27.07.2020 - 20:41

Landesärztekammer warnt Maskenpflicht-Befreiung: Daher sind Gefälligkeitsatteste falsch

So mancher Arzt stellt derzeit auch Atteste gegen die Maskenpflicht aus, ohne die "Patienten" überhaupt gesehen zu haben. Vor diesen Gefälligkeitsattesten warnt die Bundesärztekammer Hessen.

Foto: iStock.com/NanoStockk

So mancher Arzt stellt derzeit auch Atteste gegen die Maskenpflicht aus, ohne die "Patienten" überhaupt gesehen zu haben. Vor diesen Gefälligkeitsattesten warnt die Bundesärztekammer Hessen.

Maske trägt keiner gern – und doch ist es in Zeiten einer weltweiten Pandemie wichtig und vor allem sozial. Diverse Ärzte bieten Maskenmuffeln aber Atteste an, um sie von der Maskenpflicht zu befreien. Nicht in allen Fällen ein feiner Zug...

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie herrscht vielerorts sogar Maskenpflicht. So müssen wir beim Einkaufen oder beim Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Mund-Nasen-Bedeckung über, ja, Mund UND Nase tragen. Es gibt natürlich Menschen, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen von dieser Maskenpflicht ausgenommen sind und dazu ein Attest vorweisen können. Viele Mitbürger empfinden das Tragen einer Maske aber einfach als unangenehm und einschneidend in die persönliche Entfaltung. Nun gibt es Ärzte, die auch diesen Mitbürgern ohne Nachfrage Atteste ausstellen. Vor diesen Gefälligkeitsattesten, die von der Maskenpflicht befreien, warnt nun die Landesärztekammer Hessen die Ärzte.

Gefälligkeitsatteste: Ärzte sollen Sorgfaltspflicht nachkommen

Ihr Kritikpunkt ist eindeutig: Ärzte müssen bei der Ausstellung ärztlicher Zeugnisse und Gutachten die nötige Sorgfalt an den Tag legen und ihre ärztliche Überzeugung nach bestem Wissen aussprechen. "Zur gewissenhaften ärztlichen Berufsausübung gehören insbesondere die Einhaltung der Regelungen in der Berufsordnung", mahnte daher Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärzte­kammer Hessen.

Den Ärzten, die ohne tatsächliche, korrekte Diagnose ein solches Gefälligkeitsattest ausstellen, drohen berufsrechtliche Maßnahmen, betonte Pinkowski. Unter Umständen machten sie sich wegen Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse strafbar.

Ausnahme der Maskenpflicht nur in Einzelfällen

In Einzelfällen könne es durchaus Ausnahmen von der "Maskenpflicht" geben, sagte Pinkowski. Die könne durchaus für Kinder oder eben gesundheitlich eingeschränkte Personen gelten, wenn ihnen das Tragen einer Maske nicht zumutbar oder nicht möglich sei. Er betont aber: "Hierfür ist dann allerdings eine ärztliche Bescheinigung auf der Grundlage einer gesicherten Diagnose – zum Beispiel einer schweren Herz- oder Lungenerkrankung – erforderlich." Und diese Diagnose müsse stimmen.

Die Verbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 könne nur durch konsequentes Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln eingedämmt werden. Und dazu, betonte Pinkowski, gehöre eben auch das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen.

Initiative bietet Atteste ohne Untersuchung an – getrieben von Verschwörungstheorien

Gefälligkeitsatteste sind strafbar. Aufwind hatte die Diskussion darum gewonnen, nachdem eine Initiative von Ärztinnen und Ärzten bundesweit bekanntgab, Atteste gegen die Maskenpflicht auszustellen – auch ohne vorherige Untersuchung. Die Initiative "Ärzte für Aufklärung" wirbt damit, Atteste gegen die Maskenpflicht auch "großzügig" auszustellen.

Ausschlaggebend für dieses Vorgehen ist, dass führende Köpfe dieser Initiative hinter den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus eine Weltverschwörung vermuten. Das Virus sei nicht so gefährlich, als dass eine Maske notwendig sei, heißt es etwa. Und sie rufe bei vielen Menschen erst Beschwerden hervor. "Report Mainz" hatte recherchiert – die Initiative habe aber für ein Gespräch nicht zur Verfügung gestanden, heißt es seitens tagesschau.de. So gab es dort sogar mindestens einen Arzt, der anbot, nach vorheriger schriftlicher Diagnose ein Attest per Mail zu schicken – gegen eine Gebühr von 50 Euro.

Bewiesen ist jedenfalls: unter dem Mundschutz atmen Sie NICHT zu viel CO2 ein. Ausschlaggebend für die Verwirrung rund um das Coronavirus sind sicherlich auch die Massen an (oft falschen) Informationen über das Internet, die in vielen Fällen ungeprüft an die Menschen gehen und dort Auswirkungen wie Panik und Misstrauen haben. Die WHO ist sich sicher: Informationsflut ist gesundheitsschädlich und möchte mit einer neuen Forschungsdisziplin dagegen angehen. Und ja, wir brauchen die Maske wirklich noch. Und zwar in den Momenten, in denen Abstand einfach nicht möglich ist. Sie hilft uns, Zeit zu gewinnen, um das Coronavirus besser verstehen und damit leben zu lernen, ohne Menschen zu gefährden.

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