Aktualisiert: 16.10.2020 - 11:46

Neue Corona-Testverordnung Auf Corona testen lassen? So geht's ab sofort ganz einfach

Krankenkasse, übernehmen Sie! Die neue Coronavirus-Testverordnung gilt ab sofort. Wer kann sich testen lassen – und mit welchem Test?

Foto: iStock.com/South_agency

Krankenkasse, übernehmen Sie! Die neue Coronavirus-Testverordnung gilt ab sofort. Wer kann sich testen lassen – und mit welchem Test?

Seit Mitte Oktober gilt die neue Corona-Testverordnung. Wer sich jetzt wann und wie testen lassen kann und wo nun die neu hinzugekommenen Antigen-Tests zum Zuge kommen:

"Nur bei akuten Krankheitszeichen – und wenn nachweislich Kontakt zu Infizierten bestand!" So lautete lange Zeit die Antwort auf die Frage nach einem Corona-Test. Doch damit ist längst Schluss. Die Reisezeit ist allerdings auch vorbei, und seit 15. Oktober gilt eine neue Corona-Testverordnung. Mittlerweile können sich weit mehr Menschen auf Covid-19 testen lassen – auch ohne Symptome. Denn die Testkapazitäten sind stark aufgestockt worden: Rund 1,5 Millionen PCR-Tests pro Woche können die deutschen Labore mittlerweile auswerten.

Und neben PCR – der auf einer Polymerase-Kettenreaktion fußenden Testart – sind auch weitere Testverfahren hinzugestoßen. So können nicht nur akute Krankheitsfälle getestet werden, sondern es lässt auch viel mehr Erkenntnisse zur tatsächlichen Virusausbreitung innerhalb der Bevölkerung zu. Aber was bringen die Antigen-Schnelltests? Was sagen uns Antikörpertests genau? Und wer kann sich jetzt überhaupt wie testen lassen?

Neue Corona-Testverordnung: Wer darf und sollte sich auf Corona testen lassen?

Zum dritten Mal bereits hat die Bundesregierung unter Federführung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun die Coronavirus-Testverordnung für Deutschland geändert. Ein Überblick:

Wer ab sofort getestet wird

  1. Personen mit Covid-19-Symptomen: Jeder mit entsprechenden Symptomen wie Husten, Fieber, Durchfall, Geschmacksverlust, starker Müdigkeit – dabei sollen andere Erkrankungsmöglichkeiten wie Influenza (Grippe) oder Erkältung berücksichtigt werden.
  2. Kontaktpersonen: Als Kontaktperson gilt, wer in den vergangenen 10 Tagen mindestens 15 Minuten lang mit einem Infizierten gesprochen hat bzw. ununterbrochen Kontakt hatte oder mit einem Infizierten im Haushalt lebt, in einer Situation mit großer Aerosol-Übertragung war (Feiern, Sport im Innenraum, Chorproben...), mit einer positiv getesteten Person für mehr als 30 Minuten in einer beengten Situation war (Schulklassen, Asylbewerberheime) oder wer eine Covid-19-positive Person betreut oder gepflegt hat bzw. von ihr gepflegt oder betreut wurde. Außerdem werden Kontaktpersonen getestet, die die Corona-Warn-App nutzen und einen Infektionskontakt gemeldet bekommen – auch, wenn sie bisher keine Symptome verspüren.
  3. Nach Infektionen in Einrichtungen: Tritt in einer bestimmten Einrichtung ein Ausbruch auf, können sich Mitarbeiter und Bewohner auch ohne Symptome testen lassen. Das gilt auch für Menschen, die in den vergangenen 10 Tagen in der Einrichtung waren (Besucher). Genannt sind Alten- und Pflegeheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Krankenhäuser, Dialyse- und Rehabilitationseinrichtungen.
  4. In Einrichtungen dürfen individuelle Testkonzepte eingeführt werden: Besagte Einrichtungen dürfen eigene Konzepte erstellen, sofern sie dazu beitragen, Infektionen mit Sars-CoV-2 weiter einzudämmen und zu verhindern. Hier dürfen auch Antigen-Schnelltests eingesetzt werden.
  5. Reiserückkehrer: Zwar sind Einreisende aus Risikogebieten in der neuen Testverordnung nicht genannt. Man kann sich aber am Schema des Robert-Koch-Instituts (RKI) orientieren. Wer aus einem ausländischen Risikogebiet nach Deutschland einreist, kann sich auch ohne Symptome innerhalb von zehn Tagen testen lassen. Laut RKI gilt das auch für Einreisende aus innerländischen Risikogebieten.

Wie oft sind Tests pro Person möglich – und wer übernimmt die Kosten?

Pro Person darf jeder Test laut Verordnung einmal wiederholt werden, wenn die Testkriterien auf die Person zutreffen. Dann übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Anders ist es bei individuellen Testkonzepten in Einrichtungen: Dort dürfen Bewohner und Mitarbeiter sowie Besucher einmal pro Woche auf Krankenkassenkosten getestet werden.

Die Kosten übernehmen Krankenkassen also, wenn auf die Person die genannten Testkriterien zutreffen. Das gilt auch für nicht gesetzlich versicherte Personen – auch sie haben einen Anspruch auf einen Test.

Laut Testverordnung belaufen sich die Kosten für einen PCR-Test inklusive ärztlicher Laborleistungen, Versandmaterial und Transportkosten auf 50,50 Euro.

Wer sich aus persönlichen Gründen freiwillig testen lassen will, etwa nach Einreise am Flughafen, gilt als Selbstzahler und muss teilweise das Dreifache zahlen.

Für Antigentests – die genannten Schnelltests – gilt: Wird der Antigentest im Labor ausgewertet, schlägt das laut Testverordnung mit 15 Euro zu Buche. Für Selbstzahler von PCR-Tests und den Antigentest kommen möglicherweise noch einmal 15 Euro hinzu – diesen Betrag dürfen Ärzte für Probenentnahme, Ergebnismitteilung und Ausstellen der Bescheinigung abrechnen.

PCR-Tests: Wann kommen sie zum Einsatz?

Der PCR-Test ist das, was seit Monaten genutzt wird, um akute Fälle nachzuweisen. Er gilt nach wie vor als zuverlässigster Test für die Diagnostik. Mit ihm kann mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, ob der Getestete sich angesteckt hat oder nicht. Zwar dauert es noch immer recht lange, bis das Testergebnis feststeht, die Kosten sind auch verhältnismäßig hoch für die Krankenkassen. Doch für Menschen mit Symptomen und solche mit direktem Kontakt wird der Test weiterhin als erste Möglichkeit empfohlen. Unterstützen kann er außerdem nach einem positiven Antigentest, und auch in Einrichtungen, Krankenhäusern und Co soll der PCR-Test laut RKI vorgezogen werden.

Antigen-Schnelltests: Wann sind sie sinnvoll?

Daneben gibt es mittlerweile auch sogenannte Antigen-Schnelltests. Sie sind ungenauer als PCR-Tests und sollen laut RKI nur als Ergänzung dienen, um die Testkapazitäten auszubauen. Deshalb sollte nach einem positiven Antigentest auch noch ein PCR-Test erfolgen, um das Ergebnis zu überprüfen. Der Vorteil ist aber, dass die Schnelltests weit früher Ergebnisse zeigen.

Antigentests erkennen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit, ob jemand hochinfektiös ist. Es kann aber auch sein, dass die getestete Person ein negatives Ergebnis erhält und trotzdem Corona-positiv ist – nur eben die Viruslast nicht enorm hoch ist. Ansteckend kann sie trotzdem sein, daher sind auch mit negativem Antigentest Maßnahmen wie Maske und Abstand sowie Hygiene notwendig. Der Antigentest dient also dazu, zumindest die hochansteckenden Fälle herauszufiltern und so die Übertragungswahrscheinlichkeit zu senken.

Diese Art der Tests soll etwa genutzt werden, wenn ein schnelles Ergebnis notwendig ist und ein falsch-negatives Ergebnis keine gravierenden Konsequenzen hat. So sind sie etwa für Notaufnahmen geeignet, damit Ärzte und Pfleger schneller entscheiden können, wo die Patienten untergebracht werden müssen. Wer positiv getestet wird, kann dann schneller isoliert werden.

Zudem eignen sich Antigentests für Einrichtungen wie Pflegeheime, in denen Personal, Bewohner und Besucher regelmäßig nach individuellem Testkonzept getestet werden sollen.

Eine Einschränkung gibt es allerdings noch: Die Zuverlässigkeit des Ergebnisses hängt stark mit der Qualität der Probenentnahme zusammen: Auch hier ist medizinisch geschultes Personal notwendig, das den Abstrich nimmt, der ebenfalls in der Nase und/oder im Rachen erfolgt. Denn ausschlaggebend für das Testergebnis ist die abgenommene Virusmenge.

Die derzeit verfügbaren Antigen-Schnelltests von Roche sollen übrigens schon vor Ort ein Ergebnis anzeigen – wichtig ist aber auch hier eine korrekte Probenentnahme.

Wann helfen Antikörpertests?

Etwas aus dem Rahmen fallen die Antikörpertests. Diese Tests kommen erst nach potentiell überstandener Covid-19-Erkrankung zum Zug und können auch erst dann das Virus nachweisen – und zwar frühestens eine Woche nach Abklingen der Symptome, wenn das Immunsystem beginnt, Antikörper zu bilden. Der Antikörpertest weist diese dann im Blutserum des Patienten nach. Der Antikörpertest zeigt also, ob jemand in der Vergangenheit mit Sars-CoV-2 infiziert war.

Antikörpertests gibt es mittlerweile auch als Selbsttest, bei denen man sich mit einem kleinen Piekser ein paar Tropfen Blut entnehmen und auf ein Testkit geben kann. Dennoch muss die Probe anschließend an ein Labor gesendet werden.

Coronavirus: Was sind Antikörpertests?
Coronavirus: Was sind Antikörpertests?

Sie wollen wissen, wie der Corona-Test nach PCR-Verfahren eigentlich funktioniert? Dann lesen Sie mal hier: Schnupfen, Husten: Brauche ich jetzt einen Corona-Test?.

Die Corona-Warn-App ist nun auch schon länger in Deutschland nutzbar. Noch bleibt sie hinter den Erwartungen zurück. Für ein reibungsloses Funktionieren der Nachverfolgung müssen Smartphone-Nutzer sie aber auch herunterladen. Das passiert nach wie vor auf freiwilliger Basis.

Mehr zum Coronavirus finden Sie auf unserer Themenseite.

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