Aktualisiert: 17.06.2020 - 20:39

Sterblichkeitsrate sinkt Coronavirus-Medikament: WHO spricht von "Durchbruch"!

Es senkt die Sterberate von hospitalisierten Covid-19-Patienten: Auf Dexamethason setzt nun auch die WHO.

Foto: iStock.com/Halfpoint

Es senkt die Sterberate von hospitalisierten Covid-19-Patienten: Auf Dexamethason setzt nun auch die WHO.

Ein von britischen Forschern untersuchtes Medikament gibt neue Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus: Ein Entzündungshemmer verzeichnet große Erfolge dabei, die Sterberate von Covid-19-Patienten zu senken. Die Weltgesundheitsorganisation schöpft Hoffnung.

Wenn selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Durchbruch spricht: Britische Forscher haben ein Medikament untersucht, das den Verlauf von Covid-19 tatsächlich positiv zu beeinflussen scheint: Der Entzündungshemmer Dexamethason verringert die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus beatmet werden.

Entzündungshemmer Dexamethason senkt Covid-19-Sterberate: WHO gratuliert

Noch sind die Ergebnisse der Studie vorläufig veröffentlicht, doch WHO-Chef Tedros Adhanom Gebreyesus spricht in einer Mitteilung von "großartigen Neuigkeiten". Er gratuliere der Regierung des Vereinigten Königkreichs, der Universität Oxford sowie den vielen Krankenhäusern und Patienten im Vereinigten Königreich, die zu diesem lebensrettenden wissenschaftlichen Durchbruch beigetragen haben.

Laut der klinischen Studie kann Dexamethason wohl die Sterberate bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten senken. Vor allem hatten Patienten, die künstlich beatmet wurden, das Medikament erhalten: Die Sterberate sank bei ihnen um ein Drittel, heißt es in der Pressemitteilung der Forscher von der Universität Oxford. Jetzt müssen die Ergebnisse nur noch von anderen Experten begutachtet werden.

Medikament hilft beatmeten Patienten

Die Forscher hatten eigentlich nicht nur Dexamethason untersucht, sondern mehrere, bereits zur Behandlung anderer Krankheiten zugelassene Mittel. Insgesamt 11.500 Patienten an 175 Kliniken in Großbritannien nahmen teil, der Großteil bekam demnach jeweils ein bestimmtes Mittel – 2104 davon erhielten Dexamethason. Für zehn Tage wurden ihnen einmal täglich sechs Milligram davon gegeben. Als Kontrollgruppe dienten 4321 Patienten.

Die Ergebnisse verblüffen: Normalerweise – und das zeigte auch die Kontrollgruppe – ist die Sterblichkeit bei künstlich beatmeten Covid-19-Patienten nach 28 Tagen am höchsten. Ohne Dexamethason lag sie bei 41 Prozent. Bei den Patienten mit künstlicher Beatmung, die Dexamethason bekamen, sank die Sterblichkeitsrate um ein Drittel. Bei denen, die nicht künstlich beatmet wurden, aber Sauerstoff bekamen, sank sie um ein Fünftel. Keine Wirkung aber zeigte das Medikament bei Patienten, die gar keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigten.

Entzündungshemmer: Wirksamkeit sei nachvollziehbar

Das Medikament konnte also umgerechnet jeden achten behandelten Patienten retten. Peter Horby, einer der Leiter der "Recovery"-Studie, spricht ebenfalls von einem großen Durchbruch: Dexamethason sei das einzige Medikament, bei dem bislang gezeigt werden konnte, dass es die Sterblichkeit tatsächlich senke.

Der eigentlich bei Haut- oder Gelenkentzündungen, bei Hirnödemen oder asthmatischen Atemwegserkrankungen eingesetzte Entzündungshemmer Dexamethason ist "kostengünstig, verfügbar und kann sofort eingesetzt werden, um weltweit Leben zu retten", ergänzt Horby.

Auch Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, äußert sich gegenüber der "Welt". Die Wirksamkeit sei nachvollziehbar, sagt er: "Das macht pathophysiologisch durchaus Sinn, es handelt sich ja um Patienten mit schwersten Entzündungen." Das Coronavirus kann im Körper schwere Schäden anrichten, die wahre Entzündungswellen mit sich ziehen – meist durch eine Überreaktion des Immunsystems. Dexamethason unterdrückt das Immunsystem, um entzündliche und allergische Prozesse zu stoppen.

Jetzt müssen Experten ran

Kritisch äußerte sich dennoch Tobias Welte, Pneumologe an der medizinischen Hochschule Hannover – und spricht ein dieser Tage sehr empfindliches Thema an: Es handelt sich bisher ja noch nicht um eine bestätigte Studie, erst einmal nur um eine Pressemeldung der Universität Oxford. Gegenüber "Welt" sagt er: "Bevor man das vollständige, durch unabhängige Gutachter beurteilte Manuskript gesehen hat, kann man die Wertigkeit der Studie nicht beurteilen." Vor allem, so Welte, müssten die Dexamethason-Gruppe und die Vergleichsgruppe wirklich vergleichbar sein. Und das müssen Experten eben erst noch bestätigen.

In kleinen Dosen verabreicht, bei kurzzeitiger Gabe, sei das Risiko von Nebenwirkungen im Allgemeinen gering, heißt es. Aus diesem Grund hat der britische Gesundheitsminister Matt Hancock das Medikament noch am Dienstag, 16. Juni 2020, auf die Liste der Standardverfahren des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) gegen Covid-19 gesetzt. Vorräte gebe es bereits, 200.000 Behandlungseinheiten stünden ihm zufolge zur Verfügung.

Im Kampf gegen das Coronavirus wird an unzähligen Medikamenten geforscht. Auch, wenn Dexamethason wahrscheinlich "nur" in schweren Fällen wirkt, kann es möglicherweise viele Leben retten, bis ein geeigneter Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gefunden ist.

Fortschritte gibt es jedenfalls bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff:

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CureVac und Co.: So läuft die Suche nach dem Corona-Impfstoff

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Quellen: dpa, Reuters, AP, welt.de, spiegel.de, Universität Oxford

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