Aktualisiert: 02.06.2020 - 20:52

Kampf gegen Pandemie Coronavirus: Jeder zweite Deutsche würde sich impfen lassen

Nicht jeder in Deutschland lebende Bürger wäre derzeit bereit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Das ergab eine Umfrage.

Foto: iStock.com/South_agency

Nicht jeder in Deutschland lebende Bürger wäre derzeit bereit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Das ergab eine Umfrage.

Die Coronavirus-Einschränkungen nerven – aber wir werden sie erst so richtig los, wenn die Virusausbreitung eingedämmt wird. Das würde am besten mit einem Impfstoff klappen. Die Impfbereitschaft der Deutschen ist aber durchwachsen.

Seit Wochen müssen wir mit starken Einschränkungen im Alltag leben – die einen mehr, die anderen weniger. Das geht vielen gehörig auf die Nerven. Doch zumindest ein Teil der Auflagen scheint zu helfen, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Hilfreich wäre ein Impfstoff, der aber seine Zeit benötigt. Allerdings stehen viele einer Impfung aus verschiedenen Gründen kritisch gegenüber. Eine Umfrage zeigt nun: Jeder zweite Deutsche würde sich – Stand jetzt – gegen das Coronavirus impfen lassen, würde es jetzt einen Impfstoff geben.

Umfrage: 50 Prozent der Deutschen würden sich gegen das Coronavirus impfen lassen

Der Grund, warum die vielen Einschränkungen überhaupt gesetzt wurden und warum man das Coronavirus Sars-CoV-2 nicht einfach um sich greifen lässt, ist eigentlich ganz einfach: Unser Körper kennt dieses Virus noch nicht. Und auch lernen wir erst nach und nach, was das Coronavirus mit dem Körper anstellt. Das kann weit mehr sein als "nur" Erkältungserscheinungen oder auch eine Lungenentzündung. Bei manchen Menschen kommt das Immunsystem gar nicht mit dem Kampf gegen den Erreger zurecht und wendet sich gegen den eigenen Körper.

Damit aber möglichst viele Menschen geschützt sind, müssen wir derzeit mit den Corona-Einschränkungen leben lernen und sie nach und nach anpassen. Von einer sogenannten Herdenimmunität hingegen sind wir weit entfernt – zumal noch nicht ganz klar ist, wie lange ein Infizierter nach Genese immun gegen Sars-CoV-2 ist, da das Virus auch mutieren kann.

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Fieberhaft wird daher an einem Impfstoff geforscht. Doch eine Impfstoff-Suche dauert normalerweise Jahre. Viele Menschen befürchten daher, dass ein zu früh herausgegebener Impfstoff nicht genügend getestet worden ist und möglicherweise Schäden hervorrufen kann. Dafür muss man nicht einmal Impfgegner sein. Diese Ängste spiegeln sich auch in einer repräsentativen Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen PresseAgentur (dpa) wider, nach der sich rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung jetzt impfen lassen würde, wäre bereits ein Impfstoff vorhanden.

Ein Fünftel lehnt Impfung komplett ab

Insgesamt nahmen 2056 Probanden an der Befragung teil. Genauer sehen die Ergebnisse so aus:

  • Jeder Zweite würde sich bei Vorhandensein eines Impfstoffes gegen das Coronavirus impfen lassen.
  • Jeder Vierte würde dies vielleicht tun.
  • Jeder Fünfte lehnt eine Impfung ab.
  • Männer sind eher bereit für eine Impfung als Frauen.

Corona-Impfpflicht: Befragte äußern sich gespalten

Angst geschürt hatten auch Gerüchte über eine mögliche Impfpflicht, die in einem Gesetzesentwurf kurzzeitig angedeutet, jedoch von vielen Seiten fehlinterpretiert wurde. Die Bundesregierung hat den Entwurf mittlerweile geändert und klarer formuliert, seitdem betont wiederholt, eine künftige Corona-Schutzimpfung nicht zur Pflicht zu machen.

Eine Impfpflicht ist aber auch gar nicht so einfach umzusetzen, denn es gibt enge rechtliche Grenzen im Infektionsschutzgesetz. Die Bundesregierung kann eine solche Pflicht nur "mit Zustimmung des Bundesrates" beschließen. Dafür müssen sich Bund und Länder also einig sein. Und auch dann gilt dies erst einmal nur für "bedrohte Teile der Bevölkerung", heißt es in §20, Absatz 6. Verpflichtende Impfungen darf es nur in besonderen Fällen geben, denn sie könnten gegen Art. 2 des Grundegesetzes verstoßen: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit."

Großes Echo hatte zuletzt die Masern-Impfpflicht unter anderem für Kinder und Personal in Kitas und Schulen nach sich gezogen. Die Masern aber sind eine hochansteckende Krankheit mit schweren möglichen Folgeschäden. Durch flächendeckende Impfungen könnten die Masern endgültig ausgerottet werden.

44 Prozent der Befragten sind übrigens für eine Impfpflicht gegen Sars-CoV-2, 40 Prozent strikt dagegen. Der Rest sind Enthaltungen.

Bis zum Impfstoff vergeht noch viel Zeit

Noch gibt es sowieso keinen Impfstoff gegen das Coronavirus. Es wird geforscht, vielversprechende Ansätze gibt es auch schon. Doch nach Einschätzung vieler Experten dürfte ein zugelassener und somit gut kontrollierter Impfstoff der breiten Masse erst im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Zuvor könnten bereits Impfungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen, etwa Risikopatienten oder Mitarbeiter im medizinischen Bereich, bereit stehen, um sie gegen die Schäden, die das Coronavirus im Körper anrichten kann, zu schützen. Bis ein Impfstoff vorhanden ist, der wirklich guten und auch langfristigen Schutz gegen Sars-CoV-2 und Covid-19 bietet, können aber auch noch Jahre vergehen. Die WHO erklärt: Das Coronavirus verschwindet nicht mehr – aber wir können es kontrollieren lernen.

Eine Epidemiologin verrät indes: Wie können wir eine 2. Infektionswelle vorhersehen?

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