Aktualisiert: 30.07.2020 - 21:31

Nach negativen Bewertungen Stiftung Warentest: Impfungen gegen Varicella-Zoster-Viren sind besser geworden

Älteren ab 60 wird die Impfung mit Shingrix gegen Gürtelrose empfohlen. Die Stiftung Warentest hat sich die Impfstoffe gegen Varicella-Zoster-Viren genauer angesehen.

Foto: iStock.com/Pornpak Khunatorn

Älteren ab 60 wird die Impfung mit Shingrix gegen Gürtelrose empfohlen. Die Stiftung Warentest hat sich die Impfstoffe gegen Varicella-Zoster-Viren genauer angesehen.

Windpocken und Gürtelrose werden vom selben Virus ausgelöst: Varicella Zoster. Gegen beide Krankheiten gibt es Impfungen, die die Impf-Experten der Stiftung Warentest in der Vergangenheit eher negativ bewertet hatten. Da hat sich jedoch einiges getan.

Die Kleinen juckt's, die Großen schmerzt's: Im Kindesalter gelten die Windpocken als Erkrankung, die vor allem aufgrund des Juckreizes fast unerträglich ist. Ausgelöst werden sie durch das Virus Varicella Zoster, das zu den Herpesviren gehört. Das Blöde: Die Viren bleiben auch nach Ausklingen der Kinderkrankheit im Körper – und können Jahrzehnte später die Gürtelrose auslösen. Und die kann gehörig weh tun.

Schon lange gibt es Impfungen gegen das Virus in seinen beiden Varianten. Stiftung Warentest hat die Impfungen gegen Varicella Zoster jetzt neu bewertet – nach mehreren negativen Ergebnissen in den Vorjahren.

Stiftung Warentest bewertet Impfungen gegen Windpocken und Gürtelrose neu

Gegen Gürtelrose gibt es seit zwei Jahren einen neuen, sehr viel wirksameren Impfstoff. Gegen die Windpocken sind verschiedene Impfstoffe im Einsatz, die seit 2004, nach Einführung der allgemeinen Impfempfehlung für Kinder, gut anschlagen: Die Impfquote liegt bei Kindern derzeit bei über 80 Prozent. Gab es bis 2004 jährlich rund 750.000 Windpocken-Fälle, sind es heute nur noch etwa 22.600. Die Stiftung Warentest hat daher alle Impfungen nochmals unter die Lupe genommen.

Gürtelrose: Neuer Totimpfstoff Shingrix schützt wirkungsvoll

Die Gürtelrose kann auch nach Verschwinden chronische Schmerzen zurücklassen. Daher ist die Nachfrage nach einer Impfung hoch. Der bis vor kurzem eingesetzte Wirkstoff Zostavax, der mit abgeschwächten Lebendviren arbeitet, wirkt jedoch nur unzureichend. Seit 2018 ist der Totimpfstoff Shingrix auf dem Markt, der nur bestimmte Proteine des Varicella-Zoster-Virus enthält und damit besser verträglich ist. Studien haben gezeigt, dass der Impfstoff eine hohe Immunantwort hervorruft und so weit wirkungsvoller vor Gürtelrose und ihren Folgen schützt.

Ab 60 empfohlen: Die Impfung gegen Gürtelrose

Shingrix ist für Menschen ab 50 zugelassen, wird jedoch erst ab 60 Jahren tatsächlich von den Experten der Stiftung Warentest empfohlen. Das liegt daran, dass das Risiko für Gürtelrose unter 60 noch recht gering ist und noch nicht ganz klar ist, wie lange die Impfwirkung anhält.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät hingegen schon ab 50 zur Impfung, wenn Vorerkrankungen wie Immunschwäche vorliegen. Geimpft wird in zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten.

Allerdings hängt die Empfehlung der Stiftung Warentest auch mit einem praktischen Problem zusammen: Der Impfstoff war 2019 so gefragt, dass es zu Engpässen kam. Daher empfehlen die Experten, mit den Hausärzten individuell abzusprechen, ob die Impfung notwendig und wann sie möglich ist.

Nebenwirkungen noch nicht hundertprozentig klar

Hauptsächlich bemerkte Nebenwirkung sind vorübergehende Schmerzen an der Einstichstelle. Jedoch sind seit der Einführung beim Paul-Ehrlich-Institut Meldungen über Verdachtsfälle von Symptomen einer Gürtelrose nach der Impfung aufgetreten. Dies und mehr wird derzeit in einer Beobachtungsstudie weiter untersucht, um weiterhin Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen.

Die Zulassungsstudien von Shingrix haben aber gezeigt, dass der Impfstoff nahezu alle Gürtelrose-Fälle bei Menschen ab 60 verhindert.

Windpocken: Mehrere Lebendimpfstoffe verfügbar

Bei den Windpocken greifen Ärzte auf verschiedene Lebendimpfstoffe zurück, die mit ihren abgeschwächten Viren laut den von der Stiftung Warentest begutachteten Studien sehr effizient vor einer richtigen Infektion schützen. Varicella-Zoster-Viren werden meist durch Tröpfcheninfektion übertragen und sind sehr ansteckend. Meist tritt die Krankheit im Kindesalter auf und ruft typischerweise einen juckenden Hautausschlag hervor, der sich aber nach einigen Tagen zurückbildet. Kinderkrankheiten wie Windpocken können bei Erwachsenen aber schwerer verlaufen. Komplizierter wird es, wenn sich immungeschwächte Menschen oder Schwangere anstecken und an Windpocken erkranken. Dann kann es zu Problemen wie Lungenentzündung kommen. Bei Schwangeren kann das ungeborene Kind schweren Schaden nehmen.

Haben Kinder die Krankheit einmal durchgemacht, gilt allerdings eine lebenslange Immunität gegen Windpocken. Patienten können später aber eben an Gürtelrose erkranken. Wie wichtig die Windpocken-Impfung tatsächlich ist, wurde in den vergangenen Jahren oft diskutiert. So wurde sie von manchen als unnötig angesehen, da Kinder doch sehr gut mit der Erkrankung klarkommen.

Bei Kindern kann die Impfung hohen Schutz geben und vor schweren Verläufen schützen. Die erste Imfpung (ab dem 11. Lebensmonat) sollte nach Einschätzung der Stiftung-Warentest-Experten mit einem Einzelimpfstoff gegeben werden, um Hautprobleme oder Fieberkrämpfe zu verhindern, die bei der Erstimpfung mit dem Vierfachimpfstoff (Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) in Einzelfällen auftreten können.

Für Erwachsene wird die Windpocken-Impfung mit abgeschwächten Lebendviren dann empfohlen, wenn sie bisher nicht erkrankt waren, im Kindesalter nicht geimpft wurden und bestimmte Risiken haben, etwa Ärzte, Lehrkräfte oder Erzieher sind. Zudem wird sie Menschen aus Risikogruppen wie Neurodermitis-Patienten empfohlen, ebenso etwa vor einer Chemotherapie sowie Frauen mit Kinderwunsch, die bisher nicht mit Varicella-Zoster-Viren in Kontakt gekommen sind.

"Booster-Effekt" spielt nur kleine Rolle: Doppelte Impfung sinnvoller

Kritisch betrachtet wurde die Windpocken-Impfung auch aufgrund der sogenannten "Booster-Theorie", nach der es für Erwachsene, die einmal an Windpocken erkrankt waren, sinnvoll ist, immer mal mit Kindern mit Windpocken in Kontakt zu kommen, um das Immunsystem an die Viren zu "erinnern". Je mehr geimpfte Kinder es aber gebe, desto seltener gebe es diese Erinnerung. Neuere Studien zeigen jedoch, dass der "Booster-Effekt" zwar existiert, aber weniger wichtig ist als angenommen.

Als sinnvoller erachten Ärzte daher, Kinder gegen Windpocken und Ältere gegen Gürtelrose zu impfen.

Impfung gegen Gürtelrose irgendwann vielleicht nicht mehr notwendig

Langzeitdaten fehlen zwar noch, aber es zeichnet sich wohl ab, dass gegen Windpocken geimpfte Kinder später auch einen Schutz gegen Gürtelrose haben. Daher ist es möglich, dass die Gürtelrose-Impfung selbst irgendwann überflüssig wird. Bisher beziehen sich die Beobachtungen aber nur auf die seltene Gürtelrose bei Kindern.

Dennoch: Wie bei allen Impfungen ist der gesellschaftliche Nutzen bei der Windpockenimpfung hoch, betonen auch die Experten der Stiftung Warentest. Wer nicht erkrankt, steckt auch niemanden an, der möglicherweise nicht oder noch nicht geimpft werden kann. Denn gerade bei den Windpocken gibt es ein Problem: Schwangere, die wie erwähnt die Infektion an ihre ungeborenen Kinder weitergeben können, dürfen nicht geimpft werden. Denn für einen Embryo können auch die im Impfstoff enthaltenen abgeschwächten Viren gefährlich werden.

Schon gepiekst? Die wichtigsten Impfungen im Überblick

Hier finden Sie die Ergebnisse der Stiftung Warentest zu den Impfungen gegen Gürtelrose und Windpocken. Dort lesen Sie auch, wie die Experten beim Test vorgegangen sind.

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