28.07.2020 - 14:50

Coronavirus Diese Herausforderungen gibt es auf dem Weg zum Impfstoff

Die Welt soll geimpft werden – aber was ist auf dem Weg dahin zu beachten? Und muss das überhaupt sein? 5 große Herausforderungen gibt es für den Coronavirus-Impfstoff.

Foto: iStock.com/Nastco

Die Welt soll geimpft werden – aber was ist auf dem Weg dahin zu beachten? Und muss das überhaupt sein? 5 große Herausforderungen gibt es für den Coronavirus-Impfstoff.

Alle Welt wartet darauf, dass die Coronavirus-Pandemie endet. Doch so einfach ist das nicht. Viele hoffen daher auf einen wirkungsvollen, schnell verfügbaren Impfstoff. Doch erneut: so einfach ist das nicht. Wir müssen uns gewissen Herausforderungen stellen, die auch Rückschläge provozieren können.

Eins ist klar. Von jetzt auf gleich verschwindet das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2, das die ganze Welt mit der mysteriösen Erkrankung Covid-19 in Atem hält, wohl nicht. Wir müssen also irgendwie damit umgehen. Große Hoffnung wird dabei auf einen Impfstoff gelegt. Doch Impfstoffe benötigen eigentlich viel länger in der Entwicklung – und werden zudem auch nicht unkritisch gesehen. Welche Herausforderungen es bei der Impfstoff-Suche gibt:

Die Welt sucht den Corona-Impfstoff – und steht vor Herausforderungen

Impfungen haben uns ja schon vor so einigen Infektionskrankheiten gerettet. Die Pocken etwa sind ausgerottet. Die Masern sind nah dran – doch aufgrund von Impflücken wird es wohl noch dauern, bis wir diese hochansteckende Krankheit mit ihren schweren möglichen Folgeschäden los sind. Und doch: Impfungen werden auch kritisiert. Teils zu Recht, teils aus Unwissen.

Kritik wird auch an der unheimlich schnellen Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 geäußert. Die Krankheit kennen wir kaum, können aber langsam absehen, dass nach überstandener Infektion durchaus auch Folgeschäden zurückbleiben können. Aber auch das Virus selbst wandelt sich, ebenso wie wir die Immunreaktion und die Bleibe von Antikörpern noch nicht gänzlich verstanden haben – das macht es unwahrscheinlich, dass nur eine Impfdosis fürs ganze Leben ausreichen wird. Und eigentlich braucht die Entwickung eines Impfstoffes ja auch viel länger... Wir stehen also vor jeder Menge Herausforderungen.

Herausforderung 1: Die Wirkung

Derzeit befinden sich über 150 potentielle Impfstoffe in der Entwicklung, einige davon werden bereits in klinischen Studien an Menschen getestet. Dennoch wird es den einen, perfekten Wirkstoff, mit dem die Welt wieder beim Alten wäre, nicht geben. Die US-Arzneimittelbehöde FDA fordert eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent. Vorher wird nicht zugelassen. Jedes Prozent mehr ist natürlich gut.

Aber auch eine teilweise wirksame Impfung, wie es sie etwa beim Grippeimpfstoff gibt, wäre immerhin hilfreich, denn sie würde zumindest die Zahl der schweren Verläufe senken.

Herausforderung 2: Die Wirkungsdauer

Die Masernimpfung wirkt ein Leben lang, die Grippeimpfung nur eine Saison lang. Bei Covid-19 wird die Wirkungsdauer wohl irgendwo dazwischenliegen – vermutlich aber näher am Grippeimpfstoff. Die Frage ist auch einfach, wie lange Antikörper – ob durch überstandene Krankheit entwickelt oder durch Anregung durch den Impfstoff – im Körper bleiben und auch ihren Dienst leisten. Unser Körper kann sich aber mit mehr als nur mit Antikörpern zur Wehr setzen.

Mit der Zeit muss sich dann zudem herausstellen, ob Auffrischimpfungen notwendig werden, und wenn ja, in welcher Regelmäßigkeit.

Herausforderung 3: Die Sicherheit

Einer der oder vielmehr DER wichtigste Punkt ist die Sicherheit der Impfung. Was bringt eine Impfung, wenn sie schwere Nebenwirkungen verursacht? Daher muss zuvor akribisch getestet werden. Der Nutzen einer Impfung muss eindeutig möglichem Schaden überwiegen.

Wie erwähnt, werden einige potentielle Impfstoffe bereits an Menschen getestet. Bisher klagt die Mehrheit über leichte Nebenwirkungen wie Fieber und Müdigkeit sowie Schmerzen an der Injektionsstelle – letztere aber schmerzt oft bei Impfungen, diese leichten Probleme gehen aber nach kurzer Zeit weg.

Dennoch muss vor allem geprüft werden, wie schwächere, bereits gesundheitlich angeschlagene Menschen sowie Ältere und auch Babys auf eine Impfung reagieren und ob sie sie genauso gut vertragen wie gesunde Erwachsene. Daher gibt es für jeden potentiellen Impfstoffkandidaten nicht nur einen Test, sondern gleich mehrere, immer mit größeren Testgruppen. Je größer die Gruppe, desto besser werden auch seltenere Nebenwirkungen entdeckt, auf die dann vielleicht noch besonderes Augenmerk geworfen werden muss.

Herausforderung 4: Wann kommt der Impfstoff

Nach erfolgreichen Tests kommen aber noch weitere Hürden: Denn auch die Zulassung bedarf einiger Zeit, da sich Fragen gestellt werden müssen, wie sicher der Impfstoff ist und ob er tatsächlich vielversprechend wirkt. Dann müssen Herstellungskapazitäten geschaffen werden – und das werden eine ganze Menge sein, wir sprechen hier von der gesamten Weltbevölkerung. Und die Verbreitung wird dann auch noch einmal eine logistische Herausforderung – etwa, wenn ein Impfstoff kühl gelagert werden muss. Die Kostenfrage ist dann noch einmal eine weitere. So mancher Mediziner beäugt Angaben wie "wir haben den Impfstoff bis Ende 2020" daher kritisch, wecken sie doch falsche Erwartungen bei den Menschen. Klar ist: Auch wenn ein Impfstoff erwiesenermaßen wirkt, vergeht noch viel Zeit, bis er wirklich beim Einzelnen ankommt.

Herausforderung 5: Die breite Bevölkerung

Ein gewisses Misstrauen ist gesund – vor allem, wenn es um Substanzen geht, die unserem Körper zugeführt werden. In den letzten Jahren hat die Zahl der Impfkritiker aber vor allem aufgrund von Falschinformationen zugenommen. So wird immer noch einer mittlerweile zurückgezogenen und vielfach widerlegten Studie bezüglich Autismus nach Masernimpfung Glauben geschenkt. Es kommt also darauf an, das Vertrauen der breiten Bevölkerung in den (oder die) Impfstoff(e), die sich durchsetzen, aufzubauen und zu halten. Das funktioniert nur, wenn alle oben genannten Punkte zufriedenstellend beantwortet werden können. Und wenn das Bewusstsein der Bevölkerung für die von dieser Krankheit ausgehende potentielle Gefahr geschärft wird. Der wohl wichtigste Punkt ist also der, der sich durch all diese fünf Herausforderungen zieht: die größtmögliche Transparenz.

Muss wirklich jeder geimpft werden?

Auch dieser Punkt ist noch nicht ganz geklärt. Es kann auch durchaus sein – und so wird es vermutlich erst einmal laufen, wenn noch wenig Impfstoff da ist – dass Risikopatienten sowie Menschen, die mit Erkrankten arbeiten oder Kontakt haben, vorrangig geimpft werden. Möglicherweise ist die Impfung für gesunde Menschen auch langfristig gar nicht notwendig – etwa, wenn wir mehr über das Virus und seine Folgen im Körper erkannt und vielleicht sogar gute Medikamente entwickelt haben.

Klar ist: Bis diese Punkte nicht klar sind, wird auch kein Impfstoff zugelassen. Zudem müssen wir uns ins Gedächtnis rufen: Die Impfung gegen Sars-CoV-2 ist nicht der alleinige Ausweg aus der Krise. Es gibt noch so viel, was wir über das Coronavirus lernen müssen. Sars-CoV-2 verschwindet nicht so einfach. Bis Auswege gefunden sind, können wir alle aber zusammenhalten und mithelfen, die Pandemie so gut es geht einzudämmen: Indem wir weiter Abstand halten und Maske über Mund und Nase tragen und so uns und andere vor dem Coronavirus schützen. Bleiben Sie gesund!

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