Aktualisiert: 17.07.2020 - 20:11

Zerstört die Virenhülle Virenkiller: Diese Masken töten Coronaviren ab

Wir greifen uns am Tag ganz schön häufig ins Gesicht – oft einfach, um unsere Maske zu richten. Das kann die Infektionsgefahr aber erhöhen. Daher werden derzeit Masken entwickelt, die Viren inaktivieren können.

Foto: iStock.com/Oleg Shuldiakov

Wir greifen uns am Tag ganz schön häufig ins Gesicht – oft einfach, um unsere Maske zu richten. Das kann die Infektionsgefahr aber erhöhen. Daher werden derzeit Masken entwickelt, die Viren inaktivieren können.

Diese Neuheit würde wohl allen Maskenkritikern den letzten Funken Überzeugung nehmen: Weltweit arbeiten Unternehmen an Masken, die Krankheitserreger sogar abtöten können. Forscher bedienen sich dabei an Vorbildern aus der Natur.

Sie sind hochgradig unbeliebt, dabei können sie nachweislich Infektionen verhindern. Vor allem als Fremdschutz eignet sich die Mund-Nasen-Maske – und soll aus diesem Grund derzeit auch überall dort getragen werden, wo Abstand nicht immer möglich ist. Dabei haben die Masken aber leider nicht nur diesen Vorteil. Falsch gehandhabt können sie auch zur Gefahr werden. Zudem halten sie je nach Beschaffenheit nicht alles an infektiösem Virenmaterial ab. Das könnte sich jetzt ändern: mit virentötenden Masken, die laut Forschern auch das Coronavirus Sars-CoV-2 aufhalten können.

Virentötende Masken: Von beiden Seiten gegen Erreger

Die Masken, die wir derzeit im öffentlichen Raum tragen sollten, haben einen ganz bestimmten Zweck: Sie halten Tröpfchen auf, die wir beim Husten und Niesen, aber auch beim Sprechen ausstoßen. So aufgehaltenen Tröpfchen können Coronaviren oder auch andere Krankheitserreger enthalten, die sich möglicherweise unbemerkt in unserem Körper tummeln. Eine Maske aus Vlies oder aus Stoff ist zwar nicht ganz dicht. Jedoch hält sie größere Tröpfchen durchaus gut auf. Das haben diverse Studien mittlerweile beweisen können. Mit dem Tragen einer solchen Maske schützen wir also nicht vorrangig uns selbst, sondern andere (sofern wir die Maske auch ihrer Bestimmung nach über Mund UND Nase tragen).

Uns selbst kann die Maske auch ein bisschen schützen. Das funktioniert aber nur, wenn sie richtig gehandhabt wird: Mit sauberen Fingern aufgesetzt – danach gilt es, die Hände aus dem Gesicht zu lassen. Regelmäßig (nach jeder Benutzung) gewechselt, entsorgt oder gewaschen. Nicht bis zum Zerfallen getragen. Das aber erweist sich als umständlich und anscheinend nicht für jeden ohne weiteres durchführbar.

Ein großes Problem dabei: Der Mensch fasst sich im Schnitt rund 23 Mal pro Stunde ins Gesicht. An den Fingern aber kleben jede Menge Krankheitserreger. Bakterien, Keime, Viren. Übrigens auch, oder vor allem dann, wenn man Handschuhe trägt, mit denen man vorher irgendwo anders herumgefischt hat. Dabei landen theoretisch auch Erreger auf dem Stoff der Maske. Und dort bleiben sie, nachweislich sogar über mehrere Stunden. Dabei können sie theoretisch natürlich auch eingeatmet werden. Was könnte also helfen? Eine Maske, deren Stoff Viren inaktiviert, also sozusagen tötet. Eine solche Maske tötet also Viren ab, die wir ausatmen, aber auch die, die von außen auf sie drauftreffen. Und trotzdem können wir problemlos durch sie hindurchatmen. Zukunftsmusik? Mitnichten. Diese Masken werden derzeit entwickelt.

Kanadische Firma entwickelt Masken mit antimikrobiotischer Beschichtung

Schlagzeilen machen gerade die Masken des Modells Triomed Active des kanadischen Unternehmens I3 Biomedical. Die Masken sind mit einer antimikrobiotischen Schicht überzogen.

Gerade für medizinisches Personal wären solche Masken ein "Segen", erklären die Forscher der Universität Toronto, die sich die Masken der kandischen Firma genauer angesehen hat. Denn auf der Außenseite chirurgischer Masken konnten zuvor auch nach sieben Tage noch infektiöse Coronaviren nachgewiesen werden, zeigt eine Studie aus China. Die von I3 entwickelten Masken hingegen können laut der Forscher innerhalb von Minuten mehr als 99 Prozent der Coronaviren auf ihrer Außenfläche abtöten.

Interessant wird das aber auch, oder vor allem, für den Ottonormalmenschen. Denn der ist das Tragen eines Stoffstücks im Gesicht nicht so gewohnt wie medizinisches Personal, fühlt sich dadurch schnell gestört oder im Atmen behindert und zuppelt sich das "Ding" regelmäßig zurecht – packt sich also gleich nochmal mehr mit ungewaschenen Fingern ins Gesicht, erklärt Prof. Scott Gray-Owen vom Institut für Molekulargenetik an der medizinischen Fakultät der Uni Toronto: "Eine große Herausforderung für die meisten Menschen in der Bevölkerung, die normalerweise niemals chirurgische Masken tragen, ist der Komfort und die Passform. So kontaminieren sie entweder ihre Hände oder, falls die schon kontaminiert sind, kontaminieren sie damit ihre Maske, die nah am Gesicht sitzt, und bringen dort möglicherweise Virus auf, das sie dann einatmen könnten."

Die Schicht soll dabei die meisten Mikroben bei Kontakt abtöten, dabei aber auf der Außenseite der Maske verbleiben – und nicht in die Umwelt oder auf die Haut der Träger abgetreten werden. Geforscht wird daran schon seit Jahren, damals nur eben mit Erregern wie dem Influenza-Virus, das die Grippe auslöst. Jetzt habe man eben noch Sars-CoV-2 hinzugenommen – und es scheint zu klappen.

Schweizer Stoff bringt Viren zum Platzen

Ein ähnlicher, aber doch ganz anderer Ansatz wird in Deutschland und der Schweiz verfolgt: Hier arbeiten derzeit Forscher des Instituts für Textiltechnik der RWTH Aachen und der Freien Universität Berlin an Masken, die direkt aus virentötendem Material hergestellt werden. Und das liefert das Schweizer Unternehmen Livinguard. "Hohe Mengen an Sars-CoV-2-Viruspartikeln innerhalb weniger Stunden um bis zu 99,9 Prozent reduzieren" können sollen Masken aus dem Material, heißt es seitens der Hochschulen in einer Mitteilung. Uwe Rösler von der FU Berlin erklärt es so: "Die Textilien in diesen Masken können so die ausgeatmeten und an der Gesichtsmaske anhaftenden Viren kontinuierlich inaktivieren und den Umgang mit diesen Masken insgesamt sicherer machen." Diesmal also beidseitig.

Bei diesem Material hat man sich an Ideen aus der Natur bedient: Denn die Oberfläche des Gewebes funktioniert virentötend, da sie stark positiv geladen ist – ähnlich wie manche Biomoleküle funktionieren. Viren hingegen sind an ihrer Außenhülle negativ geladen. Kommen sie in Kontakt mit der positiven Ladung, bringt diese Ladungsdifferenz sie sozusagen zum Platzen. Die Viren verlieren also ihre Hülle, was sie inaktiviert. Sie können sich nicht mehr anhaften, fallen ab oder können abgewaschen werden. Ähnlich funktioniert das übrigens auch mit Seife beim Händewaschen: Die Virenhülle wird durch gründliches Einseifen über mindestens 20 Sekunden ebenfalls zerstört.

Auch diese Masken sollen aufgrund ihrer Beschaffenheit sicher für die Haut, aber auch für die Lunge sein, da nichts reaktiv ist oder eingeatmet wird. Einen weiteren Vorteil haben sie: Sie sind wiederverwendbar – und zwar laut den Forschern aus Aachen und Berlin bis zu 200 Mal. Das verhindert erst einmal viel Müll.

Solche Masken sollen damit zumindest einen Großteil der Befürchtungen ausmerzen, die man als normalmenschlicher Maskenträger so tagtäglich verspüren mag. Sie "töten" das Virus (und nebenbei auch diverse andere potentielle Krankheitserreger) ab, auch wenn wir uns vor lauter Ungewohntheit ständig ins Gesicht griffeln. Und im Falle der Masken mit Prinzip positive Ladung sind sie sogar mehrfach verwendbar und trotzdem sicher(er als zigfach verwendete, ungewaschene Alltagsmasken). Schauen wir mal, wohin diese Reise führt.

Klar ist: Abstand halten bleibt wichtig – schützt übrigens nicht nur vor dem Coronavirus, sondern vor allen anderen Viren, die sich über Tröpfchen übertragen können. So schützen Sie sich vor dem Coronavirus und anderen Infektionskrankheiten.

Übrigens: Es heißt nicht umsonst "Mund-NASEN-Bedeckung"!

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Quellen:

Halloween alles rund um das Gruselfest

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