Aktualisiert: 16.06.2020 - 20:39

Speisefisch und Coronavirus Neuer Corona-Ausbruch in China: Ist Lachs gefährlich?

Importierter Lachs soll schuld sein am neuen Coronavirus-Ausbruch auf einem Großmarkt in Peking. Aber kann das überhaupt sein? Können Fische sich anstecken? Und was ist mit der Hygiene?

Foto: iStock.com/supermimicry

Importierter Lachs soll schuld sein am neuen Coronavirus-Ausbruch auf einem Großmarkt in Peking. Aber kann das überhaupt sein? Können Fische sich anstecken? Und was ist mit der Hygiene?

Auf einem Fischmarkt in Peking ist es zu einem neuen Coronavirus-Ausbruch gekommen – und auf einem Schneidebrett, auf dem Lachse geschnitten wurden, wurde Sars-CoV-2 nachgewiesen – in mutierter Form. Heißt das jetzt, Lachse können das Virus übertragen?

Dutzende Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 gab es die letzten Tage in Peking – alle laut Behörden zurückzuführen auf einen Lachshändler auf einem Fischmarkt in Peking. Und dann auch noch mit einem veränderten Virusstamm. Droht eine zweite Welle? Vor allem aber stellt sich die Frage: Kann das Coronavirus über Lachs oder andere Speisefische übertragen werden? Ein Hinweis vorweg: Bis auf diesen Ausbruch deutet nichts darauf hin – und auch der könnte seine Ursache ganz woanders haben: Nämlich beim Menschen.

Coronavirus-Ausbruch in Peking: Der Lachs soll schuld sein

Schon wieder ein Großmarkt, schon wieder China. Das Augenrollen kommt schnell. Doch Vorsicht: Diesmal – so geben es zumindest die chinesischen Behörden an – soll kein eigentlich nicht zum Verzehr vorgesehenes Tier schuld sein, sondern eines, das auch hierzulande gerne auf dem Teller landet: der Lachs. Und der stammte nicht einmal aus China, sondern wurde importiert. China importiert Lachs unter anderem aus Norwegen, Australien, Kanada, den Färoer Inseln oder Chile.

Laut Ermittlern wurde das Coronavirus auf einem Hackbrett identifiziert, auf dem zuvor importierter Lachs verarbeitet worden war.

Corona-Fund auf Lachs-Schneidebrett hat große Auswirkungen

Eigentlich war in China Ruhe eingekehrt. Lediglich vereinzelte Infektionen gab es in den vergangenen Wochen, nahezu alle auf Rückkehrer aus anderen Ländern zurückzuführen. Infektionsketten gab es keine – bis jetzt. Auf den Ausbruch auf dem Xinfadi-Großmarkt in Peking sollen bisher 36 Fälle zurückzuführen sein. Wohnviertel, Kindergärten und Schulen wurden bereits abgeriegelt, ein Teil der Stadt steht damit vor einem erneuten Lockdown.

Der Großmarkt soll vollständig desinfiziert werden. Weitere Fälle wurden inzwischen auf weiteren Großmärkten entdeckt – alle wurden sofort geschlossen. Große Supermärkte in der chinesischen Hauptstadt haben über Nacht alle Lachs-Vorräte aus ihren Regalen geräumt. Und die Auswirkungen des Ausbruchs bekommen schon jetzt norwegische Lachshändler zu spüren.

Kann uns als Verbraucher der Lachs jetzt gefährlich werden?

Aber kann das Coronavirus wirklich von einem Fisch ins Land eingeschleppt und auf den Menschen übertragen worden sein? Schließlich deuten viele Zeichen darauf hin, dass Sars-CoV-2 erstmals von einem Schuppentier als Zwischenwirt, dem Pangolin, auf den Menschen übertragen worden ist.

Forscher haben daher getestet: Welche Tiere sind – unter Laborbedingungen – anfällig für eine Coronavirus-Infektion? Anstecken können sich demnach Katzen (die aber aufgrund geringer Viruslast kaum als Rücküberträger infrage kommen), Frettchen, Pferde, Schafe, Kaninchen und Kamele. Dagegen scheinen Hühner, Enten, Schweine, Mäuse, Ratten und Meerschweinchen sich nicht anstecken zu können. Und das liegt am Enzym ACE2, an dem das Virus in den Körperzellen andockt. Ob das Virus andocken kann, hängt also davon ab, wie dieses Enzym in einem Tier aufgebaut ist.

Und Fische? Mehrere Studien, die bisher noch im Preprint veröffentlicht, also noch nicht von Experten gegengeprüft wurden, deuten darauf hin, dass Reptilien, Amphibien, Vögel – und Fische – generell ein geringes Ansteckungsrisiko mit Sars-CoV-2 aufweisen. Dass sich Lachse anstecken können und dann das Virus auch noch in ausreichender Menge auf den Menschen übertragen, ist vor diesem Hintergrund äußerst gering.

Eine mögliche, durchaus sinnvolle Erklärung wäre: Der Fischhändler selbst oder ein Fischverkäufer war mit dem Virus infiziert – und hat ganz einfach die Hygieneregeln nicht beachtet. Auch so können Viren sowohl auf Schneidebrett als auch auf dem Fisch gelandet sein. Sars-CoV-2 kann nämlich durchaus bis zu mehrere Tage auf bestimmten Oberflächen überleben. Wo genau der Infektionsherd nun wirklich war, darüber kann man bisher nur spekulieren. Möglich wäre auch, dass ein Reisender ohne Symptome auf dem Fischmarkt war.

Gefundenes Virus: Anderer Typ als der in China gängige

Auf seinem Weg um die Welt hat sich das Coronavirus Sars-CoV-2 bereits mehrfach geändert hat. In China war bisher ein bestimmter Virusstamm gängig – der erste, der aufgetaucht war. Bei dem jetzigen soll es sich um einen anderen Virusstamm handeln – laut Strichproben. Weitere Tests sind hier aber notwendig, zusammen mit einem Vergleich mit Genanalysen aus anderen Ländern. So kann dann vielleicht auch nachvollzogen werden, woher genau das Virus stammt – und wie es am Ende auf dem Schneidebrett und den importierten Lachsen gelandet ist.

Dass das Coronavirus bereits leicht mutiert ist, ist also wie erwähnt schon länger klar, unter anderem auch nach einer Studie aus Sao Paulo, die zeigt, dass sich das Coronavirus im Schnitt einmal im Monat ändert. Weltweit kursieren leicht abgewandelte Formen. Eine Mutation muss aber nicht gleich Schlimmes bedeuten – im Gegenteil. Auch, wenn ein Virus durch Mutationen möglicherweise ansteckender wird, so kann es auch sein, dass es dadurch weniger tödlich wird. Zudem lassen sich die Übertragungswege des Coronavirus durch diese kleinen Veränderungen viel besser weltweit nachvollziehen.

Auch ohne Coronavirus gilt: Bei der Zubereitung von Lachs hygienisch arbeiten!

Angst davor, einen mit dem Coronavirus kontaminierten Lachs zu essen, müssen Sie jetzt aber nicht haben. Es gibt bislang keinerlei Hinweise darauf, dass sich jemand über Nahrung mit Covid-19 angesteckt hat. Das bestätigen sowohl das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als auch die Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization). Dennoch ist Fisch – also auch Lachs – ein leicht verderbliches Lebensmittel, das auch andere Erreger mitbringen kann. Daher ist bei der sicheren Zubereitung auf ein paar Dinge zu achten:

  • Schauen Sie sich die Ware vor dem Kauf an: Sieht sie merkwürdig verfärbt aus oder können Sie einen komischen Geruch ausmachen? Hände weg! Gerade bei Fisch und Fleisch gilt: Auch wenn die Ware bereits zuhause ist, sollten Sie sie entsorgen, wenn sie optisch und olfaktorisch nicht mehr einwandfrei ist.
  • Waschen Sie vor dem Zubereiten von Speisen Ihre Hände immer ausgiebig mit Wasser und Seife.
  • Reinigen Sie alle Oberflächen und genutzten Gegenstände immer gründlich und spülen Sie sie nach jedem Benutzen ab.
  • Verwenden Sie Lappen, Spülschwämme und Co nur ein paar Tage lang und tauschen Sie sie dann gegen neue aus, da sie sonst wunderbaren Nährboden für Bakterien darstellen.
  • Waschen Sie Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Salat immer gründlich ab.
  • Schutz vor möglichen Viren erhalten Sie, wenn Sie Ihre Speisen über 60 °C erhitzen. Coronaviren sind hitzeempfindlich. Kälte hingegen kann ihnen nichts anhaben.
  • Verzichten Sie auf Fleisch, dessen Herkunft fragwürdig ist und essen Sie kein rohes Wildfleisch oder ungekochte Gerichte aus Wildtierbestandteilen – auch unabhängig des Coronavirus. Darauf weist die FAO hin.
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Gefahr, sich beim Verzehr von Lachs mit dem Coronavirus zu infizieren, besteht also höchstwahrscheinlich keine. Schon gar nicht, wenn Sie die ganz normalen Hygieneregeln einer Küche einhalten. Und so schützen Sie sich vor Sars-CoV-2. Alles Neue rund um das Coronavirus lesen Sie auf unserer Themenseite.

Quellen: spiegel.de, t-online.de, Bundesinstitut für Risikobewertung, Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization)

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