Aktualisiert: 04.08.2020 - 18:56

Coronavirus Covid-19: Mit welchen Langzeitfolgen wir rechnen müssen

Atemnot von leichten Anstrengungen – das gehört wohl zu den Langzeitfolgen, die eine Infektion mit dem Coronavirus hinterlässt.

Foto: iStock.com/m-gucci

Atemnot von leichten Anstrengungen – das gehört wohl zu den Langzeitfolgen, die eine Infektion mit dem Coronavirus hinterlässt.

Es kristallisiert sich heraus, dass es bei Sars-CoV-2 mit der Hauptinfektion nicht immer getan ist: So könnten auch bei Menschen mit eher leichten Verläufen später gesundheitliche Probleme auftreten. Erforschen kann man das aber erst nach und nach...

Schon die akute Infektion mit Sars-CoV-2 gibt Rätsel auf: Die Symptome reichen von nicht vorhanden über grippeähnliche Symptome bis hin zum kompletten Zusammenbruch der Körperfunktionen. Aber hier läuft die Forschung schnell, an entsprechenden Medikamenten wird gearbeitet. Und immerhin: Die meisten überleben, spüren nicht einmal viel. Doch es zeichnet sich ab, dass das Coronavirus Langzeitfolgen mitbringt. Was Covid-19 im Körper anrichten kann, das Patienten noch Wochen später beeinflusst und einschränkt, das finden wir gerade nach und nach heraus. Erste Erkenntnisse gibt es. Wie es aber in mehreren Jahren aussieht, wissen wir noch nicht.

Die Langzeitfolgen des Coronavirus: Was kommt da auf uns zu?

Ähnliches ist übrigens schon vom früheren Coronavirus Sars-1 bekannt: Auch hier gibt es Patienten, die noch immer unter den Auswirkungen ihrer damaligen Infektion leiden. Entsprechend wachsam sind Forscher auch bei Sars-CoV-2. Und es gibt erste Erkenntnisse.

"Leichte" Langzeitwirkungen lassen sich etwa bereits anhand einer Studie aus Italien mit 143 Patienten abschätzen: Alle untersuchten Patientinnen und Patienten sind im mittleren Alter und waren aufgrund ihrer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus. Alle sind mittlerweile entlassen, doch über die Hälfte klagt auch Wochen später noch über Atemnot bei leichter Anstrengung, etwa beim Treppensteigen, über Müdigkeit sowie auch über Brust- und Gelenkschmerzen.

Probleme mit dem Nervensystem teilweise über Wochen

Dass sich Patienten auf Langzeitfolgen einstellen müssen, zeichnet sich nach und nach ab, wenn man sich anschaut, wo das Coronavirus im Körper überall Schaden anrichten kann. Früh haben Forscher bereits herausgefunden, dass das zentrale Nervensystem unter dem Coronavirus leidet. Dort greift es neben den Atemwegen anscheinend am häufigsten an. Das erklärt eines der öfter auftretenden Symptome – den Verlust des Geruchssinnes. Patienten, die früh infiziert waren und deren Geruchs- und Geschmackssinn gelitten hat, klagen teilweise Wochen später noch über diese Einschränkung. Dies betrifft auch solche Patienten, bei denen die Krankheit eher mild verlief. Und auch Schwindel ist ein Symptom, das sich dadurch erklären lässt.

Zudem berichten Ärzte nun über diffuse Hirnschäden bei Corona-Patienten. Die Rede ist teilweise sogar von Halluzinationen, Psychosen und anderen Fehlwahrnehmungen. Das haben Forscher aus London etwa anhand von 43 Corona-Patienten festgestellt. Mediziner befürchten, dass solche Probleme auch nach leichten Verläufen auftreten könnten.

Hauptproblem Lunge: Ärzte befürchten irreparable Schäden

Einer der Hauptangriffspunkte des Coronavirus ist aber die Lunge. Dort finden Mediziner bei Patienten mit schwereren Infektionen noch wochenlang Veränderungen im Gewebe. Und auch bei Patienten, die weniger Probleme hatten, zeigen sich milchglasähnliche Veränderungen. Gegenüber der "Zeit" äußert sich etwa Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin: "Die Angst ist, dass die Lunge so stark geschädigt wird, dass sie ihre normale Struktur nicht wieder komplett aufbauen kann." Hinzu kommt, dass die Beatmung in schweren Fällen Schäden anrichten kann, die ebenfalls langfristig zu Buche schlagen.

Das Virus dockt in der Lunge an Zellen an, nimmt sie ein und zerstört sie – sofern sie nicht vom Immunsystem zerstört werden. Dieser Zellschrott sammelt sich zusammen mit Entzündungszellen und Flüssigkeit in der Lunge. Gleichzeitig kollabieren Lungenbläschen – um das Ganze einmal ganz vereinfacht zu erklären. Es entsteht Narbengewebe, das in eine Lungenfibrose ausarten kann. Die betroffenen Stellen können nicht mehr wie gewohnt arbeiten, man weiß noch nicht, wie reparabel diese Schäden sind.

Auf Herz und Nieren: Körper wendet sich gegen sich selbst

Doch im Kampf gegen das Virus schadet der Körper sich in manchen Fällen auch selbst. So haben Ärzte bei manchen Patienten bemerkt, dass das Herz leidet oder die Nieren geschädigt werden.

Auch Monate nach einer Infektion mit dem Coronavirus konnten Mediziner feststellen, dass es entzündliche Veränderungen im Herzmuskel von Patienten gibt. Auch das Herz lässt das Coronavirus also nicht in Ruhe – wenn auch teils über Umwege. Denn je stärker das Immunsystem im Kampf gegen Covid-19 eingreifen muss – und wir wissen noch nicht abschließend, wann genau das der Fall ist – desto wahrscheinlicher sind schwere Nebenerscheinungen, etwa Blutgerinnsel in Gefäßen, die wiederum Schlaganfälle, Lungenembolien oder Herzinfarkte nach sich ziehen. Solche Spätfolgen scheinen allerdings vermehrt bei Patienten mit schwerem Verlauf aufzutreten.

Eine andere Studie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf aber zeigt: Möglicherweise greift Sars-CoV-2 auch direkt Herzzellen an und vermehrt sich darin.

Zudem scheinen auch die Nieren angegriffen zu werden. In manchen Fällen ist von Niereninfarkt und irreversiblen Schäden die Rede. Immerhin: Es wurden auch bestimmte Marker im Urin gefunden – so kann ein Urintest möglicherweise vor schweren Verläufen von Covid-19 warnen.

Bitte nicht unterschätzen: Achten Sie auf sich und andere

Das Coronavirus kann eine ganze Menge mit dem Körper anstellen – und offenbar auch so manchen Infizierten noch lange nach der Genese stark beeinflussen.

Auch, wenn – so wie es derzeit aussieht – etwa vier Fünftel der Infizierten Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge einen milden Verlauf zeigen oder gar ohne Symptome bleiben, können wir bisher nicht richtig abschätzen, wer nun mittel- und langfristig gesundheitliche Probleme entwickelt. Untersuchungen zeigen also: Mittelfristige Folgen können auch nach leichten Verläufen auftreten, und sei es "nur", dass die Lunge nicht mehr so stark belastet werden kann. Auch das ist eine Einschränkung, die den Alltag schwerer gestaltet. Da das bei so vielen leichten Verläufen schwer zu glauben ist, muss die Bevölkerung dafür sensibilisiert werden, auf sich und auf andere dennoch genügend acht zu geben.

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Quellen/Studien:

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