Aktualisiert: 08.06.2020 - 20:41

Höheres Risiko Coronavirus: Die Blutgruppe beeinflusst den Krankheitsverlauf

Blutgruppe könnte Einfluss auf Covid-19 haben

Blutgruppe könnte Einfluss auf Covid-19 haben

Forscher aus Kiel und Oslo haben untersucht, wie sich die Blutgruppe auf den Verlauf der Krankheit auswirkt. Nach ersten Ergebnissen gibt es ein höheres Risiko für Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe.

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Forscher haben herausgefunden, dass die Blutgruppe eines Patienten ausschlaggebend dafür sein kann, ob Covid-19 schwer verläuft oder nicht. Demnach ist vor allem eine häufig vorkommende Blutgruppe betroffen. Doch Experten warnen bereits: Ein Grund zur Besorgnis ist das noch nicht.

Hängt unsere Blutgruppe etwa damit zusammen, wie schwer Covid-19 verläuft? Die Vermutung besteht schon seit Wochen, nachdem Wissenschaftler aus Wuhan sie geäußert hatten. Jetzt bestätigt eine Studie norwegischer Forscher sie – und stellt fest: Vor allem bei Menschen einer bestimmten Blutgruppe fiel auf, dass der Krankheitsverlauf oft schwerer war.

Blutgruppe bestimmt das Coronavirus-Risiko

Schon im März konnten Forscher aus Wuhan, der Stadt, in der das Coronavirus Sars-CoV-2 erstmals festgestellt worden war, sowie aus Shenzen, zeigen, dass Patienten mit der Blutgruppe A am anfälligsten für den Erreger waren. Auch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf vermuteten sie damals bereits.

Dies konnten Dr. Tom H. Karlsen und seine Kollegen vom Osloer Universitätsklinikum in Norwegen jetzt beweisen: Sie wiesen nach, dass Menschen mit Blutgruppe A ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 aufweisen. Untersucht haben die Mediziner in der von der Kieler Christian-Albrechts-Universität unterstützten Studie die Blutgruppen von 835 Patienten aus Italien sowie von 775 Patienten aus Spanien. Demnach haben Menschen mit Blutgruppe A ein zu 50 Prozent höheres Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Das Risiko für Menschen mit Blutgruppe 0 ist dagegen am geringsten. Für Menschen mit Blutgruppe B liegt das Risiko dazwischen.

Auch Karl Lauterbach, SPD-Abgeordneter im Bundestag und Gesundheitswissenschaftler äußert sich via Twitter:

Blutgruppen unterscheiden sich

Vier Blut-Hauptgruppen gibt es: A, AB, B und 0. Aufgeteilt wird dann nochmal in den Rhesusfaktor positiv oder negativ. In Deutschland kommt die Blutgruppe A am häufigsten vor (43 Prozent), gefolgt von Blutgruppe 0 (41 Prozent), Blutgruppe B (11 Prozent) und Blutgruppe AB (5 Prozent). Bestimmt wird die Blutgruppe durch Antigene, die in den roten Blutkörperchen enthalten sind. Die Blutkörperchen können in ihrer Membran die Antigene A und/oder B enthalten oder sie besitzen gar keine Antigene (Blutgruppe 0). Im Blutserum lässt sich erkennen: Jede Blutgruppe enthält zudem frei im Blut schwimmende Antikörper gegen fremde Blutgruppen.

Hat ein Mensch Blutgruppe A, besitzen seine roten Blutkörperchen Antigene "A" und das Blut enthält nur Antikörper gegen Blutgruppe B. Das ist vor allem bei der Blutspende zu beachten, denn wenn jemand Blut der nicht körpereigenen Blutgruppe bekommt, verklumpen die beiden "Blutarten", sobald sie aufeinandertreffen. Menschen mit Blutgruppe 0 besitzen dagegen Antikörper gegen Blutgruppe A und B und Blutgruppe AB hat gar keine Antikörper gegen A und B.

Dann wird noch mit dem sogenannten Rhesussystem unterschieden. Rhesus-positives Blut besitzt noch ein sogenanntes D-Antigen (Rhesusfaktor "D"). Jetzt kann noch genauer unterschieden werden: Die Blutgruppe "A+" ist mit 37 Prozent der Bevölkerung die in Deutschland am häufigsten vertretene. 35 Prozent haben "0+". Und dann wird's weniger: Nur neun Prozent aller Deutschen haben Blutgruppe "B+", und "A-" sowie "0-" sind mit jeweils sechs Prozent vertreten. Noch seltener sind nur die Blutgruppen "AB+" mit vier Prozent, "B-" mit zwei Prozent und "AB-" mit einem Prozent.

Blutgruppen können vor bestimmten Krankheiten schützen

Im Blut eines Menschen schwimmen Antikörper. Diese Antikörper können Erregern, also Viren und Bakterien, entgegentreten. Wie wir bereits oben gelernt haben, besitzen Blutgruppen mitunter unterschiedliche Antikörper. Entsprechend ist die Immunantwort auf eine Infektion zum Teil abhängig von der Blutgruppe eines Menschen. Das ist bereits aus der Vergangenheit bekannt: Menschen mit Blutgruppe A sind resistenter gegen die Pest, während Menschen mit Blutgruppe 0 besser gegen Malaria geschützt sind. Währenddessen haben Menschen mit den Blutgruppen A, B und AB ein erhöhtes Thromboserisiko und wer Blutgruppe AB hat, leidet im Alter öfter unter Gedächtnisverlust.

Coronavirus: Was sind Antikörpertests?
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In Sachen Immunantwort würde es also passen, dass eine bestimmte Blutgruppe anfälliger gegen Sars-CoV-2 ist als eine andere. Denn Forscher konnten bereits herausfinden, dass das Immunsystem bei manchen Menschen stärker reagiert im Kampf gegen Covid-19 und manchmal dabei auch überreagiert. Das Coronavirus kann in diesen Fällen im ganzen Körper Schaden anrichten. Andere wiederum merken kaum etwas von der Erkrankung. Mehr dazu: Immunreaktion dokumentiert: So wehrt sich der Körper gegen das Coronavirus.

Experte beruhigt: Kein Grund für Panik

Aber wie ist das jetzt, wenn ich weiß, dass ich zur Blutgruppe A gehöre? Muss ich mir Sorgen machen? Nein, erklärt Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, RTL gegenüber. Bisher handelt es sich nämlich um eine Preprint-Studie, die noch nicht von Experten gegengeprüft wurde: "Insofern sind die Erkenntnisse eine interessante Information, aber noch kein Grund zur Besorgnis", sagt er. Vielmehr würden die Ergebnisse zum jetzigen Zeitpunkt einen Trend anzeigen: "Das ist bisher nichts, was in den Medizinbüchern schon in Stein gemeißelt ist."

Zudem gebe es andere Studien, die, ähnlich wie oben schon erwähnt, zeigen, dass Blutgruppen vor Infektionen schützen können, sagt Dr. Zinn. "Wir kennen das von den Brechdurchfallviren, den Noroviren." Man solle aber nun nicht denken, dass bestimmte Blutgruppen sicher vor Infektionen schützen können oder aber besonders anfällig für bestimmte Infektionskrankheiten machen: "Die Blutgruppen sind kein großer Player, was das Immunsystem oder Infektionen ausmacht", schließt Dr. Zinn. Klar ist immerhin: Covid-19 sorgt bei manchen Patienten für Blutgerinnsel. Ob das aber auch mit der Blutgruppe zusammenhängt, das muss man noch herausfinden.

Als hilfreich könnten sich die Studienergebnisse aber für die Entwicklung eines Medikaments gegen Covid-19 erweisen. Aber hier muss noch jede Menge Forschungsarbeit geleistet werden. Wir lernen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 eben erst kennen. In Stein meißeln lässt sich hier also wirklich (noch) nichts.

Quellen: rtl.de, pharmazeutische-zeitung.de, apotheke-adhoc.de

Studien:

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