Aktualisiert: 18.11.2020 - 17:34

Coronavirus bekämpfen Die Impfstoffe kommen – und diese Herausforderungen mit ihnen

Wenn der Impfstoff kommt: Wer wird zuerst geimpft?

Wenn der Impfstoff kommt: Wer wird zuerst geimpft?

Dank Biontech werden die ersten Menschen in Deutschland schon 2021 gegen eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus geimpft werden. Über die Frage, welche Personengruppen zuerst geimpft werden, diskutieren Experten und Politiker.

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Alle Welt wartet darauf, dass die Coronavirus-Pandemie endet. Einen Lichtblick geben die enormen Fortschritte in der Impfstoffentwicklung. Noch dieses Jahr könnten die ersten Impfungen starten. Doch mit den Zulassungen kommen noch einige Hürden auf die Welt zu.

Eins ist klar. Von jetzt auf gleich verschwindet das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2, das die ganze Welt mit der mysteriösen Erkrankung Covid-19 in Atem hält, wohl nicht. Wir müssen also irgendwie damit umgehen. Große Hoffnung wird dabei auf die Impfstoffe gelegt, die wohl schon bald kommen. Aber Impfstoffe benötigen doch eigentlich viel länger in der Entwicklung – und werden zudem auch nicht unkritisch gesehen.

Ende des Jahres könnte es aber bereits erste Impfungen geben, die Weichen werden gestellt. Doch damit kommen neue Herausforderungen rund um Corona-Impfstoffe:

Die Welt sucht den Corona-Impfstoff – und steht vor Herausforderungen

Impfungen haben uns ja schon vor so einigen Infektionskrankheiten gerettet. Die Pocken etwa sind ausgerottet. Die Masern sind nah dran – doch aufgrund von Impflücken wird es wohl noch dauern, bis wir diese hochansteckende Krankheit mit ihren schweren möglichen Folgeschäden los sind. Und doch: Impfungen werden auch kritisiert. Teils zu Recht, teils aus Unwissen.

Kritik wird derzeit besonders an der unheimlich schnellen Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 geäußert. Die Krankheit kennen wir zwar mittlerweile besser, aber noch immer nicht vollständig. Wir können aber langsam absehen, dass nach überstandener Infektion durchaus auch Folgeschäden zurückbleiben können. Aber auch das Virus selbst wandelt sich, ebenso wie wir die Immunreaktion und das Bleiben von Antikörpern noch nicht gänzlich verstanden haben – das macht es unwahrscheinlich, dass nur eine Impfdosis fürs ganze Leben ausreichen wird. Und eigentlich braucht die Entwicklung eines Impfstoffes ja auch viel länger...

Warum geht das alles so schnell?

Diesen letzten Teil aber können wir zumindest ein wenig erklären: Es stimmt, ein Impfstoff, der von der Pike an neu entwickelt wird, braucht normalerweise sehr lange, teilweise Jahrzehnte, bis er zugelassen und verteilt werden kann. Warum geht's jetzt also so schnell? Weil es bereits Ansätze in der Impfstoffentwicklung gegen die anderen, ähnlichen Coronaviren Sars und Mers gab, weil neue Impfstoffarten schneller entwickelt werden können und weil die Prozesse im Angesicht der Pandemiebedrohung stark überarbeitet wurden: So konnten Studienphasen zeitgleich ablaufen und im Falle des Impfstoffes von Biontech und Pfizer z.B. ist es so, dass dieser in der EU bereits seit Oktober parallel zur Entwicklung von den Behörden geprüft wird, was eine schnellere Zulassung ermöglicht.

Und so stehen wir nun vor einem enormen Durchbruch im Kampf gegen die Corona-Pandemie: Die ersten Impfstoffe zeigen fantastische Wirksamkeiten und Sicherheiten und könnten teilweise noch Ende 2020 an einen Teil der Bevölkerung verteilt werden. Doch damit kommen weitere Herausforderungen und alte bleiben bestehen:

Herausforderung 1: Die Wirkung

Es befinden sich unzählige potentielle Impfstoffe in der Forschung, einige davon werden bereits in klinischen Studien an Menschen getestet. Und die ersten stehen in den Startlöchern: Sowohl Biontech und Pfizer als auch Moderna rechnen mit einer Zulassung noch 2020 und AstraZeneca könnte nachrücken. Doch nicht nur das: Erstere beiden Entwickler haben für ihre Impfstoffe eine Wirkung von rund 95 Prozent festgestellt. Das ist enorm. Zum Vergleich: Die US-Arzneimittelbehöde FDA fordert eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent. Vorher wird nicht zugelassen. Jedes Prozent mehr ist natürlich gut.

Aber auch eine teilweise wirksame Impfung, wie es sie etwa beim Grippeimpfstoff gibt, wäre hilfreich, denn sie würde zumindest die Zahl der schweren Verläufe senken.

Herausforderung 2: Die Wirkungsdauer

Die Masernimpfung wirkt ein Leben lang, die Grippeimpfung nur eine Saison lang. Bei Covid-19 wird die Wirkungsdauer wohl irgendwo dazwischenliegen – vermutlich aber näher am Grippeimpfstoff. Die Frage ist auch einfach, wie lange Antikörper – ob durch überstandene Krankheit entwickelt oder durch Anregung durch den Impfstoff – im Körper bleiben und auch ihren Dienst leisten. Unser Körper kann sich aber mit mehr als nur mit Antikörpern zur Wehr setzen.

Mit der Zeit muss sich dann zudem herausstellen, ob Auffrischimpfungen notwendig werden, und wenn ja, in welcher Regelmäßigkeit.

Klar ist bereits: Für die hohe Wirksamkeit und einen erstmal ausreichenden Schutz sind im Falle der Impfung von Biontech und Pfizer zwei Impfdosen im Abstand von vier Wochen notwendig.

Herausforderung 3: Die Sicherheit

Einer der oder vielmehr DER wichtigste Punkt ist die Sicherheit der Impfung. Was bringt eine Impfung, wenn sie schwere Nebenwirkungen verursacht? Daher muss zuvor akribisch getestet werden. Der Nutzen einer Impfung muss eindeutig möglichen Schaden überwiegen.

Wie erwähnt, werden einige potentielle Impfstoffe bereits an Menschen getestet. Bisher klagt die Mehrheit über leichte Nebenwirkungen wie Fieber und Müdigkeit sowie Schmerzen an der Injektionsstelle – letztere aber schmerzt oft bei Impfungen, diese leichten Probleme gehen aber nach kurzer Zeit weg.

Dennoch muss vor allem geprüft werden, wie schwächere, bereits gesundheitlich angeschlagene Menschen sowie Ältere und auch Babys auf eine Impfung reagieren und ob sie sie genauso gut vertragen wie gesunde Erwachsene. Daher gibt es für jeden potentiellen Impfstoffkandidaten nicht nur einen Test, sondern gleich mehrere, immer mit größeren Testgruppen. Je größer die Gruppe, desto besser werden auch seltenere Nebenwirkungen entdeckt, auf die dann vielleicht noch besonderes Augenmerk geworfen werden muss.

Auch hier die guten Neuigkeiten: Der Imfpstoff von Biontech und Pfizer soll laut neuesten Erkenntnissen sehr sicher sein – und zwar durch alle Altersgruppen hinweg. Bei älteren Testpersonen sollen die Nebenwirkungen sogar noch schwächer ausgeprägt gewesen sein als bei jüngeren. Mehr dazu: Corona-Impfstoff von Pfizer & Biontech: "sicher und zu 95 Prozent wirksam"

Wirkung und Sicherheit sind übrigens mit Erhalt der Zulassung nicht zu Ende überprüft. Vielmehr werden die Impfstoffe in den kommenden Jahren weiter beobachtet und bei Bedarf weiterentwickelt.

Herausforderung 4: Wann kommt der Impfstoff

Die Zulassung bedarf einiger Zeit, da sich Fragen gestellt werden müssen, wie sicher der Impfstoff ist und ob er tatsächlich vielversprechend wirkt. Biontech hat daher bereits im Oktober ihren Impfstoff in der EU-Prüfung.

Doch damit nicht genug: Dann müssen Herstellungskapazitäten geschaffen werden – und das werden eine ganze Menge sein, wir sprechen hier von der gesamten Weltbevölkerung. Und die Verbreitung wird dann auch noch einmal eine logistische Herausforderung – etwa, wenn ein Impfstoff kühl gelagert werden muss. Die Kostenfrage ist dann noch einmal eine weitere.

So mancher Mediziner beäugt Angaben wie "wir haben den Impfstoff bis Ende 2020" daher kritisch, wecken sie doch falsche Erwartungen bei den Menschen. Klar ist: Auch wenn ein Impfstoff erwiesenermaßen wirkt, vergeht noch viel Zeit, bis er wirklich beim Einzelnen ankommt.

Herausforderung 5: Die breite Bevölkerung

Ein gewisses Misstrauen ist gesund – vor allem, wenn es um Substanzen geht, die unserem Körper zugeführt werden. In den letzten Jahren hat die Zahl der Impfkritiker aber vor allem aufgrund von Falschinformationen zugenommen. So wird immer noch einer mittlerweile zurückgezogenen und vielfach widerlegten Studie bezüglich Autismus nach Masernimpfung Glauben geschenkt.

Es kommt also darauf an, das Vertrauen der breiten Bevölkerung in den (oder die) Impfstoff(e), die sich durchsetzen, aufzubauen und zu halten. Das funktioniert nur, wenn alle oben genannten Punkte zufriedenstellend beantwortet werden können. Und wenn das Bewusstsein der Bevölkerung für die von dieser Krankheit ausgehende potentielle Gefahr geschärft wird. Der wohl wichtigste Punkt ist also der, der sich durch all diese fünf Herausforderungen zieht: die größtmögliche Transparenz.

Dazu kommt die Logistik: Impfstoffe können nur nach und nach hergestellt werden, die Dosen werden anfangs nicht für jeden reichen. Zudem müssen sie verteilt werden. Deutschland hat bereits Impfdosen verschiedener Hersteller bestellt.

Die Logistik wird ein Problem. So muss etwa der Biontech/Pfizer-Impfstoff bei -70 °C gelagert werden. Es braucht also spezielle Kühltransporter und Vorrichtungen.

Gelagert werden soll in Deutschland u.a. bei der Bundeswehr, und in den Impfzentren, die jetzt errichtet werden: So läuft die Corona-Impfung ab! Wann und wo geimpft werden soll:

Muss wirklich jeder geimpft werden?

Auch dieser Punkt ist noch nicht ganz geklärt. Es wird erst einmal so laufen, wenn noch wenig Impfstoff da ist, dass Risikopatienten sowie Menschen, die mit Erkrankten arbeiten oder Kontakt haben, vorrangig geimpft werden. Möglicherweise ist die Impfung für gesunde Menschen auch langfristig gar nicht notwendig – etwa, wenn wir mehr über das Virus und seine Folgen im Körper erkannt und vielleicht sogar gute Medikamente entwickelt haben.

Auch wenn jetzt erste Impfungen sogar noch dieses Jahr erfolgen könnten, wird es viele Monate dauern, bis die breite Öffentlichkeit geimpft ist. Wir müssen uns also trotz Impfstoff-Hoffnung noch auf eine Zeit der Einschränkungen einstellen: So verbreitet sich das Coronavirus mit und ohne Maßnahmen

Zudem müssen wir uns ins Gedächtnis rufen: Die Impfung gegen Sars-CoV-2 ist nicht der alleinige Ausweg aus der Krise. Es gibt noch so viel, was wir über das Coronavirus lernen müssen. Sars-CoV-2 verschwindet nicht so einfach. Bis Auswege gefunden sind, können wir alle aber zusammenhalten und mithelfen, die Pandemie so gut es geht einzudämmen: Indem wir weiter Abstand halten und Maske über Mund und Nase tragen und so uns und andere vor dem Coronavirus schützen. Bleiben Sie gesund!

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