Aktualisiert: 06.08.2020 - 18:47

Studie erklärt Zusammenhang Östrogene: Schützt die Pille vor dem Coronavirus?

Das Östrogen in der Pille scheint vor dem Coronavirus zu schützen. Doch gleichzeitig birgt es andere Risiken im Zusammenhang mit Covid-19.

Foto: iStock.com/Rattankun Thongbun

Das Östrogen in der Pille scheint vor dem Coronavirus zu schützen. Doch gleichzeitig birgt es andere Risiken im Zusammenhang mit Covid-19.

Frauen erkranken diverser Studien zufolge seltener an Covid-19 als Männer. Schon öfter kam der Gedanke auf, es könne am Östrogen-Spiegel liegen. Jetzt erklären Forscher: Möglicherweise schützt (auch) die Pille. Doch gleichzeitig könnte sie auch ein Risiko sein.

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie: Die Anti-Baby-Pille, oder kurz, die Pille, steht immer wieder in der Kritik. Während gesundheitliche Probleme wie Thrombosen oder psychische Veränderungen mit ihr in Verbindung gebracht werden, schwören manche Frauen auf die positiven Nebenwirkungen des Verhütungsmittels. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse – und die haben mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 zu tun. Schützt die Pille vor Covid-19? Oder steigert sie das Risiko für schwere Verläufe? Theoretisch ist wohl beides möglich.

Die Pille: Studie vermutet Schutzwirkung vor Covid-19

Die Statistik zeigt: Weltweit erkranken mehr Männer als Frauen an Covid-19. Schon länger wird das mit dem Hormonhaushalt in Verbindung gebracht. So scheint – grob gesagt – ein Mehr an Testosteron schwerere Verläufe zu provozieren. Östrogen dagegen scheint das Coronavirus nicht so sehr zu mögen. Das "Frauenhormon" Östrogen soll laut Wissenschaftlern beeinflussen können, wie viele Immunzellen eine Person produziert und wie gut diese auf Infektionen reagieren.

Eine groß angelegte Studie des King's College in London hat das jetzt genauer untersucht und festgestellt: Frauen, die ein Kombinationspräparat als Verhütungsmittel nehmen, zeigten durchschnittlich zu 13 Prozent weniger Risiko, schwere Symptome von Covid-19 zu entwickeln. Dazu haben die Wissenschaftler die Daten von rund einer halben Million Frauen zwischen Mai und Juni ausgewertet.

Östrogen scheint Schutzwirkung mitzubringen

Untersucht hatten die Forscher Frauen vor der Menopause, die mit der Pille verhüteten, sowie Frauen während und nach der Menopause, bei denen eine Hormonersatztherapie angewendet wurde, um Wechseljahrsbeschwerden und den damit verbundenen Risiken vorzubeugen. Denn mit den Wechseljahren sinkt bei Frauen der Östrogenspiegel. Dass Östrogen Auswirkungen auf das Risiko hat, zeigt auch, dass der Unterschied zwischen älteren Frauen und Männern nicht mehr so groß ist, wie andere beobachtende Studien bereist zeigen konnten.

"Zusätzlich haben wir eine jüngere Gruppe von Frauen, die die Pille [als Kombinationspräparat] einnehmen, mit einer ähnlichen Gruppe verglichen, die die Pille nicht nimmt, und konnten dort weniger schwere Covid-19-Symptome feststellen. Das deutet darauf hin, dass die Hormone in der Pille eine gewisse Schutzwirkung gegen Covid-19 mitbringen", erklärt Studien-Co-Autorin Dr. Karla Lee. Die Studie ist allerdings noch nicht von unabhängigen Experten geprüft und befindet sich derzeit noch im Preprint-Status. Inwiefern Östrogen nun dazu beitragen kann, gegen Covid-19 zu schützen, muss jetzt weiter erforscht werden.

Wermutstropfen: Risiko von Blutgerinnseln steigt

Andere Studien aber zeigen auch weniger positive Auswirkungen der Pille in Verbindung mit dem Coronavirus. Dass die Pille – je nach Art und Zusammensetzung – die Thrombosegefahr erhöhen kann, ist mittlerweile bekannt. Doch auch Sars-CoV-2 kann Blutgerinnsel verursachen, die Lungenembolien, Schlaganfälle oder eben Thrombosen hervorrufen können. Beides zusammen könnte das Risiko weiter steigern. Die noch nicht überprüfte Preprint-Studie wurde bereits vom Journal "Endocrinology" aufgenommen.

Es liegt aber nicht nur an der Pille. Insgesamt kann ein hoher Östrogenspiegel das Risiko für Blutverklumpungen steigern. Daher warnen die Ärzte in der Studie vor allem Schwangere, Frauen, die bestimmte Pillenpräparate einnehmen oder solche, die auf östrogenbasierte Hormonersatztherapie zurückgreifen, eben auch davor. Auch hier sei aber noch weitere Forschung vonnöten.

"Während dieser Pandemie brauchen wir weitere Forschung, um festzustellen, ob Frauen, die sich während ihrer Schwangerschaft infizieren, Gerinnungshemmer einnehmen sollten, oder ob Frauen die Pille oder ihre Hormonersatztherapie für die Dauer der Infektion absetzen sollten", erklärt Studien-Co-Autor Dr. Daniel Spratt vom Maine Medical Center in Portland, USA.

Covid-19 kann so einiges im Körper durcheinanderbringen. Mehr über das Coronavirus lesen Sie auf unserer Themenseite.

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