24.05.2020 - 19:21

Gerinnungsstörungen bei Covid-19 Trotz Coronakrise: Blutverdünner bitte auf keinen Fall absetzen!

Wer Gerinnungshemmer bzw. "Blutverdünner" einnimmt, soll dies auch trotz Corona-Krise weiterhin tun. Rücksprache mit Ärzten bzw. das Mitführen eines Notfallausweises helfen.

Foto: iStock/baona

Wer Gerinnungshemmer bzw. "Blutverdünner" einnimmt, soll dies auch trotz Corona-Krise weiterhin tun. Rücksprache mit Ärzten bzw. das Mitführen eines Notfallausweises helfen.

Die Deutsche Herzstiftung mahnt Herzpatienten, ihre Gerinnungshemmer zum Schutz vor Infarkten trotz Corona-Krise einzunehmen. Auf Gerinnungsstörungen bei Covid-19 sind Klinikärzte vorbereitet.

Gerinnungsstörungen können eines der vielfältigen Symptome der Coronavirus-Erkrankung Covid-19 sein. Möglicherweise sind sie auch teilweise verantwortlich für schwere Verläufe der Krankheit. Komplikationen können Beinvenenthrombosen oder Lungenembolien sein, die auch zum Tod führen können, erklären etwa die Experten der Deutschen Herzstiftung. Die Berichte verunsichern Patienten mit Herzleiden, die dauerhaft Gerinnungshemmer einnehmen müssen. Daher warnt die Deutsche Herzstiftung: Herzpatienten sollen Blutverdünner trotz Corona-Krise wie gehabt einnehmen. Im Zweifel hilft ein klärendes ärztliches Gespräch.

Blutverdünner weiter einnehmen: Bitte keine Angst vor Corona

"Besonders Patienten mit Herzleiden, die mit einer erhöhten Gefahr für Embolien und Infarkte einhergehen und deshalb dauerhaft mit Gerinnungshemmern, den 'Blutverdünnern', behandelt werden, sind derzeit extrem verunsichert", berichtet der Kardiologe PD Dr. med. Gerian Grönefeld vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Die langfristige Einnahme von Gerinnungshemmern (z.B. sogenannte orale Antikoagulanzien wie Marcumar und Falithrom oder neuere "DOAKs", Direkte orale Antikoagulanzien) betrifft in Deutschland mehrere Millionen Herzpatienten. Vor allem sind Herzkranke mit der häufigsten Herzrhythmusstörung, dem Vorhofflimmern, sowie Patienten mit künstlicher Herzklappe betroffen.

Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, sollten weiterhin ihre Plättchenhemmer wie ASS, Clopidogrel sowie Prasugrel und Ticagrelor zuverlässig und ununterbrochen einnehmen.

"Für diese Patienten besteht aktuell kein Grund zur Besorgnis. Kliniken, die Covid-19-Patienten versorgen, sind in aller Regel auf solche erhöhten Gerinnungsaktivitäten und damit verbundene medizinische Vorkehrungen zur Verminderung von Embolierisiken vorbereitet", versichert Grönefeld, der auch Chefarzt der I. Medizinischen Abteilung Kardiologie der Asklepios Klinik Barmbek ist.

Wer Gerinnungshemmer einnimmt, hat auch ein erhöhtes Blutungsrisiko. Auch das beachten die Mediziner. "Besonders diese Patienten mit Gerinnungshemmern sollten weiterhin auf die konsequente Einnahme ihrer Medikamente für die Thromboseprophylaxe achten.“

Bei Covid-19: Informieren Sie Ärzte und Klinik

Sollten Sie als Herzpatient an Covid-19 erkranken, sollten Sie behandelnde Ärzte, auch in der Klinik, unbedingt über die Thromboseprophylaxe informieren. So können die Ärzte verhindern, zu viel Gerinnungshemmer zu geben. Dafür empfiehlt die Herzstiftung den Notfallausweis für Herzpatienten. Dort werden wichtige Angaben zur Herzerkrankung und zu den Medikamenten eingetragen. Sie können einen solchen Notfallausweis kostenfrei unter Herzstiftung.de/notfallausweis oder per Telefon unter 069 955128-400 bestellen sowie per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de (Stichwort: Notfallausweis) anfordern.

Ganz wichtig auch: Bitte haben Sie keine Angst, bei akuten Notfällen den Notruf zu kontaktieren. Auch während der Corona-Krise ist dies enorm wichtig und rettet Leben! Es wird alles dafür getan, ein Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Notruf! So reagiert man richtig

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Entzündungsreaktion: Bei Covid-19 scheint das Blut eher zu gerinnen

Dass Covid-19, die vom Coronavirus Sars-CoV-2 hervorgerufene Erkrankung, keine reine Lungenkrankheit ist, bestätigt sich immer mehr. Forscher finden immer mehr darüber hinaus, was das Coronavirus mit dem Körper machen kann und was dafür sorgt, dass die Erkrankung in manchen Fällen schwer verläuft, obwohl sie bei den meisten Patienten kaum Beschwerden hervorruft. Dabei werden auch die Risikogruppen für schwere Verläufe immer genauer eingegrenzt.

So schätzen Experten, dass rund 20 Prozent der Covid-19-Patienten als Begleiterkrankung schwere Gerinnungsstörungen erleiden. Die Folge davon sind meist venöse Thromboembolien. Bei Patienten mit schwerem bis tödlichem Krankheitsverlauf sind solche Gefäßverschlüsse vermehrt aufgetreten. Sie können lebensgefährliche Komplikationen hervorrufen, darunter Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenembolie. Solche durch die Reaktion des Körpers auf das Virus hervorgerufenen Begleiterkrankungen spielen dann eine große Rolle beim Tod von Covid-19-Patienten.

Den Grund sehen Forscher darin, dass das Blut nach der Infektion übermäßig gerinnen kann. Diese Hyperkoagulation führen sie auf eine Entzündungsreaktion zurück, unter der manche Covid-19-Patienten leiden. Italienische Forscher hatten Studien aus China analysiert und dabei festgestellt, dass ein bestimmtes Protein (D-Dimer) bei Covid-19-Patienten vermehrt zu finden war. F. Violi et al. beschreiben, dass sich dieses Protein bildet, wenn sich in Blutgefäßen Gerinnsel gebildet haben und wenn sich diese Blutgerinnsel durch Körperreaktionen auflösen. Bestätigen konnten dies Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) bei einer Obduktionsstudie auf Basis von Autopsien von nach Covid-19-Infektion Verstorbenen. Auch bei ihnen wurde in der Mehrheit der Fälle eine Beinvenenthrombose oder Lungenembolie festgestellt (Wichmann D. et al.).

Wichtiger denn je fürs Herz: Bewegung und gesunde Ernährung

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung sowie regelmäßiger Bewegung ist für Herzpatienten sowieso wichtig. Vor allem aber während der Corona-Krise rät die Deutsche Herzstiftung besonders dazu, um das Herz fit zu halten. So kann sich möglicherweise das Risiko eines schweren Verlaufs senken lassen.

Als beste Art Sport und Fitness empfehlen die Herzstiftung sowie Herzspezialisten vor allem Laufen (oder zügiges Gehen) oder Radfahren an der frischen Luft sowie Gymnastik zu Hause. Dafür eignen sich auch Trainingsvideos aus dem Internet. Vielleicht bietet Ihr Sportverein oder Ihre Herzsportgruppe auch Ähnliches an. Ein weiterer Pluspunkt: Körperliche Aktivität tut nicht nur dem Körper und allem voran dem Herz-Kreislauf-System gut, indem sie die Durchblutung und die Gefäßelastizität fördern, sondern auch der Seele. Und auf die müssen wir in Krisenzeiten – nicht nur während des Coronavirus – besonders viel Acht geben.

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Quellen: www.herzstiftung.de, F. Violi et al., Thrombosis and Haemostasis 2020, Wichmann D. et al., Annals of Internal Medicine 2020

Hier können Sie den Notfallausweis beantragen.

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