Aktualisiert: 04.08.2020 - 16:40

Coronavirus Ärzteverband: Die zweite Welle läuft schon

Intensivbetten sollen laut Marburger Bund in Etappen freigemacht werden – dem aktuellen Infektionsgeschehen entsprechend. So seien Krankenhäuser auf die zweite Corona-Welle vorbereitet.

Foto: iStock.com/Martin Barraud

Intensivbetten sollen laut Marburger Bund in Etappen freigemacht werden – dem aktuellen Infektionsgeschehen entsprechend. So seien Krankenhäuser auf die zweite Corona-Welle vorbereitet.

Zweite Welle oder doch nicht? Der Ärzteverband Marburger Bund ist sich sicher: Wir befinden uns am Anfang einer zweiten Coronavirus-Welle. Immerhin: Die Krankenhäuser seien gut vorbereitet. Doch wir sollten die Pandemie weiterhin ernst nehmen.

Auch, wenn es viele derzeit nicht wahrhaben wollen und die vergangenen paar Wochen verhältnismäßig entspannt waren: Das Coronavirus ist noch da und wir befinden uns noch immer in einer weltweiten Pandemiesituation. Dass das hierzulande schnell in Vergessenheit gerät, liegt wohl auch daran, dass Deutschland mit der ersten Welle relativ gut klargekommen ist, während die Lage in anderen Ländern weitaus bedrohlicher aussah oder aussieht. Aber Experten sind sich sicher: Überstanden haben wir Corona noch nicht.

Der Ärzteverband Marburger Bund sieht Deutschland am Anfang einer zweiten Corona-Welle. Immerhin könne diese womöglich flacher ablaufen als noch im März und April. Doch der Verband warnt die Bevölkerung: Wir müssen wachsam bleiben und uns weiter an die Hygieneregeln halten.

"Zweite, flache Anstiegswelle": Erfolge nicht verspielen!

Die Zahl der Neuinfektionen steigt derzeit wieder. Das sieht auch Susanne Johna, Vorsitzende des Ärzteverbandes, die mit der "Augsburger Allgemeinen" gesprochen hat. "Damit ist die Gefahr, dass wir die Erfolge, die wir bislang in Deutschland erzielt haben, in einer Kombination aus Verdrängung und Normalitätssehnsucht wieder verspielen", warnt sie eindringlich. Wir sollten uns daher dringend weiter an die Regeln halten.

Sie betont: "Wir alle haben eine Sehnsucht nach Normalität. Aber wir sind eben in einem Zustand, der nicht normal ist." Die Verbreitung müsse so lange eingedämmt werden, wie es keine wirksamen und breit verfügbaren Arzneimittel zur Behandlung von Covid-19 gebe. Damit betont sie das, was Experten immer wieder sagen: Je mehr wir jetzt auf die Regeln achten, desto schneller und glimpflicher kommen wir auch wieder in einer Situation der Normalität an. Wenn wir die Erfolge jetzt verspielen, kommen hingegen noch mehr Einschränkungen auf uns zu.

Vergleich der Mundschutzpflicht: Auch gegen den Sicherheitsgurt im Auto gab es einst Proteste

Johna verteidigt die Auflagen, auch im Blick auf die Proteste am vergangenen Wochenende in Berlin. Die Maskenpflicht sei ihrer Ansicht nach vergleichbar mit der Einführung des Sicherheitsgurtes im Auto. Auch dagegen habe es damals heftigen Widerstand gegeben. Ähnlich fühlten sich heute viele Menschen von einer Mundschutzpflicht bevormundet. Doch das Gegenteil sei der Fall: So wie der Gurt Leben rette, "so rettet auch der Mundschutz Leben", sagt sie.

Krankenhäuser seien auf steigende Zahlen vorbereitet

Johna erklärt, dass die Kliniken – anders als noch im März – besser auf steigende Covid-19-Patientenzahlen vorbereitet seien. So könne diesmal nicht pauschal, sondern am Bedarf orientiert freigehalten werden. So kann auch verhindert werden, dass unnötigerweise Betten freigehalten werden, die dann doch nicht gebraucht werden, sowie dass wichtige Operationen verschoben werden.

Betten werden zeitlich gestaffelt freigehalten

Entsprechend der Entwicklung der Pandemie wird zeitlich gestaffelt bestimmt, wie viele Betten freigehalten werden. Der Marburger Bund stellt sich das so vor: In Stufe 1 wird eine geringere Anzahl an Intensivbetten freigehalten. Sind diese alle belegt, wird nach 24 Stunden Stufe 2 auf den Plan gerufen, in der die Kapazitäten erweitert werden. "So geht das Schritt für Schritt weiter, bis man dann in der höchsten Alarm- und Ausbaustufe alle für Covid-19-Patienten verfügbaren Intensivkapazitäten ausschöpft", erklärt Johna das Vorgehen.

Im Mai stand uns eine Epidemiologin noch Rede und Antwort dazu, wie sich eine zweite Infektionswelle vorhersehen und verhindern lässt. Möglicherweise haben wir das bereits verspielt. Mit diesem Plan kann es schaffbar sein, Fälle aufzufangen, ohne das regulär wichtige Krankenhaustreiben wieder einschränken zu müssen. Dafür müssen aber auch wir als Bevölkerung mitarbeiten: Indem wir das Geschaffte nicht aufs Spiel setzen und uns weiter an Abstandsregeln und, ja, auch an Mund-Nasen-Bedeckung in Bus, Bahn und beim Einkaufen halten. So können wir verhindern, dass das Infektionsgeschehen rapide ansteigt – und bleiben vor erneuten stärkeren Einschränkungen verschont. Es liegt eben auch an uns, das Coronavirus so schnell wie möglich, ohne allzu große Verluste und ohne allzu große Einschränkungen loszuwerden.

Hier finden Sie eine interaktive Karte zur aktuellen Ausbreitung von Sars-CoV-2 in Deutschland.

So schützen Sie sich und andere vor dem Coronavirus.

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