03.08.2020 - 13:55

Nach dem Schwimmen im See Vorsicht, Zerkarien: Daher kommt die Badedermatitis

Wer im See schwimmen geht, sollte am besten von einem Steg aus ins Wasser gehen: So schützen Sie sich nämlich vor Zerkarien, die die juckende Badedermatitis auslösen können.

Foto: iStock.com/pxel66

Wer im See schwimmen geht, sollte am besten von einem Steg aus ins Wasser gehen: So schützen Sie sich nämlich vor Zerkarien, die die juckende Badedermatitis auslösen können.

Juckende Pusteln nach dem Sommerausflug zum See und einem erfrischenden Bad? Das könnte an Zerkarien liegen. Die Parasiten verursachen Hautausschlag – und so schützen Sie sich.

Sie baden gerne im See? Dann sollten Sie jetzt genau weiterlesen. Denn wenn Sie nach dem erfrischenden Nass in der Natur plötzlich rote, juckende Pusteln auf der Haut entdecken, könnten Zerkarien schuld sein: Das sind die Larven von Saugwürmern, die auch in deutschen Binnengewässern vorkommen. Beim Menschen lösen sie die sogenannte Zerkariendermatitis, umgangssprachlich Badedermatitis aus.

Badedermatitis: Zerkarien lieben Sommerwetter

Zerkarien sind winzig kleine, mit bloßem Auge nicht erkennbare Parasiten, die eigentlich Wasservögel befallen, aber nach dem Bad im See auch mal am Menschen haften bleiben. Vor allem verbreiten sie sich, wenn die Wassertemperatur über längere Zeit über 20 °C beträgt und es entsprechend durchgehend sommerlich warm draußen ist. Schon ab dem Frühsommer können sie aber auftreten.

Risikogebiete gibt es in dem Sinne keine, die Larven des Saugwurms können überall in Deutschland in Seen auftreten und sich vermehren, wenn die oben genannten Bedingungen erfüllt sind.

Zerkarien verursachen erst bei Zweitkontakt Beschwerden

Eigentlich reagiert unser Immunsystem gut auf einen Befall mit Zerkarien. Die Parasiten können nach dem Baden im Naturgewässer in unsere Haut eindringen, werden aber in der Regel recht schnell vom Immunsystem entdeckt und abgetötet. Allerdings sensibilisiert sich unser Körper danach auf die Parasiten. Greifen sie später erneut an, reagiert unsere Haut mit einem Ausschlag, der den ganzen Körper betreffen kann.

Vor allem Kinder und Allergiker sind gefährdet, da sie teils stärker reagieren. Die Larven selbst sind für den Menschen ungefährlich, jedoch kann der Hautausschlag als Immunreaktion von starkem Juckreiz begleitet sein. Und wird der aufgekratzt – was bei Kindern schneller passieren kann –, drohen Infektionen.

Zerkariendermatitis: Das sind die Symptome

Eine Badedermatitis zeigt sich nicht immer direkt, weshalb Sie bei Pustelbildung mehrere Tage nach dem Seebad an diese Möglichkeit zurückdenken sollten.

  • Innerhalb von zwölf Stunden nach dem Baden im See werden kleine, rote Flecken sichtbar.
  • Brennende, prickelnde, juckende Haut, ähnlich wie bei einem Mückenstich, oft aber großflächiger. Die Reaktion kann direkt nach dem Baden bis hin zu einigen Tagen später auftreten.
  • An den Folgetagen bilden sich Bläschen und Quaddeln
  • Bei hypersensiblen Personen (Allergiker, möglicherweise Kinder) können Übelkeit, Erbrechen und Fieber auftreten. Dann lieber einen Notarzt rufen.

Innerhalb von rund 20 Tagen heilt der Hautausschlag in der Regel wieder ab.

Was tun bei akuter Badedermatitis?

Ganz wichtig: Auch, wenn es noch so sehr juckt, vermeiden Sie, zu kratzen! Dadurch entstehen schnell kleine Verletzungen, durch die Bakterien und andere Krankheitserreger eindringen und Infektionen auslösen können.

Gegen den Juckreiz helfen Salben, die das Jucken lindern und entzündungshemmend wirken. Fragen Sie in der Apotheke nach passenden Salben, Lotionen oder Gelen. Wie bei Mückenstichen hilft auch Kälte gegen Juckreiz und Schwellungen, etwa durch kalte Kompressen (Vorsicht: Immer mit einem Tuch umwickeln, sonst drohen Erfrierungen!). Ist der Juckreiz sehr stark und sind Sie Allergiker, können orale Antihistaminika ("Allergietabletten") helfen – fragen Sie hierzu bitte vorher Ärzte oder Apotheker um Rat!

Parasiten sind übrigens nur einer von vielen möglichen Ursachen für Hautausschag.

So schützen Sie sich vor Zerkarien

Zerkarien befallen eigentlich Wasservögel – ein Indiz für eine mögliche Gefahr ist demnach die Zahl an Wasservögeln wie Enten, Schwänen und Co im See. Durch den Vogelkot gelangen die Eier des Saugwurms dann ins Wasser, wo sie von Wasserschnecken aufgenommen werden. Und die wiederum scheiden dann die Larven aus, die im Wasser wieder nach Wirten suchen.

Meist befinden sich Zerkarien nah an der Wasseroberfläche und in der Nähe von Ufern und Schilf. Das Umweltbundesamt und das Ministerium für Umwelt des Landes Brandenburg raten daher zum Schutz zu folgendem Verhalten beim Baden in Seen:

  • Meiden Sie Schilf sowie flache Uferbereiche, an denen sich Wasserschnecken aufhalten können. Wenn möglich, über einen Steg ins Wasser gehen und in tiefem Wasser schwimmen.
  • Verzichten Sie darauf, Wasservögel im Badestellenbereich zu füttern.
  • Nutzen Sie Sonnenschutz: Wasserabweisende Sonnencreme macht die Haut undurchlässiger für Zerkarien. Auch andere fetthaltige Cremes helfen.
  • Wechseln Sie Ihre Badekleidung und duschen Sie sich nach dem Baden gut ab und rubbeln Sie sich mit einem Handtuch trocken. Das entfernt Zerkarien, die noch nicht in die Haut eingedrungen sind.

Tipp: Warn- und Hinweisschilder an Badeseen beachten – hier wird manchmal gewarnt, wenn Zerkarienbefall bekannt ist.

In gechlortem Wasser können Zerkarien übrigens nicht überleben. Seen mit übermäßig vielen Wasservögeln sollten Sie zudem generell meiden. Denn Wasservögel scheiden täglich mehr als doppelt so viel Kot aus wie Menschen. Im Kot können sich Keime oder Parasitenlarven aufhalten, die sich dann im Wasser verteilen. Gründliches Abwaschen und Trocknen nach dem Bad im See ist also immer eine gute Idee. Achten Sie vor dem Ausflug auf amtliche Mitteilungen zur Wasserqualität Ihres bevorzugten Sees.

Weniges löst so viel Unbehagen aus wie ein Parasitenbefall. Einer der bekanntesten ist wohl die Krätzmilbe, die die Krätze auslöst. Aber es gibt auch Vertreter wie den Augenwurm.

Viele Parasiten sind sehr klein und kaum zu erkennen. Anders sieht es glücklicherweise mit Zecken aus. Aber auch die können so winzig sein, dass sie schnell übersehen werden. Suchen Sie sich daher nach einem Aufenthalt im hohen Gras immer gut ab – am besten mit Taschenlampe und Lupe. Und auch hier gilt: Auf Zeckenschutz achten – wir verraten, welche Hausmittel helfen.

Mehr Tipps zum Thema Hautpflege auch nach dem Bad im See finden Sie bei uns.

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