06.06.2020 - 15:18

Vorbeugung, Behandlung & Kosten von Parodontose Parodontitis: Warum Zahnbelag NICHT harmlos ist

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Tipps für die Zahngesundheit

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Zahnbelag ist der Anfang, am Ende fallen Zähne aus – innerhalb von Wochen oder Jahren. Bei Parodontitis zerstören Bakterien das Gebiss.

Jeder Zweite hierzulande befindet sich in irgendeiner Stufe der Parodontitis, umgangssprachlich Parodontose genannt. Mehr als 11 Millionen Deutsche leiden sogar an einer schweren Form der chronischen Gebiss-Entzündung. Ihnen droht, dadurch Zähne zu verlieren, sie benötigen aufwendige und kostspielige Behandlungen. Dabei fängt alles so harmlos an. Zahnbelag wird zu Zahnstein, eine Zahnfleischentzündung kommt hinzu.

Die Bakterien, die Parodontitis auslösen, arbeiten lange verdeckt – ohne Schmerzen oder sichtbare Anzeichen. Im Extremfall können sie sogar in die Blutbahn gelangen und im Körper schwere Schäden anrichten. Höchste Zeit also, sich mit dem Volksleiden auseinanderzusetzen! Lesen Sie hier, wie man Parodontitis erkennt, wie Sie sie selbst aufhalten können und welche Kosten bei der ärztlichen Behandlung übernommen werden.

Parodontitis bringt die Zähne aus der Fassung

Unsere Zähne sind nur die sichtbare "Spitze des Eisbergs". Damit sie fest in den Knochen des Gebisses verankert sind, braucht es den Zahnhalteapparat. Er ist der unsichtbare Teil, der alles zusammenhält und besteht aus Zahnfächern, Wurzelhaut, Zahnzement und Zahnfleisch. Die Zahnfächer sind die Mulden im Kiefer, in denen die Zahnwurzeln verankert sind. Wurzelhaut und Zahnzement dienen als Kitt zwischen den Zähnen und den Zahnfächern. Das Zahnfleisch bedeckt und schützt die Zahnwurzel inklusive Wurzelhaut.

Bei der Parodontitis sind einzelne Bestandteile oder auch der gesamte Zahnhalteapparat entzündet, manchmal reichen die Schäden sogar bis in die Knochensubstanz. Die Entzündungen verlaufen über mehrere Stufen, von der Zahnkrone – dem sichtbaren Teil des Zahns – bis an die Zahnwurzel und in den Kiefer.

Parodontitis-Entwicklung: Von Zahnbelag bis Herzentzündung

1. Aus Zahnbelag wird Zahnstein

Ihren Anfang nimmt eine Parodontitis immer in Belägen (Plaque) auf den Zahnoberflächen und in den Zahnzwischenräumen. In der Plaque bilden sich Bakterien, die Entzündungen auslösen können. Werden die Beläge nicht ausreichend entfernt – etwa durch Zähneputzen - verhärten sie mit der Zeit, Zahnstein entsteht.

2. Entzündetes Zahnfleisch (Gingivitis)

Der Zahnstein raut die Zahnoberfläche auf und macht sie damit zum Nistplatz für Bakterien. Das Immunsystem will sie abwehren und reagiert mit einer oberflächlichen Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Sie zeigt sich durch vermehrtes Zahnfleischbluten sowie gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch. Die Entzündung fällt vielen erst auf, wenn sie Zahnfleischbluten bekommen, da sie oft wenig schmerzhaft ist.

Achtung! Bis hierhin kann man den Entzündungsprozess noch einfach aufhalten:

"Im Gegensatz zu Parodontitis ist Gingivitis reversibel, d.h. sie lässt sich ohne großen Aufwand durch die Entfernung der Beläge und Intensivierung der eigenen täglichen Mundhygiene erfolgreich beherrschen", erklärt die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro).

3. Parodontitis – wenn die Entzündung tiefer wandert

Wenn die Zahnfleischentzündung nicht behandelt wird, kann es sein, dass sie weiter in den Bereich des Kieferknochens fortschreitet. Aus der Gingivitis wird eine Parodontitis. Die Fasern und die Knochen, die den Zahn verankern, werden zerstört. Es entstehen sog. Zahnfleischtaschen, Hohlräume zwischen Zahnwurzel und Zahnfleisch, die wiederum von Bakterien besiedelt werden. Das Zahnfleisch geht zurück, schließlich kommt es zum weiterem Knochenabbau und der Zahn verliert seinen Halt. Wenn jetzt nicht eingegriffen wird, fällt er bald aus.

4. Lebensgefährliche Folgen der Parodontitis

Eine seltene, aber umso drastischere Folge von Parodontitis: Unbehandelt kann sie zu lebensgefährlichen Erkrankungen beitragen. Über die offenen Stellen des Zahnfleischs gelangen vermehrt Bakterien in die Blutbahn. Sie können bis zum Herzen vordringen und bei anfälligen Menschen eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) auslösen.

Parodontitis-Symptome rechtzeitig erkennen

Das Tückische an der Parodontitis ist, dass sie sich in der Mehrheit der Fälle schleichend entwickelt und erst im späten Stadium Schmerzen verursacht. Auf folgende Warnsignale müssen Sie achten:

  • Häufiges Zahnfleischbluten (beim Zähneputzen, aber auch spontan, z. B. beim Kauen)
  • Stark gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch
  • Dauerhafter Mundgeruch und/oder unangenehmer Geschmack im Mund
  • Das Zahnfleisch zieht sich zurück
  • Empfindliche Zähne bzw. Zahnhälse
  • Eiteraustritt aus den Zahnfleischtaschen
  • Zähne werden locker

Es gibt außerdem Personengruppen, die besonders anfällig für Parodontitis sind und daher besonders achtsam sein sollten. Ein besonders hohes Risiko haben beispielsweise Raucher, Diabetiker, Schwangere und immungeschwächte Menschen.

Wie jeder Parodontitis vorbeugen kann

Ob man im Laufe des Lebens von Parodontitis betroffen wird, hängt von mehreren Faktoren ab, wie genannte Vorerkrankungen oder genetische Veranlagungen. Allerdings kann jeder sehr viel selbst tun, um sich vor der Entzündung des Zahnhalteapparats zu schützen. Da sie immer mit Zahnbelägen beginnt, ist eine gründliche Mundhygiene der Erfolgsfaktor. Das empfehlen Zahnärzte:

  • Zweimal tägliches, gründliches Zähneputzen – idealerweise mit einer elektrischen Zahnbürste
  • Tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen
  • Bei Beschwerden sofort zum Zahnarzt, nicht abwarten und langfristige Schäden riskieren
  • Auch ohne Beschwerden zweimal im Jahr zur Kontrolle zum Zahnarzt, mindestens einmal dabei Zahnsteinentfernung
  • Professionelle Zahnreinigungmindestens einmal jährlich (muss privat bezahlt werden)

Diese Möglichkeiten gibt es zur Parodontitis-Therapie

Eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung hat je nach Stadium der Entzündung mehrere Stufen. Wenn die Parodontitis frühzeitig erkannt wurde, kann eine Basistherapie genügen, damit die Entzündung abheilt und die Erkrankung nicht weiter fortschreitet.

Basistherapie: Grundlage der Basisbehandlung ist, dass die Zähne optimal vorgereinigt sind. Sie müssen also frei von Belägen und Zahnstein sein, damit der Zahnarzt mit der eigentlichen Parodontitis-Behandlung beginnen kann. Dann werden unter örtlicher Betäubung die durch die Entzündung entstandenen Zahnfleischtaschen mit Handinstrumenten gereinigt.

Beläge an der Zahnwurzel werden entfernt, ihre Oberfläche geglättet, damit sie zukünftig weniger Angriffsfläche für Bakterien bieten. Je nach Ausbreitung der Entzündung können, wenn nötig, auch Antibiotika in die Zahnfleischtaschen gespritzt werden. Manchmal müssen sie auch kurzfristig nach der Behandlung eingenommen werden, um den Körper bei der Bekämpfung der Bakterien zu unterstützten.

Chirurgische Therapie: Wenn die Basistherapie die Parodontitis nicht aufhalten konnte oder die Zahnfleischtaschen ungewöhnlich tief sind, können chirurgische Eingriffe notwendig werden. Dazu gehört das Aufschneiden und Reinigen von Zahnfleischtaschen, wenn sie mit Handgeräten nicht ausreichend zugänglich sind. Wenn schon viel Gewebe und Knochen von der Entzündung zerstört wurden, muss der Zahnhaltapparat erst wiederaufgebaut werden. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, z. B.:

  • Gesteuerte Geweberegeneration – eine implantierte Membran zwischen Knochen und Zahnfleisch soll dem Zahnhalteapparat Raum zur Selbstheilung verschaffen.
  • Wachstumsfaktoren – Wirkstoffe, die die natürliche Neubildung von Knochen und Gewebe anregen, werden auf die Wurzeloberfläche aufgetragen.
  • Knochenersatz – durch Parodontitis zurückgebildete Knochen können durch Transplantation von körpereigenem oder -fremdem Knochenmaterial wiederaufgebaut werden.
  • Zahnfleischtransplantation – Nach erfolgreich behandelter Parodontitis kann Gewebe – z. B. aus dem Gaumen – auf freiliegende Zahnhälse und -wurzeln transplantiert werden.

Allerdings müssen Verfahren, die der Wiederherstellung von verlorengegangenem Gewebe und Knochen dienen, privat bezahlt bzw. durch eine private Versicherung abgedeckt werden, so die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung.

Parodontitis-Behandlung: Welche Kosten übernimmt die Kasse?

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen zunächst vor allem die Prävention von Parodontitis. Dazu gehören zwei Zahnarztbesuche im Jahr, die allein der allgemeinen Kontrolle dienen, alle zwei Jahre eine spezielle Früherkennungsuntersuchung auf Parodontitis (PSI) und einmal jährlich die Entfernung von Zahnstein. Das ist jedoch nicht dasselbe wie die professionelle Zahnreinigung. Ihre Kosten (je nach Praxis ca. 80 – 120 Euro) müssen gesetzlich Versicherte selbst tragen.

Achtung: Wenn eine Parodontitis vorliegt, sind Vorbehandlungen zwingend nötig, weil die Krankenkassen die weiteren Behandlungskosten nur übernehmen, wenn Reizfaktoren und Zahnstein entfernt sind und die richtige Mundhygiene erläutert wurde. Darauf weist die Verbraucherzentrale hin. Die Patienten müssen aber einen Teil der Kosten dieser Vorbehandlung selbst tragen.

Wichtig: Die Kosten einer Parodontitis-Behandlung an sich werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, sie muss aber vorab beantragt werden. Dafür muss der Zahnarzt nach der Vorbehandlung den Parodontal-Status dokumentieren, der Patient alle erforderlichen Dokumente einreichen. Wenn die Therapie genehmigt wird, muss sie innerhalb von sechs Monaten stattfinden.

Damit nach einer abgeschlossenen Therapie die Parodontitis nicht mehr weiter fortschreitet, ist vor allem eine regelmäßige Nachsorge entscheidend. Dazu gehört z. B. die professionelle Entfernung von Belägen und das Messen und Reinigen von Zahnfleischtaschen. Diese sogenannte "unterstützende Parodontitistherapie" müssen Patienten aber aus eigener Tasche bezahlen. Patientenvertreter kritisieren dies schon lange, Verhandlungen über eine Ausweitung der Kassenleistung dauern jedoch an.

Was Sie bei einer Parodontitisbehandlung von Ihrer Krankenkasse erwarten können und wo Kostenfallen lauern, erklärt die Verbraucherzentrale auf Ihrer Website "Kostenfalle Zahn".

Eine Übersicht zu verfügbaren Therapien gibt die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung.

Wie Sie Ihre Zähne gesund und schön erhalten, welche Zahnbehandlungen Sinn machen und mit welchen Hausmittel Sie erstaunliche Effekte erzielen, erfahren Sie auf unserer großen Themenseite zur Zahngesundheit.

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