlag, wie wir einen Lockdown umgehen können, zurück: Wir sollten vermehrt auf die Infektionsgruppen schauen – nicht auf einzelne Fälle.

Drosten: Vorschlag zum Verhindern eines weiteren Lockdowns

So ähnlich hatte er es auch schon vor Wochen angedeutet: "Waren bisher die meisten Infektionsketten nachvollziehbar, können neue Fälle bald überall gleichzeitig auftreten." Das ist Teil seines Beitrages für die "Zeit", der jetzt veröffentlicht worden ist. Alle Landkreise und Altersgruppen können jetzt betroffen sein. "Dann sind die personell schlecht ausgestatteten Gesundheitsämter endgültig damit überfordert, die Quarantäne jeder einzelnen Kontaktperson zu regeln." Eine weitere Welle werde eine ganz andere Dynamik haben als die erste. Man müsse sich daher überall gut vorbereiten. Als Beispiel schlägt er, wieder einmal, Japan vor.

Japan verhindert Übertragungscluster – gutes Vorbild

Dort habe man, statt "viel und ungezielt zu testen", schon früh darauf gesetzt, "Übertragungscluster zu unterbinden". Um das zu erreichen, habe das Land offizielle Listen von "typischen sozialen Situationen", die solche Übertragungscluster hervorrufen, herausgegeben. Jeder konnte diese Listen öffentlich einsehen.

Christian Drosten wertet dieses Vorgehen als Erfolg: "Japan gelang es, die erste Welle trotz einer erheblichen Zahl importierter Infektionen ohne einen Lockdown zu beherrschen", schreibt der Virologe.

Wenn jeder ein Kontakt-Tagebuch führt, können Cluster entdeckt und unterbrochen werden

Wie wir das auch hier schaffen können? Sein Vorschlag: Jeder Bürger solle vor allem jetzt im kommenden Winter ein Kontakt-Tagebuch führen. Damit könne sich dann gut zurückverfolgen lassen, ob ein Superspreader irgendwo jemanden angesteckt habe – ob im Großraumbüro, beim Volkshochschulkurs oder innerhalb der Fußballmannschaft. Anschließend könne dann für ebensolche derartige Cluster eine Quarantäne verhängt werden. Auf Einzelquarantänen könne man dann verzichten, ebenso wie auf harte Einschränkungen für alle.

Auch auf die Schulsituation kommt Drosten zu sprechen: "Die japanische Strategie könnte helfen, die Schulen länger offenzuhalten", schreibt er, "indem Cluster in Klassen gestoppt werden, bevor ganze Schulen geschlossen werden müssen."

Was kann jeder tun?

Drosten weist darauf hin, dass der Lockdown in Deutschland vergleichsweise kurz und zudem weniger hart war als in vielen anderen Ländern. Dennoch haben Wirtschaft und Gesellschaft gelitten. Derzeit laufen wir aber Gefahr, unseren Erfolg zu verspielen und einen zweiten, vielleicht auch härteren Lockdown zu provozieren. Das Neue, was wir über das Virus lernen, wird seiner Meinung nach zu zögerlich umgesetzt. Dabei leben wir doch in einem "Land der Ingenieure, nicht der Bedenkenträger", so Drosten.

Wir alle können helfen, neue Einschränkungen zu unterbinden: Mund UND Nase dort bedecken, wo es sinnvoll ist – also vor allem in geschlossenen Räumen, in denen kein guter Luftaustausch gegeben ist. Abstand halten. Und vielleicht wirklich Tagebuch über unsere direkten Kontakte führen. So bleibt uns vielleicht Schlimmeres erspart – und damit ist nicht nur das Coronavirus gemeint. Sondern vor allem auch das Drumherum. Tun wir alle etwas dafür, so schnell wie möglich aus dieser Situation herauszukommen – ohne unnötige Opfer.

Hier finden Sie Christian Drostens Gastbeitrag in der "Zeit".

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